Pflanzenschutz

Wichtige Entscheidung: Genuss- oder Zierpflanze?

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Immer mehr Gärtnereien entdecken den Kundentrend zu Gemüse und Kräutern neu – und nehmen sie, ganz im Zeichen der Nachfrage nach regionaler Ware und Eigenproduktion, vermehrt in ihre Produktion mit auf. Hier lauern allerdings mächtige Fallstricke – denn die Vorschriften im Bereich Pflanzenschutz sind für Gemüse weitaus differenzierter als etwa für Zierpflanzen.

Essbar oder nicht? Aus pflanzenschutzrechtlicher Sicht macht das einen großen Unterschied. Foto: Pixabay

Pflanzenschutzrecht kennt kein „Ziergemüse“ oder „essbare Zierpflanzen“

Die wichtigste Botschaft vorweg: Wer Gemüse oder Kräuter produziert, sollte immer vorab genau den Verwendungszweck seines Produktes festlegen – denn danach richten sich die erlaubten Pflanzenschutzmaßnahmen. Wichtig ist auch zu klären, was der Verbraucher von der Pflanze erwartet: Sieht er die jeweilige Pflanze als Zierpflanze an oder soll sie ihm zum Verzehr dienen?

„Ziergemüse“ oder „essbare Zierpflanzen“ – diese Begriffe gibt es aus pflanzenschutzrechtlicher Sicht nämlich nicht, warnt Dr. Alexandra Wichura vom Pflanzenschutzamt Hannover. Das bedeutet: Der Produzent und auch Anbieter muss sich im Vorfeld entscheiden, ob er eine Gemüsepflanze als Gemüse oder als Zierpflanze anbieten und entsprechend kultivieren will. Sonst drohen eventuell später Diskrepanzen mit dem Lebensmittelrecht, mit dem die zulässigen Rückstandshöchstgehalte bei Verzehrpflanzen eng verzahnt sind.

Überschreitet das produzierte Gemüse die Rückstandshöchstgehalte?

Aus den EU-Listen der Rückstandshöchstgehalte lässt sich übrigens im Rahmen der Suchfunktion die vergangene und zukünftige Entwicklung der Rückstandshöchstgehalte für die einzelnen Kulturen ersehen – eine wichtige Hilfe für den Produzenten. Wenn das produzierte Gemüse nun die geforderten Rückstandsgehalte nicht überschreitet, ist es nach dem Lebensmittelrecht verkaufsfähig.

Ist ein verwendetes Mittel allerdings für den Einsatz in dieser Kultur gar nicht zugelassen, ist die Anwendung dennoch nach dem Pflanzenschutzrecht ahndbar, obwohl der Rückstandshöchstgehalt nicht überschritten wurde.

So dürfte eine mit Chlorthianidin behandelte Tomatenpflanze bei Einhaltung des Rückstandshöchstgehaltes verkauft werden, der Produzent kann aber wegen der Anwendung dieses Wirkstoffes an der Tomatenpflanze belangt werden. Rückstandshöchstgehalte müssen IMMER beachtet werden, wenn ein Endverkaufsbetrieb Gemüsepflanzen anbietet. Auf deren Einhaltung hat er selbst zu achten, wenn er eine verzehrfähige oder verzehrfertige Pflanze anbietet.

Anbieter auch für zugekaufte Pflanzen verantwortlich

Übrigens kann sich ein Betrieb auch nicht aus der Verantwortung stehlen, wenn er zugekaufte Ware anbietet – beispielsweise Jung- oder Halbfertigware aus anderen EU-Ländern. Unter Umständen sind dort andere Mittel zugelassen – dennoch ist der Betrieb in der Pflicht, der die Ware an den Endabnehmer verkauft. Wichuras Tipp: „Lassen Sie auf dem Lieferschein vermerken, welche Mittel in der Kultur, auch bei der Jungpflanzenproduktion, eingesetzt wurden.“

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der TASPO 45/2017, die am 10. November erscheint. Darin enthalten ist auch das neue TASPOextra Genusspflanzen, unter anderem mit unserer Umfrage zum Pflanzenschutz bei Kräutern im Winter, Gemüsebau Steiner im Porträt und der Messevorschau zur Agritechnica.