Friedhof: „Wir schaffen Angebote für alternative Bestattungsformen“

Veröffentlichungsdatum: , Therese Backhaus-Cysyk

Urnen in Rasengräbern: Kritikpunkt sind oftmals die Ablagemöglichkeiten von Trauergaben. Foto: Backhaus-Cysyk

Trends zur Feuerbestattung, zu pflegefreien Angeboten auf dem Friedhof scheinen weiterhin ungebrochen, ergab eine Aeternitas-Umfrage. Wie ­blicken Friedhofsgärtner auf ­ihre aktuelle Situation vor Ort? Dieser Frage ging die TASPO in einer Umfrage nach.

Sargbestattungen nur noch bei 12 Prozent

Während im Jahr 2004 noch 39 Prozent der Bundesbürger für die eigene Bestattung ein klassisches Sarggrab auf dem Friedhof wünschten, ist der Anteil mittlerweile auf 12 Prozent gesunken, das ergab eine repräsentative Umfrage im Auftrag von Aeternitas, der Verbraucherinitiative Bestattungskultur. Großen Zuspruch erfahren hingegen die Beisetzung der Urne in einem Bestattungswald mit 25 Prozent und pflegefreie Grabangebote auf Friedhöfen (18 Prozent). Hierunter zählen etwa Urnenwände, Gemeinschafts-, Rasen- und Baumgräber, in der Regel für Urnen. Ein klassisches Urnengrab auf dem Friedhof bevorzugen 14 Prozent der Befragten, eine Beisetzung auf See sechs Prozent. 21 Prozent wünschen eine Variante, die nach den geltenden Gesetzen – bis auf wenige Ausnahmen – illegal ist: Die Verstreuung ihrer Asche in der freien Natur bevorzugen 13 Prozent, die Aufbewahrung/Beisetzung ihrer Asche zu Hause/im Garten acht Prozent.

Friedhofsgärtner vor großen Herausforderungen

Ein Blick auf die Gegenwart und in die Zukunft stellt alle Friedhofsgärtner somit vor große Herausforderungen. Wir haben nachgefragt, wie sich die Arbeitsweise vor Ort verändern muss. „Die betrieblichen Arbeitsabläufe sind im Wesentlichen unverändert geblieben, allerdings hat sich der Umfang der Beauftragung verändert“, berichten mehrere über die TBF befragte Friedhofsgärtner. „Es gibt weniger Aufträge für Erstanlagen, wodurch die Einnahmen hier sinken“, sagt ein bayerischer Friedhofsgärtner. „Die Aufträge werden zwar im Umfang geringer (Minimalprinzip bei der Anlage), aber insgesamt bekommen wir mehr Nachfragen, die Anzahl der Pflegeaufträge steigt also,“ lautet die Antwort eines Kollegen. In einer weiteren Antwort ist zu lesen, dass die Nachfrage nach einfacher Bepflanzung, grünem Grab mit geschlossenem Bodendecker, zunimmt.

Hitze und Trockenheit sorgen für Probleme

Nachfrage nach gärtnerischer Betreuung sei vor allem bei der „klassischen Grabpflege“ im ländlichen Raum und insgesamt bei gärtner­gepflegten Grabfeldern zu bemerken, zeigt Georg Hilligardt, Friedhofsgärtnerei Hilligardt (Pforzheim) auf. „Der Wunsch nach pflegearmen Rasengräbern nimmt zu, vor allem nach Urnenbeisetzungen,“ beobachtet Christiane Kalbe, Kalbe Friedhofsgärtnerei (Goslar). In ihrem Betrieb in Niedersachsen liegt weiterhin der Fokus auf Kunden, die an Beisetzungen mit einem klassischen Grab interessiert sind.

„Wir wollen zudem Angebote für alternative Bestattungsformen schaffen und auch die Art der Gestaltung verändern, etwa mit der Pflanzung von Stauden“, unterstreicht Kalbe. Zu den größten Problemen zählt sie „die extreme Hitze und andauernde Trockenheit, auch noch Mitte November. Dies wird zu einer totalen Umgestaltung der Friedhöfe führen. Arbeitsweisen/Abläufe müssen sich langfristig ändern. Auch das Finden von qualifiziertem und motiviertem Personal ist weiterhin problematisch.“

Weitere Stimmen und wie die Unternehmen von Energiekosten, Inflation und der Kaufzurückhaltung betroffen sind, lesen Sie in TASPO Ausgabe 47/2022.

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