155 Jahre TASPO: Ein Blick zurück

Veröffentlichungsdatum: , Jessica Müller

Die TASPO besteht seit 155 Jahren, was mit einem Sonderteil in der aktuellen Ausgabe der Zeitung für den Grünen Markt gefeiert wird. Foto: Haymarket Media

In der Deutschen Nationalbibliothek ruht die Sonderausgabe zum 50. TASPO-Jubiläum aus dem Jahr 1917. Beim Durchblättern wird klar: Es gibt Einiges, was wir aus der Vergangenheit lernen können. Zum 155-jährigen TASPO-Jubiläum wirft unsere Volontärin Jessica Müller einen Blick zurück auf bewegte Jahre.

1917: Sonderausgabe zum 50-jährigen TASPO-Jubiläum

Im Jahr 1917 feierte Thalackers Allgemeine Samen- und Pflanzen-Offerte ihren 50. Geburtstag. Die frühere -Jubiläumsausgabe wirkt zwar etwas altmodisch, zeigt aber: Dagewesenes kommt irgendwann wieder – wenn auch im neuen Gewand.

„Es war einmal. Und so sehen wir auf den meisten Gebieten Freud und Leid des Handelsgärtners, Aufstieg und Niedergang von Kulturen, Werden und Vergehen sich getreulich auch auf den gelben Anzeigenseiten abspiegeln all die Jahre hindurch.“ Was sich wie der Beginn eines Märchens liest, stammt tatsächlich aus der TASPO-Jubiläumsausgabe von 1917. Eine Zeit, die zwar in die Geschichtsbücher einging, jedoch nur selten Anlass zum Träumen bot, denn in Europa wütete der Erste Weltkrieg.

Und heute – 105 Jahre später – wieder Krieg. Gekämpft wird dieses Mal nicht in Deutschland, aber unmittelbar vor unserer Haustür. Die Kriegsfolgen können in ihrer Gänze noch gar nicht abgeschätzt werden, aber schon jetzt spüren wir unmittelbare Auswirkungen: Energiekrise, Inflation, Konsumflaute. Unsicherheit herrscht auf allen Ebenen, und mittendrin hofft und bangt die Grüne Branche.

Große Herausforderungen auch vor 105 Jahren

Wie aber war es 105 Jahre früher? Gartenbau-Betriebe kämpften auch damals mit riesigen Herausforderungen. Ein Blick in die Jubiläumsausgabe 1917 verdeutlicht das Ausmaß: „Betriebe, die vor dem Kriege Luxusartikel erzeugten, oder deren Absatz größtenteils vom feindlichen Auslande abhängig war, sahen sich unter den denkbar ungünstigsten Umständen vor neue Aufgaben, wie vermehrtem Anbau von Gemüse usw., gestellt.“ Der Gärtner musste, notgedrungen, kreativ werden. Er musste seinen Betrieb umstrukturieren, sein Sortiment anpassen, ja völlig neue Wege einschlagen. Hinzu kommt, dass der Gartenbau eine Branche ist, die seit Menschengedenken mit unbekannten Variablen kalkulieren musste – nicht zuletzt den Launen der Witterung geschuldet.

Nun ist die TASPO nicht bloß stumme Zeugin politischer Geschichte. Als Handelsblatt deutet sie die Zeichen der Zeit, observiert den Grünen Markt und beschreibt Trends: „Wir sehen die Angebote von abgepflückten Primelblumen und sehen die Binderei der Siebziger Jahre wieder auftauchen, mit viel Draht, mit Bukettmanschetten und anderen Zutaten“, verlautet die geschichtsträchtige Jubiläumsausgabe. Es dünkt wie ein ungeschriebenes Gesetz der Modeerscheinungen: Schon einmal Dagewesenes taucht auf, erstrahlt in neuem Glanz und verblasst schließlich wieder.

Keine Krise gleicht einer anderen

Wie mit der Mode verhält es sich auch mit Krisen. Schon 1917 wusste man: „Dem Krieg mit Waffen werden wirtschaftliche Auseinandersetzungen folgen.“ Ein Satz, wie er auch heute in der TASPO zu lesen sein könnte. Um das klarzustellen: Geschichtliche Ereignisse sollen an dieser Stelle keineswegs bagatellisiert werden, denn keine Krise gleicht einer anderen. Nichtsdestotrotz lassen sich wiederkehrende Muster erkennen. Der Spiegel der Vergangenheit zaubert zwar keine Geheimrezepte für aktuelle Probleme herbei, kann aber dabei helfen, die Gegenwart klarer zu sehen.

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