Belgische Gewächshäuser stoppen Produktion

Veröffentlichungsdatum: , Sven Weschnowsky / TASPO Online

In diesem Winter werden kaum Erdbeeren aus flämischen Gewächshäusern zu erwarten sein. Foto: Pexels/ Rajesh Syangtan

Die Energiekrise bringt den Markt kräftig durcheinander, wie belgische Medien kürzlich berichteten, ziehen auch flämische Unterglas-Betriebe die Reißleine und stoppen die Produktion aufgrund der exorbitant steigenden Energiepreise. Auch die belgische Zierpflanzenproduktion stehe laut Prognosen des Bauernverbandes vor deutlichen Umsatz- und Produktionsrückgängen.

Nur 10 bis 20 Prozent der üblichen Mengen

In den Gewächshäusern Flanderns werden vornehmlich Erdbeeren und Tomaten angebaut, wodurch eine ganzjährige Versorgung sichergestellt werden kann. In diesem Winter allerdings nehmen die Gewächshaus-Betriebe Abstand von der Produktion, da die Energiepreise eine wirtschaftliche Erzeugung kaum mehr gewährleisten können. Bei der Erzeugergenossenschaft Coöperatie Hoogstraten rechnet man damit, dass das Angebot in diesem Jahr gerade mal 10 bis 20 Prozent der üblichen Menge betragen werde. Die gestiegenen Energiekosten, machen es für die Erzeuger nicht mehr rentabel, Erdbeeren und Tomaten im Winter anzubauen.

Gaspreisentwicklung sorgt für unsichere Planung

Im Norden Belgiens ist man auch noch nicht davon überzeugt, im nächsten Winter wieder zu normalen Produktionsmengen zurückzukehren. Um die Produktion dann wieder hochzufahren, sei eine lange Planungs- und Anbauphase erforderlich. Die Pflanzen müssen demnach jetzt gezüchtet werden, um im nächsten Winter im Ertrag zu stehen. Bei den schwankenden Energiepreisen sehen die Erzeuger davon ab, da man keinerlei verlässliche Planungssicherheit habe. Man habe lange überlegt, sei aber zu dem Entschluss gekommen, nicht zu produzieren, da man im August, als die Gaspreise auf dem absoluten Höhepunkt angelangt waren, mit einem Zielpreis bei Wintererdbeeren von 18 Euro pro Kilogramm kalkulieren musste. 

Neue Lösungen suchen bei Logistik und Personal  

Ähnlich sieht es auch in der Tomatenproduktion bei den flämischen Unterglas-Betrieben aus. Auch hier wurde das Licht, beziehungsweise die Heizung bereits abgeschaltet. Hier begann die Produktion zwar bereits Ende März/ Anfang April, da es zu dieser Zeit mehr Sonnenlicht gab, dennoch musste geheizt werden. Neben den Heizkosten sind aber auch sämtliche anderen Betriebsmittel im Preis gestiegen. Es bleibt abzuwarten, welche Erntemenge bei Tomaten letztendlich aus den flämischen Gewächshäusern geliefert werden könne. Ein banger Blick geht laut Coöperatie Hoogstraten auch ins Nachbarland Niederlande, denn hier wird es Gerüchten zufolge 30 Prozent weniger Anbaufläche für Tomaten geben. Das ausgeklügelte Logistiksystem der Genossenschaft sei allerdings auf andere Mengen eingestellt, weshalb es zu Personalkürzungen kommen könnte. Zudem bange man um langjährige Geschäftsbeziehungen zu Abnehmern wie dem LEH, da sich dieser bei geringeren Mengen nach alternativen Lieferanten im Ausland umsehen werde. Es sei demnach erforderlich, innovative Lösungen zu finden.

Auch Zierpflanzenproduktion wird gedrosselt

Auch der Zierpflanzensektor Belgiens stehe vor großen Herausforderungen, denn einer Prognose des belgischen Bauernverbandes zufolge sei ein Umsatzrückgang von mindestens 5 Prozent zu erwarten. Man habe in den zwei Corona-Jahren gute Ergebnisse erzielen können, die sich durch die Energiekrise allerdings nicht fortsetzen werden. Zwar begann das Frühjahr bei Beetpflanzen noch im gewohnten Rahmen, spätestens ab Mitte Mai seien die Preise allerdings gestiegen und der Markt in eine Schieflage geraten. Eine schwache Nachfrage und ein Überangebot sorgten dafür, dass rund 15 bis 20 Prozent der Ware nicht verkauft wurde. Auch bei blühenden Zimmerpflanzen sei eine ähnliche Entwicklung zu spüren gewesen. Der belgische Bauernverband erwarte 2022 15 Prozent weniger abgesetzte Mengen. Auch erwarte der Verband eine gedrosselte Produktion.

Weitere Niederländische Produzenten vor Problemen

Wie TASPO Online berits berichtete, stellten insbesondere Orchideenproduzenten in den Niederlanden aufgrund der Energiekrise ihre Produktionen ein. Das ebenfalls auf Orchideen und tropische Pflanzen spezialisierte niederländische Unternehmen Floricultura hat unterdessen bekannt gegeben, dass man gezwungen sei, aufgrund der steigenden Energiepreise seinen Mitarbeiterstamm drastisch zu verkleinern. Rund 100 der insgesamt 500 Arbeitsplätze in Heemskerk und Assendelft sollen demnach abgebaut werden. Grund dafür seien abermals die Energiepreise und ein Einbruch des Umsatzes um rund 20 Prozent innerhalb weniger Wochen. Durch ein freiwilliges Abfindungsprogramm konnte die Anzahl der betriebsbedingten Kündigungen allerdings verringert werden.

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