Pflanzenschutz

Xylella fastidiosa: Expertin im Interview

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Carolin Gembé versorgt Bürger, Gemeinden und Inspektoren mit fachkundigem Rat rund um die Pflanzenkrankheit Xylella fastidiosa. Seit Kurzem ist die studierte Ökotoxikologin vom LfULG Sachsen in der Außenstelle Plauen als Referentin angestellt. Wir sprachen mit der Expertin.

Frau Gembé, wie genau sieht Ihr Aufgabengebiet aus?

Zu meinen Aufgaben gehören die Organisation in Plauen, die Durchführung, Dokumentation und Nachbereitung der Kontrollen auf Xylella fastidiosa in der Befalls- und Pufferzone. Darüber hinaus diene ich als Ansprechpartnerin vor Ort für Bürger und Kommunen, aber auch für die eingesetzten Inspektoren für die Sichtprüfungen in der Befalls- und Pufferzone.

Mit welchen Fragen werden Sie am häufigsten konfrontiert?

Die häufigsten Fragen betreffen das Verbringungsverbot. So wollen Händler beispielsweise wissen, ob innerhalb der Pufferzone der Verkauf spezifizierter Pflanzen erlaubt ist oder wie es sich mit dem Verkauf nicht spezifizierter Pflanzen verhält. Andererseits kommen auch Anfragen von Bürgern, die zum Beispiel einen Baum gefällt haben und wissen möchten, ob sie nun das Holz aus der Pufferzone verbringen dürfen.

Was macht Sie zur optimalen Ansprechpartnerin für das Thema Xylella?

Während meines Studiums zum Bachelor of Science in Biologie hatte ich die Möglichkeit, an vielen botanischen Exkursionen teilzunehmen, wodurch ich eine fundierte Kenntnis der heimischen beziehungsweise europäischen Pflanzenarten erlangt habe. Zudem habe ich einige Veranstaltungen in Phytopathologie besucht, sodass ich schon früh einen Einblick in das Thema „Pflanzenkrankheiten“ erhalten konnte. Bereits im Studium habe ich begonnen, botanische Bestimmungsübungen zu betreuen und botanische Exkursionen zu leiten. Nach dem Studium zum Master of Science in Ökotoxikologie habe ich neben der Forschung weiter in der universitären Lehre gearbeitet und mich dort hauptsächlich mit Botanik befasst.

Wie stufen Sie das Gefahrenpotenzial des Feuerbakteriums ein?

Das Feuerbakterium kann mit üblichen Pflanzenschutzmaßnahmen nicht bekämpft werden und ist deshalb als Quarantäneschadorganismus gelistet. In Befallsländern wie den USA verursacht es große Schäden, zum Beispiel an Weinreben und Prunus-Arten, die auch für Deutschland relevant sind. Das Gefahrenpotenzial wird als hoch eingeschätzt.   

Welche Maßnahmen eignen sich am besten, um die Ausbreitung von Xylella in Plauen zu hemmen oder gar zu verhindern?

Das LfULG hält sich an die vorgeschriebenen Maßnahmen des EU-Durchführungsbeschlusses 2015/789. Hierzu gehören die bereits abgegrenzten Gebiete der Befalls- und Pufferzone, in denen nun jährliche Sichtprüfungen der anfälligen Pflanzen sowie Probennahmen stattfinden werden. Auch die Vektoren, nämlich Xylem-saugende Insekten (Cicadellidae und Cercopidae), werden einerseits auf ihr Vorkommen im abgegrenzten Gebiet, andererseits auf den Befall mit Xylella fastidiosa untersucht. Bisher ist in Europa nur die Wiesenschaumzikade (Philaenus spumarius) als Vektor bestätigt, jedoch werden auch weitere Zikadenarten bei den Kontrollen berücksichtig.

Zudem gilt das Verbringungsverbot für spezifizierte Pflanzen, um eine weitere Ausbreitung von Xylella fastidiosa zu verhindern. Hier ist es wichtig, dass Händler und Kunden dieses Verbringungsverbot einhalten und keine spezifizierten Pflanzen aus der Pufferzone heraus bringen.

Weiterhin sollten Privatpersonen es vermeiden, Pflanzen aus dem Urlaub - zum Beispiel als Steckling - mitzubringen, sondern stattdessen ihre Pflanzen im Fachhandel erwerben. Diese Pflanzen werden regelmäßig von Pflanzenschutzdiensten kontrolliert, was die größtmögliche Sicherheit vor einem Befall bietet.
Am Ende möchte ich auf die Informationsseite des LfULG zum Thema Xylella fastidiosa hinweisen. Hier finden Sie neben wichtigen Informationen zum Erreger und der Liste mit den spezifizierten Pflanzen auch die rechtlichen Regelungen: https://www.landwirtschaft.sachsen.de/landwirtschaft/40419.htm