Pflanzenschutz: Warum Nützlinge auf politische Barrieren stoßen

Veröffentlichungsdatum: , Jessica Müller

Glücksbringer: Der Marienkäfer ist wohl der bekannteste Nützling. Foto: Annette Meyer/Pixabay

Als langjähriger Berater kennt sich Tobias Plagemann aus mit Pflanzenschutz. Gegenüber der TASPO erklärt der Experte, warum die Zukunft von Nützlingseinsätzen ein Politikum ist und warum „Bio“ nicht ohne Technik geht.

Herr Plagemann, warum findet die 29. Arbeitstagung für biologischen Pflanzenschutz ausgerechnet bei Ihnen in Schleswig-Holstein statt?

Die Tagung existiert seit 30 Jahren und findet nach Möglichkeit immer in einem anderen Bundesland statt. Die Bundesländer wechseln durch, und 2009 war die Tagung das letzte Mal in Schleswig-Holstein. Im nächsten Jahr wird sie in Nordrhein-Westfalen stattfinden.

30 Jahre, das ist eine lange Zeit – wie relevant ist der Biologische Pflanzenschutz mittlerweile für den Gartenbau?

Vor 30 Jahren war es visionär, eine solche Tagung zu veranstalten. Da hat man sehr in die Zukunft geblickt. Inzwischen fordert die Politik ganz klar den Einsatz von biologischem Pflanzenschutz, seit wenigen Jahren sogar ziemlich massiv. Das ist die Entwicklung in der Gesellschaft: Die Verbraucher wollen gesunde Lebensmittel ohne chemisch-synthetischen Pflanzenschutz und dem versuchen wir nachzukommen. Das, was vor 30 Jahren visionär begonnen hat, ist jetzt also die Pflichterfüllung. Wir vom Pflanzenschutzdienst sind nachgeordnete Behörde des Ministeriums. Daher sind wir in der Pflicht, die Forderungen der Politik umzusetzen.

Wo steht Deutschland im internationalen Vergleich bezüglich des biologischen Pflanzenschutzes?

Auf unserer Tagung waren Menschen aus fast allen Bundesländern und sieben EU-Ländern. Im weltweiten Vergleich steht Deutschland sicherlich gut da, wenn wir sehen, dass wir allein in Schleswig-Holstein vier Nützlingsfirmen haben. Deutschlandweit haben wir etwa 25 Unternehmen, die sich mit biologischem Pflanzenschutz beschäftigen. Eine Tagung dieser Art gibt es in Europa, zumindest in den angrenzenden Ländern, nicht. Deshalb kommen die Kollegen zu uns: aus Belgien, Polen, Holland, Österreich, der Schweiz oder Dänemark. Deshalb glaube ich schon, dass Deutschland gut aufgestellt ist.

► Das komplette Interview mit Tobias Plagemann ist in der TASPO 2/2023 erschienen – darin lesen Sie unter anderem, was sich der Experte von der Politik wünscht und wo er die vielversprechenden Entwicklungen im biologischen Pflanzenschutz sieht. Außerdem berichten wir in der Ausgabe ausführlich über die 29. Arbeitstagung für biologischen Pflanzenschutz, eine bedrohliche Thripsform sowie heldenhafte Marienkäfer.

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