Skandal um Minigurken aus Segnitz

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Gemüsebauer Franz Hagn aus Segnitz muss seine Bio-Minigurken nun absichtlich vertrocknen lassen. Foto: Screenshot YouTube BR24

Sechs Tonnen Bio-Minigurken musste Gärtner Franz Hagn aus dem unterfränkischen Segnitz innerhalb kürzester Zeit zum Discountpreis an Direktkunden verschleudern. Sonst wäre die Ware vernichtet worden. Er hadert mit Großhändlern wie Rewe, die seine Ware angeblich nicht mehr abnehmen wollen.

Segnitzer Gemüsebauer muss mehrere Tonnen Gurken vernichten

Franz Hagn baut seit seit 14 Jahren auf 6.000 Quadratmetern Bio-Minigurken an. Rund zwei Tonnen produziert er während der Erntephase täglich. Nun aber habe die Genossenschaft ihm und anderen Kleinbetrieben der Region Mitte Mai kurzfristig mitgeteilt, dass große Handelsketten wie Rewe keine unverpackten Minigurken mehr abnehmen würden.

In einem Videointerview mit der fränkischen Illustrierten schilderte der sichtlich verzweifelte Gemüsebauer seinen Fall. Hagn habe bereits ein Gewächshaus räumen müssen, mehrere Tonnen Bio-Minigurken vernichtet und auch im zweiten Gewächshaus das Wasser abgedreht.

Die Illustrierte wiederum postete das Video auf ihrer Facebookseite und landete einen wahren Social Media Hit oder verursachte besser gesagt einen „Skandal“. Über vier Millionen Menschen haben sich den Beitrag inzwischen angesehen, auch wenn er nicht von journalistischer Objektivität und Qualität, sondern von unprofessioneller, eindeutig tendenziöser Berichterstattung gegen die großen Handelsketten zeugt. Facebook-Nutzer sprangen auf den Zug auf und ließen ihrem Unmut gegenüber dem Großhandel freien Lauf.

Sechs bis acht Tonnen Bio-Minigurken über Facebook verkaufen

Was für eine Wirkung doch ein mehrminütiges Interview doch entfalten kann, wenn es über Facebook & Co verbreitet wird. Für Franz Hagn war der Aufruf am Ende des Videos der Knackpunkt. Sechs bis acht Tonnen Bio-Minigurken lagerten zum Zeitpunkt des Interviews noch in den Kühlräumen des unterfränkischen Gemüsebauers. Er bot am Ende des Interviews an, den zehn Kilo Karton Minigurken für zehn Euro an Privatkunden abzugeben.

Inzwischen hat Hagn zwar viele private Abnehmer für seine Ware gefunden, richtig glücklich darüber scheint er allerdings nicht. Der Gemüsebauer bekomme nun aufgrund des Videos von Kollegen, Genossenschaft und anderen Parteien „Schläge in die Rippen“, berichtet er im Interview mit BR 24. Rewe hat sich inzwischen auch zum Fall der unverpackten Bio-Minigurken geäußtert. Die Handelskette dementiert über Facebook jegliche geschäftliche Verbindung zu Franz Hagn aus Segnitz.

Rewe kann die Aktion des Gemüsebauern Franz Hagn nicht nachvollziehen

„Wir können die Aktion des Erzeugers weder nachvollziehen noch gutheißen. Der Landwirt ist uns nicht bekannt und beliefert auch die Rewe nicht direkt. Richtig ist, dass der Erzeuger Mitglied in einer Vermarktungsgenossenschaft ist, die die Rewe Region Süd regional mit verschiedenen Gemüseartikeln beliefert. Die Aussage des Landwirts, dass eine Abnahme von Minigurken durch Rewe in 2017 geplant sei, ist schlichtweg falsch. Zwischen der genossenschaftlichen Erzeugergemeinschaft, in der der Landwirt Mitglied ist, und der Rewe Zentrale gab und gibt es sowohl in der Vergangenheit als auch in diesem Jahr keinerlei vertragliche Abmachungen über die Abnahme von Minigurken. Grundsätzlich vermarktet Rewe sowohl unverpackte Minigurken von lokalen / regionalen Erzeugern als auch Minigurken in der Pappschachtel mit einer Folie drum. Im Übrigen hat uns die Erzeugergenossenschaft versichert, dass die gesamte Minigurken-Ernte des Landwirts über sie hätte vermarktet werden können“, heißt es in einem Statement auf der Facebook-Seite von Rewe.

Wer ist der Schuldige im Drama um die Bio-Minigurke?

Wer nun wirklich der Schuldige in der ganzen Misere um die Bio-Minigurken aus Segnitz ist, bleibt unklar. Hat sich der Unternehmer einfach verkalkuliert, die Genossenschaft nicht mit offenen Karten gespielt oder auch das schwülwarme Wetter zu viele Gurken auf den Markt gespült, sodass die Großhändler keinen Bedarf mehr haben? Alle diese Fragen bleiben vorerst unbeantwortet.

Fakt ist, dass der Gemüsebauer künftig nichtmehr auf Minigurken setzen will. Franz Hagn wird nun auf Schlangengewächse umsteigen, wie er BR24 verrät, und hofft darauf, diese Ware besser absetzen zu können.
                                   

 

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