Brite züchtet „Selbstmord-Pflanze“ im Papageienkäfig

Veröffentlichungsdatum: , Jessica Müller

Britische Medien berichten aktuell über Daniel Emlyn-Jones, der die Australische Brennessel im Käfig züchtet. Foto: Rainer Wunderlich/ CC BY-SA 3.0/ unbearbeitet

Weil ihn Beet- und Balkonpflanzen langweilen, kultiviert der britische Botaniker und Gärtner Daniel Emlyn-Jones eine der giftigsten Pflanzen der Welt – die Australische Brennnessel. Die Kulturführung fordert weitaus mehr als nur einen grünen Daumen, denn die diese Pflanze geht unter die Haut.

Hinter Gittern – Willkommen im Pflanzenknast

Der britische Botaniker und Hobby-Gärtner Emlyn-Jones kultiviert die Australische Brennnessel (Dendrocnide moroides) in seinem Wohnzimmer. Allerdings darf die unscheinbare Pflanze nicht in Gesellschaft von Grünlilien oder Guzmanien auf der Fensterbank wachsen: „Das ist viel zu gefährlich“, erklärt Emlyn-Jones gegenüber der Daily Mail. Stattdessen muss die Australische Brennnessel in einem eines ausrangierten Papageienkäfig wachsen, der zusätzlich mit einem Schloss gesichert ist. Zwar hat der mutige Gärtner selbst keine Angst vor der Giftpflanze, doch möchte er auf Nummer sicher gehen – für den Fall, dass sich ahnungslose Besucher seinen Australischen Brennnesseln nähern. Doch ist das Pflanzengefängnis nicht die einzige Vorsichtsmaßnahme, die Emlyn-Jones im Umgang mit der speziellen Pflanze tagtäglich berücksichtigten muss.

Kultivierung für Fortgeschrittene

Daniel Emlyn-Jones wässert die Pflanze nur mit extra-sicheren Gummischutzhandschuhen, denn die kleinen Brennnesselhärchen durchdringen jede Textilfaser. Für den Fall, dass er jedoch unfreiwillig mit der Pflanze in Berührung kommt, hat Emlyn-Jones stets ein Notfallpaket griffbereit. Das Erste-Hilfe-Set besteht aus dreiprozentiger Salzsäure und Kaltwachsstreifen, denn nur so könne man das Gift „Moroidin“ auf der Haut neutralisieren und die feinen Brennhaare entfernen. Sollte auch nur ein einziges Brennhaar an der Kontaktstelle verbleiben, kann es noch Wochen oder gar Monate für starke Schmerzen sorgen. Experimente haben gezeigt, dass selbst getrocknete Brennnesselblätter noch jahrhundertelang schwerste Hautreizungen hervorrufen können, denn das enthaltene Gift ist extrem stabil und hochpotent. Allein das zufällige Einatmen der feinen Härchen kann zu Niesanfällen oder gar schweren Atemproblemen führen. Aus diesem Grund sollte bei Kulturarbeiten an Dendrocnide moroides auch stets eine Atemschutzmaske getragen werden. Eine Schmerztherapie gestaltet sich nach dem Kontakt mit der Australischen Brennnessel äußerst schwierig, denn selbst Morphin zeigt sich bei einer Moroidin-Vergiftung wirkungslos. Wie schlimm diese Schmerzen wirklich sein können, das zeigt die Vergangenheit.

Haarsträubende Begegnungen

Die Australische Brennnessel soll im Jahr 1866 in Queensland, nahe der Stadt Gympie, entdeckt worden sein. So wird diese Pflanze von der einheimischen Bevölkerung auch „Gympie-Gympie“ genannt. Gerüchten zufolge wurde im 19. Jahrhundert das Pferd eines Straßenvermessers von der australischen Brennnessel gestochen und ist innerhalb von zwei Stunden an den Folgen der Vergiftung qualvoll verendet. Während des Zweiten Weltkriegs ist der australische Soldat Cyril Bromley bei Geländeübungen in ein Feld aus Dendrocnide moroides gefallen und hat monatelang unter unerträglichen Schmerzen gelitten, die ihn schließlich in den Wahnsinn getrieben haben. Ein weiterer Mann hat sich mit einer Schusswaffe das Leben genommen, nachdem er Blätter der Australischen Brennnessel aus Versehen als Toilettenpapier benutzt hatte. Emlyn-Jones lässt sich von diesen Horrorgeschichten jedoch nicht abschrecken, im Gegenteil: „Geranien haben mich irgendwann gelangweilt“, sagt der Botaniker, „mit der Australischen Brennnessel wollte ich ein wenig Spannung in mein Garten-Hobby bringen. Außerdem mag ich gefährliche Pflanzen.“

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