Pilotprojekt setzt sich für mehr faire Pflanzen ein

Veröffentlichungsdatum: , Sven Weschnowsky / TASPO Online

Die Pflanzenfarmen, insbesondere die vornehmlich weiblichen Arbeiterinnen sollen vom Pilotprojekt profitieren. Foto: Fairtrade/ Hilina Abebe

Die Bau- und Gartenmarktkette Toom hat sich mit Fairtrade Deutschland zusammengetan und ein Pilotprojekt für mehr fair gehandelte Pflanzen ins Leben gerufen. Nachhaltige Stecklinge sollen somit gefördert und damit mehr Pflanzen mit Fairtrade-Label abgesetzt werden.

Prozesse werden vereinfacht

Um das Ziel, mehr Fairtrade-zertifizierte Pflanzen anzubieten und abzusetzen, zu erreichen, haben sich die Projektteilnehmer die Vereinfachung von Prozessen einfallen lassen, bei gleichzeitiger Einhaltung von Fairtrade-Grundsätzen. Demnach müssen Gärtnereien, die Pflanzen für Toom im globalen Norden fertig kultivieren, nicht mehr zwingend Fairtrade-zertifiziert sein. Die Jungpflanzen selbst werden bereits im Ursprungsland Fairtrade-zertifiziert. Es kann also in den europäischen Gärtnereien zu einer Vermischung von konventionellen und Fairtrade-Pflanzen geben. Grundsätzlich dürfe dann auch nur die Menge an Pflanzen mit Fairtrade-Label verkauft werden, die auch nach fairen Handels-Bedingungen von den Farmen eingekauft worden sind. Dies wird von der unabhängigen Zertifizierungsorganisation FLOCERT überprüft. Europäische Gärtnereien müssen demnach jedoch weiterhin nach bestimmten Sozial- und Umweltstandards zertifiziert sein, in Deutschland fordert Toom zudem eine Torfreduktion von mindestens 30 Prozent.

Toom zahlt Extra-Prämien

Im globalen Süden findet die Jungpflanzenproduktion unter optimalen Witterungsbedingungen statt. Um die Bedingungen für die Angestellten auf den Farmen zu verbessern, hat Fairtrade bereits 2025 seine Standards erweitert und neben Schnittblumen auch Jungpflanzen oder unbewurzelte Stecklinge in die Zertifizierung aufgenommen. Geregelt werden dabei feste Arbeitsverträge für die Arbeiterinnen und Arbeiter, Mutterschutz, Schutzkleidung oder Schulungen zum sicheren Umgang mit Chemikalien. Auch die gezahlten Löhne richten sich nach den Vorgaben der Fairtrade-Zertifizierung. Ergänzend zahlt Toom zur regulären Fairtrade-Prämie einen Cent Extra-Prämie pro eingekaufter Fairtrade-Jungpflanze über den Jungpflanzenbetrieb direkt an die Arbeiter und Arbeiterinnen.

Kindertagesstätte und medizinische Betreuung in der Planung

„Wir hoffen, mit den zusätzlichen Prämieneinnahmen eine Reihe von Wünschen der Arbeiter:innen erfüllen zu können. Einer davon ist die Einrichtung einer Kindertagesstätte. Viele Arbeiterinnen sehen sich gezwungen, ihre Arbeit nach der Geburt aufzugeben, weil es niemanden gibt, der sich um ihr Kind kümmern kann", erklärt Roman Girma, Ernte-Koordinatorin bei Red Fox, einer Pflanzenfarm, die an dem Pilotprojekt teilnimmt. „Außerdem möchten wir die medizinische Betreuung ausbauen, sodass künftig auch die Familien der Arbeiter:innen dort versorgt werden können. Bislang sind nur die Angestellten selbst über die vom Unternehmen betriebene Klinik krankenversichert“, erklärt Girma die großen Hoffnungen, die im Produktionsland auf dem Projekt liegen.

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