Gartenbaubetrieb Feil: Mehrere Absatzwege

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Gartenbau-Unternehmerfamilie Feil (v. l.): Berthold und Renate Feil und Sohn Marius. Foto: Feil

Konzentrationsprozesse sind ein wesentlicher Aspekt, der den Gartenbau in der jüngeren Vergangenheit geprägt hat – in der Anzahl der Betriebe (immer weniger, dafür immer größer), bei den Vertriebswegen und Sortimenten oder innerhalb der Regionen. Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel des Gartenbau-Unternehmens Feil im baden-württembergischen Kraichtal.

Insbesondere bei den Vertriebswegen hat sich Berthold Feil, der das 1947 von den Eltern gegründete Unternehmen heute gemeinsam mit seiner Frau Renate und seinem Sohn Marius führt, für eine heute nicht mehr häufig anzutreffende Breite entschieden.

Vertriebswege des Gartenbau-Unternehmens Feil

Er verkauft seine Produkte in der Gärtnerei (von März bis Oktober im Verkaufsgewächshaus), ganzjährig in einem eigenen Blumenfachgeschäft im Stadtteil Unteröwisheim, auf einem recht großen Wochenmarktstand in Bruchsal und über den Blumengroßmarkt (BGM) Karlsruhe. Hinzu kommt noch das Friedhofsgeschäft: Seit rund zehn Jahren ist man Teil der badischen Friedhofsgärtnergenossenschaft und betreut deutlich über 100 Grabstätten.

„Das Risiko mindern, Unabhängigkeit von einer dominanten Vertriebsform“, nennt Berthold Feil als wesentlichen Grund für die Breite bei den Absatzwegen. Bezogen auf die Menge spielt der Blumengroßmarkt Karlsruhe die entscheidende Rolle. Bezogen auf den monetären Umsatz werden dort etwa 30 Prozent erwirtschaftet. Rund 60 Prozent kommt aber aus dem Verkauf an Privatkunden, immerhin zehn Prozent steuert das Friedhofsgeschäft hinzu.

Vermarktung über Blumengroßmarkt wichtiges Stück Zukunftssicherung

Wäre es da nicht klüger, sich ganz auf das Geschäft mit den Endkunden zu konzentrieren? „Nein“, meint Feil, dessen Eltern vor 50 Jahren zu den Mitbegründern des BGM Karlsruhe gehörten. Für den Gärtnermeister, der seit 1989 im Vorstand des BGM Karlsruhe wirkt, ist die „direkte Vermarktung mit seinem Frischevorteil“, der „persönliche Kontakt“ zu Kunden wie zu Kollegen sowie der „genossenschaftliche Gedanke“ ein wichtiges Stück Zukunftssicherung.

Während viele Gartenbaubetriebe sich heute auf einige bestimmte Produkte konzentrieren, strebt Feil auch in seiner Sortimentspolitik Breite an – unter anderem Primeln, Bellis, Violen, Beet- und Balkonpflanzen mit dem Schwerpunkt Pelargonien, Heleborus niger (vermehrt er selbst), Sommerastern, kleinblütige Sonnenblumen, Löwenmaul, Bartnelken, Dahlien und im Dezember sogar Tannenbäume (für Gräber).

Feil produziert in den kälteren Monaten Gemüse

In den kälteren Monaten produziert Feil Gemüse. Etwa Rosenkohl, den er über einen Großmarkthändler vermarktet. „Wir verkaufen den Rosenkohl in der kompletten Saison zu einem festen Preis“, erklärt der Gärtnermeister. Die Preisgestaltung könne „im höheren Bereich liegen“, weil viele Restaurants „deutsche Produkte aus regionaler Produktion bevorzugen“ würden. Feil ist überzeugt, dass er mit seinem Rosenkohl „so etwas wie eine regionale Marke“ geschaffen hat.

Produziert wird auf 2.500 Quadratmeter Hochglasfläche, über 2.000 Quadratmeter in Folienhäusern und auf drei Hektar Freiland. Neben den Familienmitgliedern arbeiten eine Diplom-Agrar-Ingenieurin, drei Gärtnerinnen, eine Floristin, seit über 20 Jahren zwei Saisonkräfte und vier Honorarkräfte im Betrieb.

Wie bekommt man den Tanz auf so vielen Hochzeiten unter einen Hut?

Alle denkbaren Vertriebsformen, ein breites Sortiment, viele Mitarbeiter – da stellt sich natürlich die Zeitfrage. Wie bekommt man den Tanz auf so vielen Hochzeiten unter einen Hut? Berthold Feil zuckt mit den Schultern: „Im landwirtschaftlichen Bereich hat man immer ein Viertel mehr Zeit investieren müssen als etwa im Handwerk. Das war immer so, das wird auch so bleiben“, meint er unbekümmert. Allerdings: Zwei Mal jährlich macht er zehn Tage Urlaub. Da ist er eisern, da „kann auch hinter mir alles zusammenbrechen“.

Der komplette Beitrag über den Gartenbaubetrieb Feil ist im Rahmen unserer Serie „Good News“ in der TASPO 22/2017 erschienen. Ein Exemplar der Ausgabe können Sie per Mail bei Melanie Schuhmacher bestellen.

 

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