Trockenheit: Ist Bewässerung noch wirtschaftlich?

Veröffentlichungsdatum: , Sven Weschnowsky / TASPO Online

Welche Art von Bewässerung stellt sich als wirtschaftlich heraus? Dieser Frage geht das Leibnitz-Institut und der VDI nach. Foto: Fernando Augusto/ Pixabay

Der Sommer 2022 hat sich erneut sehr trocken gezeigt und es wurden abermals Hitzerekorde erreicht. Im Gartenbau und der Landwirtschaft leiden die Kulturen unter der Dürreperiode, welche Bewässerungslösungen sich als wirtschaftlich herausstellen, haben das Leibnitz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie und der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) verglichen.

Verschiedene Arten der Bewässerung

Temperaturen von bis zu über 40 Grad wurden diesen Sommer erneut in Deutschland gemessen, Wetterexperten gehen davon aus, dass wir uns an diese Klimaveränderungen gewöhnen müssen. Extremwetterereignisse werden zunehmen und sich auf die gartenbauliche Produktion auswirken. Wenig Niederschlag, Flüsse, die wenig Wasser führen und ausgetrocknete Böden lassen Ernteverluste befürchten. „Auch wasserhaltige Produkte wie Obst und Gemüse sowie Blumen und Zierpflanzen reagieren bei Trockenheit sehr empfindlich mit Qualitätsverlusten”, sagt Dr. Katrin Drastig vom Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie. Hierzulande sind mobile Beregnungsmaschinen am weitesten verbreitet. „Allerdings machen die notwendigen hohen Wasserdrücke von 7-9 Bar das Verfahren energieintensiv. Pro mm Beregnungswasser bei 50 m³/h Wasserförderung muss 1 l Dieselkraftstoff eingesetzt werden”, erklärt Drastig. Weniger Energie benötigen teilmobile Kreisberegnungsmaschinen. Im Gartenbau werde aktuell meist die oberirdische, wassersparende Tropfbewässerung eingesetzt.

Transformation im Bewässerungsprozess

Wie der VDI weiter mitteilt, sei aktuell eine Transformation im Bewässerungsprozess in Deutschland zu erkennen, hin zu mehr Digitalisierung und Automatisierung, sowie zu Präzisionsbewässerung und teilflächenspezifischer Bewässerung. „Zunehmend kommen auch, teilweise mit Sensorik ausgestattet, Bewässerungssteuerungssysteme zum Einsatz, die es möglich machen, die effektiven Wassergaben zu ermitteln”, so die Expertin vom Leibniz-Institut. Daran anschließend stellt sich aber auch die Frage nach den Kosten und der Wirtschaftlichkeit. „Ob eine Bewässerung wirtschaftlich ist, hängt auch ab von der Entwicklung der Kosten für Wassermanagementsysteme sowie der Entwicklung der landwirtschaftlichen Produktpreise. Ein steigendes Produktpreisniveau könnte eine Bewässerung für einige Fruchtarten und Standorte rentabel machen, während fallende Preise zum Verlust der Rentabilität auf Grenzstandorten führen”, sagt Drastig.

Mehr Forschung notwendig

Auch stellt sich angesichts austrocknender Flüsse die Frage nach der Herkunft des Wassers. 74 Prozent des Bewässerungswassers in Deutschland stammen demnach aus dem Grundwasser. Weitere 13 Prozent stammen aus Oberflächengewässern, wie Speichern, Seen und Fließgewässern. Rund zwölf Prozent werden den Trinkwassernetzen entnommen, hier ist Rheinland-Pfalz Spitzenreiter mit 72 Prozent aus dem Trinkwassernetz. Es gelte demnach, eine bessere Ausnutzung des Niederschlagswassers zu erzielen. Zu weiteren Maßnahmen gehören zudem die Bodenbearbeitung, insbesondere das Aufrauen der Oberflächen, um eine bessere Infiltration des Niederschlagswassers zu ermöglichen. Die Bestandsdichte solle demnach ebenfalls erhöht werden, um eine schnelle und lückenlose Bodenbedeckung und tiefe Durchwurzelung zu erreichen. „Es besteht weiterhin dringender Forschungsbedarf zum Einsatz wassersparender (Bewässerungs-)Techniken und auch zur verbesserten Ausnutzung des Niederschlagswassers. Wir brauchen mehr Studien zur Bewertung von Maßnahmen für ein verbessertes Wassermanagement in der deutschen Landwirtschaft”, resümiert Drastig.

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