Pflanzenschutz

Xylella: für Fachhandel „schnell existenzbedrohend“

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Tritt Xylella fastidiosa im gärtnerischen Fachhandel auf, droht schlimmstenfalls die Räumung des kompletten Pflanzenbestands. Doch wie können sich Gartencenter und Einzelhandelsgärtnereien vor der Einschleppung des Feuerbakteriums schützen? TASPO Online hat bei Peter Botz, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Garten-Center (VDG), nachgehakt.

Peter Botz, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Garten-Center, plädiert für Ausgleichszahlungen für von Xylella betroffene Betriebe. Foto: VDG

Wie können sich Gartencenter vor einer Einschleppung von Xylella fastidiosa schützen?

Die Auswahl zuverlässiger Lieferanten aus dem Mittelmeerraum ist oberstes Gebot. Zusätzlich sollte jeder, der Pflanzen von dort einführt, seinem Lieferanten schreiben, wie existenziell wichtig eine befallsfreie Lieferung für das Gartencenter ist. Der Import sollte im Gartencenter von einem Sachverständigen geprüft werden.

Auf welche Befallssymptome müssen Fachhändler beim Pflanzeneinkauf besonders achten?

Das schwierige an einer Diagnose ist, dass es keine eindeutigen Schadbilder gibt. Bei der Vielzahl der betroffenen Pflanzenarten gibt es sehr unterschiedliche Schadbilder. Sobald unbekannte Blattschäden sichtbar sind, sollten alle Alarmglocken schrillen und Sachverständige hinzugezogen werden. Das JKI (Julius Kühn-Institut) informiert sehr umfassend über Xylella und kann sicher kompetent helfen.

Britische Gartencenter wollen keine Pflanzen mehr aus Regionen kaufen, in denen das Feuerbakterium auftritt. Wie bewerten Sie diese Maßnahme?

Es zeigt die Einschätzung der Brisanz. Ich befürchte, dass in Deutschland das Wissen um die Gefährlichkeit dieser Krankheit noch zu wenig bekannt ist. Die britische Maßnahme finde ich jedenfalls aus vorbeugender Sicht sehr konsequent.

Gesetzt den Fall, in einem Gartencenter oder einer Einzelhandelsgärtnerei wurde eine mit Xylella befallene Pflanze entdeckt: Welche Konsequenzen erwarten den betreffenden Betrieb?

Es wird vermutlich nicht nur den Betrieb treffen, sondern unter Umständen eine ganze Region! Zunächst müssen wir mit einer Schließung des betroffenen Betriebes rechnen. Über Zikaden kann sich Xylella auf in Deutschland heimische Obst- und Waldbäume übertragen. Sobald der Befallsherd sicher eingegrenzt ist, kann von einer Lockerung behördlicher Maßnahmen in der Region ausgegangen werden. Der betroffene Betrieb selbst hat sicher einen erheblichen Zeitaufwand einzukalkulieren, bevor der Verkauf wieder zugelassen wird.

Wie dringend sind in diesem Zusammenhang Ausgleichszahlungen für von Xylella betroffene Betriebe?

Eine Schließung von Gartencentern und anderen Verkaufsstätten von Pflanzen hat sicher sehr dramatische Auswirkungen. Wenn wir uns vorstellen, dass ein Gartencenter in der Saison davon betroffen ist, wird das schnell existenzbedrohend sein.

Ich halte es für dringend geboten, das der Staat hier klarstellt, dass betroffene Betriebe Ausgleichszahlungen erhalten. Ansonsten ist zu befürchten, dass befallene Partien nicht gemeldet werden, weil man selbst versucht, das Problem zu lösen. Wenn dabei falsche Maßnahmen getroffen werden, ist der Schaden ungleich höher.