Pflanzenschutz

Wie viele Weihnachtsbaumkulturen verträgt Sinngrund im Spessart?

Im Sinngrund, Spessart, brodelt es. Die Bevölkerung und die Presse haben in den vergangenen Wochen und Monaten Stimmung gegen die ihrer Meinung nach überhand nehmenden Flächen mit Nordmanntannen-Kulturen gemacht. In den 70er Jahren wurden Weihnachtsbäume überwiegend im Nebenerwerb angebaut. Inzwischen reichten die Schonungen, so lauteten die Klagen, teilweise bis an die Wohnbebauung heran, vermutlich sogar auf nicht genehmigten Flächen.

Die Anwohner klagen über Kopfschmerzen und führen dies auf die ausgebrachten Pflanzenschutzmittel und ihre Zusätze zurück. Namentlich das Herbizid Roundup, vor allem aber das beigemischte Netzmittel POEA, das im Verdacht steht Krebs auszulösen und wesentlich langsamer abgebaut wird, sind in der Kritik. Außerdem empfinden viele, dass die weitreichenden Weihnachtsbaumflächen das optische Bild des Sinngrundes als Tourismusregion beeinträchtige.

Um wieder auf eine sachliche Ebene zurückzukommen, organisierte Uwe Klug, Weihnachtsbaumanbauer aus Mittelsinn, einen Informationsabend in der Mittelsinner Turnhalle – bundesweit eine Premiere, dass die in der Kritik stehenden Weihnachtsbaumanbauer die Initiative ergriffen. Der Einladung folgten weit über 300 Gäste: Anwohner, Weihnachtsbaumproduzenten, Vertreter der meisten politischen Parteien sowie Amtsvertreter der Städte und Gemeinden ringsum. Diszipliniert hörten sie sich an, was die drei eingeladenen Referenten zum Thema Weihnachtsbaumanbau zu sagen hatten, bevor die Diskussion folgte.

Um es vorweg zu nehmen: So fachlich richtig die Experten (Bundesverbandsvorsitzender Bernd Oelkers, Peter Uehre, Versuchsleiter Weihnachtsbäume am Gartenbauzentrum Münster-Wolbeck sowie Notker Wolf, Verkaufsleiter von Baywa Agrar) über den Weihnachtsbaumanbau, seine wirtschaftliche Bedeutung und die verschiedenen Kulturmaßnahmen sprachen, den Nerv der Zuhörer trafen sie damit nicht. Etliche Gäste hatten sich gut vorbereitet, hielten selbst – teilweise vom Blatt ablesend – kleine Referate, zitierten aus Stellungnahmen, Fernsehsendungen und anderen Quellen, um ihren Sorgen Ausdruck zu verleihen.

 Am Ende der sehr gut besuchten Veranstaltung blieb die Empfehlung, nicht via Zeitung Dinge übereinander zu verbreiten, sondern sich an einen Tisch zu setzen, um zu klären, wo der Landschaftsschutzplan nicht beachtet worden sei und wo Kulturflächen zu reduzieren sind. Um die Spitzmittelproblematik sollten sich die Abgeordneten kümmern, man könne den Anbauern nicht vorwerfen, dass sie zugelassene Mittel einsetzen.

Nach diesem Abend der ersten Kontaktaufnahme und gegenseitigen Anhörung bleiben also noch einige Dinge aufzuarbeiten. Der Initiator Uwe Klug ist überzeugt, dass die Gäste nun mehr Verständnis für die Weihnachtsbaumanbauer haben und dass diese von der ordnungsgemäßen Bewirtschaftung der Flächen überzeugt sind. Bei Führungen durch den Betrieb und im Einzelgespräch habe er und wird er weiterhin in diese Richtung arbeiten. Und er empfiehlt Kollegen, die ähnliche Probleme mit der öffentlichen Wahrnehmung haben, ähnliche Initiativen zu ergreifen.

Wenn Sie die ausführliche Diskussion nachvollziehen wollen, lesen Sie in der TASPO 18/11 den vollständigen Artikel von Liebgard Jennerich.