Nachgehakt: Torfmoos als Torf-Ersatz im Gartenbau

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Projektkoordinatorin Anja Prager im Torfmoos-Quartier an der Uni Greifswald. Fotos: Uni Greifswald

Ausschnitt aus dem Torfmoos-Quartier.

Torfmooskultivierung auf der Projektfläche im Hankhauser Moor.

Unter dem Namen MOOSzucht ist jetzt ein neues Projekt an der Uni Greifswald gestartet, das helfen soll, Methoden zur Massenvermehrung von Torfmoosen im Photobioreaktor zu entwickeln und die Produktivität von Torfmoosen züchterisch zu erhöhen. Aber kann kultivierte Torfmoos-Biomasse Torf als Gartenbau-Substrat wirklich ersetzen? TASPO Online hat bei Projektkoordinatorin Anja Prager nachgehakt.

Ab wann werden Substrate aus Torfmoos im Gartenbau flächendeckend anwendbar sein?

Bevor Torfmoose den Torf im Gartenbau substantiell ersetzen können, gilt es noch viele Fragen zu klären. Die Torfmoose werden unter nassen Bedingungen in Mooren angebaut (www.paludikultur.de). Um das großflächig zu ermöglichen, müssen die agrarpolitischen Rahmenbedingungen angepasst werden.

Das andere ist die Frage, wie Torfmooskultivierung erfolgen kann. Diese neue Form der Landwirtschaft wird erst seit knapp 15 Jahren erforscht, steckt also noch in den Kinderschuhen. Dennoch sind wir schon ein weites Stück vorangekommen. Torfmooskultivierung und Paludikultur wird national und international immer mehr aufgegriffen. Um Weißtorf in Deutschland zu ersetzen, müssten Torfmoose auf etwa 40.000 Hektar angebaut werden. Wie schnell dieses Ziel erreicht werden kann, hängt davon ab, wie schnell die offenen Fragen geklärt werden können.

Eine davon ist zum Beispiel, woher wir das Torfmoos-„Saatgut“ für die Einrichtung neuer Torfmooskulturen nehmen. Da Torfmoose selten und geschützt sind, ist eine Entnahme aus natürlichen Beständen nicht möglich und es müssen neue Methoden zur Massenvermehrung entwickelt werden. Eine weitere Frage ist, ob man die Produktivität von Torfmoos züchterisch steigern kann, um eine Rentabilität von Torfmooskultivierung zu erreichen. An diesen beiden Punkten setzt MOOSzucht an.

Das Zuchtverfahren klingt aufwendig und teuer?

Das ist es vielleicht auch, aber wird in allen anderen Bereichen der Landwirtschaft ja genauso gehandhabt. Wenn dadurch hochproduktive Torfmoose selektiert und massenhaft vermehrt werden können, wird sich das am Ende rentieren. Außerdem gibt es bisher keine alternativen Methoden.

Was verbirgt sich hinter dem Begriff Photobioreaktor?

Ein Photobioreaktor ist ein technisches Gerät, in dem Organismen (hier: Torfmoos) in einer Suspension mit allen benötigten Nährstoffen unter Lichtbestrahlung kultiviert werden. Der große Vorteil besteht in der Möglichkeit, Licht- und Nährstoffverhältnisse optimieren zu können und Konkurrenz auszuschalten. Dies führt zu maximalem Torfmoos-Wachstum und höchsten Vermehrungsraten.

Innerhalb des Projektverbundes ist es die Universität Freiburg, die hierfür die Expertise einbringt und das Karlsruher Institut für Technologie verfügt über das technische Know-how, Photobioreaktoren auch großmaßstäbig zu konstruieren. Die dann mögliche Massenvermehrung von Torfmoos wird hoffentlich die „Saatgut“-Frage lösen.

Sind die Eigenschaften von Substraten aus Torfmoos vergleichbar mit torfhaltigen Kultursubstraten?

Ja, Torfmoos-Frischmasse verfügt über sehr ähnliche Eigenschaften wie Weißtorf. Letzterer ist nichts anderes als abgestorbenes, vertorftes Torfmoos. Zudem wurde die Eignung von Torfmoosen bereits erfolgreich in gartenbaulichen Versuchen mit Zierpflanzen (Alpenveilchen, Azaleen, Begonien, Callunen, Fuchsien, Impatiens, Pelargonien, Petunien, Tagetes und Weihnachtssterne), in der Gemüse-Anzucht (Salat, Gurken, Tomaten und Kohl) und in Presstopferden (Chinakohl und Salat) getestet, wie auch die TASPO schon mehrfach berichtete. Da es sich dabei um hochinnovative Substrate handelt, gibt es natürlich noch offene Fragen, zum Beispiel zu Rezepturen, Anpassungen in der Kulturführung, Qualitätssicherung und Verbraucherschutz.

Inwiefern schützt die Produktion von Torfmoosen das Klima im Vergleich zu herkömmlichen Methoden der Substratgewinnung?

Derzeit ist Torf der mit Abstand wichtigste Substratrohstoff im Gartenbau. Er wird gewonnen durch den Torfabbau in Mooren. Dieser über Jahrtausende gewachsene Torf hat eine große Bedeutung für das Klima, denn Torf besteht zu etwa 50 Prozent aus Kohlenstoff. Moore sind also riesige Kohlenstoffspeicher. Weltweit speichern sie doppelt so viel Kohlenstoff, wie in der Biomasse aller Wälder der Erde. Sobald der Torf mit Sauerstoff in Kontakt kommt, wird er zersetzt und als CO2 in die Atmosphäre abgegeben. Das passiert nach Entwässerung (zum Beispiel für die landwirtschaftliche Nutzung) und noch schneller beim Torfabbau.

Torfmooskultivierung trägt doppelt zum Klimaschutz bei: durch die Wiedervernässung von Mooren für ein optimales Wachstum der Torfmoose und durch die Verwendung der aufgewachsenen Biomasse als Torfersatz. Zugleich liefert sie alternative Einkommen für derzeit entwässerte Moorflächen und einen nachwachsenden Rohstoff für den Gartenbau. Zusätzlich kann Torfmooskultivierung Ersatzlebensräume für seltene Moorarten bieten, Wasser filtern und den Wasserhaushalt in der Landschaft ausgleichen. Torfmooskultivierung ist somit vielfach gut für Mensch, Klima und Umwelt.


Über das Verbundprojekt MOOSzucht

Das dreijährige Verbundprojekt MOOSzucht mit den Partnern Albrecht-Ludwig-Universität Freiburg, Karlsruher Institut für Technologie KIT und den Niedersächsischen Rasenkulturen NIRA Gmbh & Co. KG unter Federführung der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald wird im Programm „Nachwachsende Rohstoffe“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) mit 1,1 Millionen Euro gefördert.

 

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