Heidelberg: erste Bio-Stadtgärtnerei

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Für die Umstellung auf Bioproduktion hat die Stadt Heidelberg in die kommunale Gärtnerei investiert – allein in den Jahren 2015 und 2016 jeweils 100.000 Euro, hauptsächlich in die Gewächshäuser. Foto: Philipp Rothe

Als bundesweit erste Gärtnerei in kommunaler Hand hat die Heidelberger Stadtgärtnerei das Bio-Zertifikat der Europäischen Union erhalten, meldet die Stadt Heidelberg. Konkret heißt das: Alle Beet-, Balkon- und Zierpflanzen, die das Stadtgebiet beinahe ganzjährig mit bunten Farbtupfern schmücken, stammen aus der biologischen Produktion der Stadtgärtnerei.

Bisher wenige Kommunen mit Bio-Zierpflanzenproduktion

Nur sehr wenige Kommunen in Deutschland hätten sich bislang an die biologische Zierpflanzenproduktion gewagt, meldet die Stadt Heidelberg. Die städtischen Gärtner des Regiebetriebs Gartenbau im städtischen Landschafts- und Forstamt Heidelberg experimentierten seit 2013 mit Zierpflanzen, die die Kriterien einer Zertifizierung nach der EU-Bioverordnung erfüllen können. Jetzt sei der gesamte Betrieb auf die biologische Produktion umgestellt.

Bio-Stadtgärtnerei investiert mehr als 200.000 Euro in Gewächhäuser

Die Stadtgärtnerei Heidelberg umfasst eine Unterglas-Fläche von 3.450 und Freilandflächen von 1.450 Quadratmeter und produziert für den Frühjahrs- und Sommerflor 55.000 Pflanzen, für den Herbst- und Winterflor 60.000 Pflanzen. Der Anteil biologisch produzierter Pflanzen liegt mittlerweile bei nahezu 100 Prozent. Für die Umstellung auf Bioproduktion hat die Stadt investiert – allein in den Jahren 2015 und 2016 jeweils 100.000 Euro, hauptsächlich in die Gewächshäuser.

Zu den Maßnahmen gehören beispielsweise die ausschließliche Verwendung von Regen- und Grundwasser und das Umstellen der Wärmeversorgung der Gewächshäuser auf Fernwärme. Aber auch der Einsatz von Bio-Pflanzsubstrat und Biodüngern sowie Schafwolle als Strukturverbesserer und Langzeitdünger. Verwendet werden möglichst viele einheimische Pflanzenarten, das Sortiment ist bewusst auf 15 Pflanzenarten für die Wechselflorflächen beschränkt. Zudem verzichtet die Gärtnerei auf die Kultur von Pflanzen mit hohem Wärmebedarf wie Weihnachtssterne.

Seit 2011 erfolgt in Heidelberg auch der Umbau ehemaliger Pflanzbeete, Staudenflächen, teils auch Rasenflächen und versiegelter Bereiche zu nachhaltigen Blumenwiesen. Blumenwiesen-Saatmischungen werden entlang von Straßen und Verkehrswegen ausgesät und sollen sich durch eigene Aussamung über mehrere Jahre selbst erhalten und dadurch aufwendige jährliche Neuanlagen verhindern.

Bio-Stadtgärtnerei: Kosten rund 20 Prozent höher

Laut Christiane Calis vom Amt für Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Heidelberg kostet das biologische Konzept mehr: „Durch den höheren Anteil an Handarbeit ergibt sich ein Mehraufwand von rund 20 Prozent“, weiß sie. Der Grünflächenunterhaltungsbetrieb müsse die gestiegenen Kosten zumindest in Teilen durch entsprechende Maßnahmen ausgleichen.

Wie die Gärtnerei die Kosten versucht auszugleichen oder die Mitarbeiter den Arbeitsplatz erleben, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der TASPO.

 

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