Erneuter Fund: Breitet sich Japankäfer in Deutschland aus?

Veröffentlichungsdatum: , Daniela Sickinger / TASPO Online

Japankäfer versammeln sich häufig in größeren Gruppen und können einzelne Pflanzen komplett kahl fressen. Foto: Louise Stoehr/Pixabay

Der Fund eines weiblichen Japankäfers in Weil am Rhein hat bei den Experten des baden-württembergischen Pflanzenschutzdiensts Besorgnis hervorgerufen. Es sei nicht ausgeschlossen, dass der Käfer bereits Eier abgelegt habe, bevor er gefangen wurde. Eventuell habe sich in Südbaden sogar bereits eine Käferpopulation aufgebaut, so das LTZ Augustenberg.

Popillia japonica in Baden-Württemberg bereits zum dritten Mal aufgetaucht

Mit dem jüngsten Fund wurden in Baden-Württemberg bereits zum dritten Mal Exemplare des Japankäfers (Popillia japonica) nachgewiesen. Nachdem der meldepflichtige Schädling im Sommer 2021 erstmals nördlich der Alpen in Basel aufgetaucht war, wurde der Käfer im vergangenen Herbst zum ersten Mal in Freiburg entdeckt. Im Juli dieses Jahres konnte der baden-württembergische Pflanzenschutzdienst erneut einen Japankäfer fangen – wieder im Raum Freiburg, wie das Landwirtschaftliche Technologiezentrum (LTZ) Augustenberg berichtet. Beide Male hatte es sich demnach um männliche Exemplare von Popillia japonica gehandelt, während dem Pflanzenschutzdienst jetzt im rund 50 Kilometer Luftlinie von Freiburg entfernten Weil am Rhein erstmals ein weiblicher Käfer in die Falle ging.

Japankäfer-Weibchen als „blinder Passagier“ eingeschleppt?

Unklar sei derzeit noch, ob das Japankäfer-Weibchen – wie vermutlich auch seine beiden männlichen Artgenossen – als „blinder Passagier“ mit dem Güter- oder Reiseverkehr aus dem 450 Kilometer entfernten Befallsgebiet in Norditalien ins südbadische Weil am Rhein eingeschleppt wurde. Möglich sei jedoch auch, so das LTZ Augustenberg, dass sich in Südbaden inzwischen eine Käferpopulation aufgebaut hat. Ebenfalls nicht ausgeschlossen werden könne, dass der weibliche Käfer bereits Eier abgelegt hat, bevor er gefangen wurde, was bei den Experten des baden-württembergischen Pflanzenschutzdiensts für Unruhe gesorgt habe. Immerhin kann ein einzelnes Japankäfer-Weibchen dem LTZ zufolge bis zu 60 Eier im Boden ablegen, aus denen sich in etwa zehn Monaten Larven entwickeln, die sich von den Wurzeln der Gräser ernähren.

Großes Schadpotenzial durch breites Wirtspflanzenspektrum

Ausschließlich von Pflanzen – Blättern, Blüten und Früchten – ernähren sich auch die adulten Japankäfer, deren Flugzeit Ende Mai beginnt und bis Ende September dauern kann. Durch die große Bandbreite an Wirtspflanzen besitzt der in der EU als prioritärer Unionsquarantäneschädling eingestufte Japankäfer großes Schadpotenzial. So frisst er dem LTZ zufolge beispielsweise die Blätter zahlreicher Laubgehölze wie Ahorn, Kastanie, Birke, Platane, Pappel, Weide, Linde und Ulme. Bei Zierpflanzen wurde Popillia japonica demnach besonders häufig an Rosen und Blauregen beobachtet, außerdem stehen unter anderem Erdbeeren, Brombeeren, Spargel und Rhabarber sowie Apfel und Steinobst auf dem Speiseplan des Japankäfers.

Weitere Lockstofffallen um Fundort in Weil am Rhein aufgestellt

Wie das LTZ Augustenberg abschließend erklärt, habe der Pflanzenschutzdienst des zuständigen Regierungspräsidiums Freiburg im Umkreis von einem Kilometer um den Fundort des Japankäfer-Weibchens acht weitere Lockstofffallen aufgestellt. Außerdem werde die Bevölkerung auch weiterhin darum gebeten, dem LTZ verdächtige Funde zu melden. Nach dem bereits im Juli erfolgten Aufruf seien bis dato über 70 Meldungen eingegangen, wobei es sich meist um den deutlich größeren heimischen Rosenkäfer gehandelt habe.

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