Xylella fastidiosa: EU-Kommission erlässt neue Vorschriften

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Olivenbaum mit typischen Symptomen eines Befalls durch Xylella fastidiosa. Foto: EPPO / EFSA

Die EU-Kommission hat neue Vorschriften verabschiedet, um die Ausbreitung von Xylella fastidiosa einzudämmen. Die Durchführungsverordnung (EU) 2020/1201 basiert auf neuesten Erkenntnissen der EFSA und sieht unter anderem vor, dass bei Auftreten des Feuerbakteriums unverzüglich eine Befalls- sowie Pufferzone um die infizierten Pflanzen eingerichtet werden müssen.

Vorschriften für Befalls- und Pufferzonen bei Ausbruch von Xylella

Die Befallszone muss laut den neuen EU-Vorschriften einen Radius von mindestens 50 Meter um die mit Xylella infizierte Pflanze haben. Die vorgeschriebene Größe der Pufferzone ist dagegen gestaffelt und richtet sich nach den zu ergreifenden Maßnahmen. Sie muss

  • im Fall von Eindämmungsmaßnahmen mindestens fünf Kilometer betragen
  • bei Ausbrüchen, die Tilgungsmaßnahmen unterliegen, 2,5 Kilometer umfassen
  • bei isolierten Ausbrüchen, bei denen keine natürliche Ausbreitung stattgefunden hat und unverzüglich Tilgungsmaßnahmen getroffen wurden, eine Breite von einem Kilometer haben

Zu den Tilgungsmaßnahmen schreibt die neue Durchführungsverordnung vor, dass bei einem Ausbruch von Xylella fastidiosa innerhalb der Befallszone alle infizierten Pflanzen sowie solche, die typische Symptome zeigen, entfernt werden müssen. Ebenfalls zu entfernen sind demnach Pflanzen, die zu derselben Art gehören wie die infizierte Pflanze sowie andere Arten, die im abgegrenzten Gebiet infiziert sind – unabhängig von ihrem Gesundheitszustand. Darüber hinaus sind auch alle für die jeweils spezifische Unterart von Xylella fastidiosa anfälligen Wirtspflanzen zu entfernen – es sei denn, sie wurden unverzüglich beprobt und auf einen Befall mit Xylella getestet.

Mitgliedstaaten können Wirtspflanzen mit „historischem Wert“ ausweisen

Allerdings haben Mitgliedstaaten die Möglichkeit, bestimmten Wirtspflanzen offiziell einen „historischen Wert“ zu bescheinigen. Sind diese selbst frei von Xylella, müssen sie nicht entfernt werden, selbst wenn sie sich im Umkreis von 50 Metern zu nachweislich infizierten Pflanzen befinden. Um einen möglichen Befall und eine Ausbreitung des Feuerbakteriums zu verhindern, sollten die „historisch wertvollen“ Pflanzen den neuen EU-Vorschriften zufolge jedoch intensiv überwacht werden. Eine intensive Überwachung von Wirtspflanzen soll darüber hinaus auch innerhalb der 2,5-Kilometer-Pufferzone erfolgen.

Im süditalienischen Apulien, auf Korsika und den Balearen dagegen ist der EU-Kommission zufolge eine Ausrottung von Xylella nicht möglich, da sich der Quarantäneschaderreger in diesen Gebieten bereits weiträumig etabliert hat. Entsprechend sind hier Eindämmungsmaßnahmen zugelassen, die innerhalb der Befallszone aus einer intensiven Überwachung und der sofortigen Entfernung der infizierten Pflanzen bestehen. Innerhalb der Fünf-Kilometer-Pufferzone gelten die gleichen Bestimmungen wie in der übrigen EU. Lediglich für Korsika und die Balearen gibt es keine Vorgaben für Pufferzonen, da die infizierten Zonen hier vom Meer umgeben sind.

Strenge Anforderungen für Nachpflanzen und Verbringung von Wirtspflanzen

Das Nachpflanzen potenzieller Wirtspflanzen innerhalb der Befallszone unterliegt der Genehmigung des jeweiligen Mitgliedstaats. Die Pflanzen müssen unter anderem aus Produktionsbetrieben stammen, die nachweislich frei von Xylella und dessen Vektoren sind, zudem sollte es sich möglichst um Xylella-resistente Sorten handeln. Strenge Anforderungen gelten überdies für die Verbringung von Wirtspflanzen – sowohl innerhalb der EU als auch für die Einfuhr aus Drittländern. So müssen die Pflanzen beispielsweise aus geschütztem Anbau stammen und vorab auf einen Befall mit Xylella untersucht werden.

► Die neue Durchführungsverordnung (EU) 2020/1201 ist auf der Website des JKI zu finden.