2. Runder Tisch zum Aktionsprogramm Insektenschutz

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Zum zweiten Mal in diesem Jahr fand der Runde Tisch zum Aktionsprogramm Insektenschutz statt. Foto: Kai Wenzel / Unsplash

Als Teil des viel diskutierten Aktionsprogramms Insektenschutz (API) der Bundesregierung findet zweimal pro Jahr ein Austausch zwischen Politik und Vertretern von Ländern, Kommunen, Wissenschaft, sowie von Branchen- und Umweltverbänden statt. Der Runde Tisch fand zum zweiten Mal in dieser Woche statt. Die Verbände ließen bereits Kritik verlauten.

Zwischenbilanz umgesetzter Maßnahmen

Bundesumweltministerin Svenja Schulze und Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner haben sich zum zweiten Mal in diesem Jahr mit Vertretern von Verbänden, Ländern, Kommunen und Wissenschaft zum "Runden Tisch Insektenschutz" getroffen, um über die Ursachen des Insektenrückgangs und die erforderlichen Gegenmaßnahmen auszutauschen. Beim zweiten Runden Tisch Insektenschutz ging es laut Bundesumweltministerium (BMU) neben dem Ausblick auch um eine Zwischenbilanz bereits umgesetzter Maßnahmen aus dem Aktionsprogramm Insektenschutz. So wurde zur Unterstützung der Landwirtschaft ein Sonderrahmenplan für den Insektenschutz in der "Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz" (GAK) eingerichtet. Der Bund unterstütze Insektenschutz in der Agrarlandschaft mit 50 Millionen Euro pro Jahr. Im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt sind bereits erste Themen-Projekte angelaufen, zum Beispiel der Wettbewerb für insektenfreundliche Kommunen. Insgesamt fließen in den nächsten sechs bis acht Jahren 60 Millionen Euro über das Bundesprogramm Biologische Vielfalt in den Insektenschutz. Die Konzeption des im API vorgesehenen bundesweiten Insektenmonitorings sei so gut wie abgeschlossen, Basismodule werden bereits in einigen Ländern erprobt.

„Brauchen dringend Trendumkehr beim Rückgang der Insekten“

„Die Ursachen für das Insektensterben sind sehr vielfältig. Wirksamer Insektenschutz muss daher auf vielen verschiedenen Ebenen ansetzen: Handlungsbedarf besteht nicht nur in der Landwirtschaft und auf den Agrarflächen, sondern auch in der Stadt und auf den Grünflächen. Was hilft, ist nicht nur die Ausweitung von Pflanzen- und Biotopschutz, sondern auch weniger Lichtverschmutzung. Nötig sind neben gezielt eingesetzten Finanzmitteln auch Forschung und neue Lösungen für den Insektenschutz. Wir brauchen dringend eine Trendumkehr beim Rückgang der Insekten und ihrer Artenvielfalt. Das gelingt nur gemeinsam. Deshalb ist mir der fortlaufende Dialog mit allen für den Insektenschutz zentralen Akteuren wichtig“, betonte Umweltministerin Schulze am Rande des Runden Tischs.

ZVG mahnt stärkere Berücksichtigung der urbanen Räume an

Beim Zentralverband Gartenbau (ZVG) hat man sich beim Runden Tisch für eine stärkere Berücksichtigung der urbanen Räume beim Insektenschutz ausgesprochen und verwies auf die Mitverantwortung und Unterstützungswillen der Bevölkerung. „Die Corona-Pandemie hat nochmals die hohe Identifikation der Verbraucher mit den heimischen Gärten und Produkten herausgestellt“, betonte ZVG-Präsident Jürgen Mertz. Der Insektenschutz müsse laut ZVG auf mehreren Ebenen ansetzen. Der Berufsverband könne hier über seinen Kontakt mit den Verbrauchern beraten und unterstützen. Des Weiteren sprach sich der ZVG-Präsident für eine intensivere Forschung und Züchtung aus und schloss auch eine intensive Weiterverfolgung des Integrierten Pflanzenschutzes mit seinen abgestimmten vorbeugenden, mechanischen, biologischen und chemischen Maßnahmen mit ein.

Bauernverband kritisiert Konzentration auf Landwirtschaft

Auch der Deutsche Bauernverband war Teil des Runden Tisches und forderte eine Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit der landwirtschaftlichen Betriebe. „Wir sind bereit, den Weg der weiteren Veränderung mitzugehen und noch mehr für die Artenvielfalt zu tun. Dieser Weg muss wissenschaftlich begleitet werden, eine Folgenabschätzung muss durchgeführt werden. Die Zukunftsfähigkeit der Betriebe, aber auch die Versorgungssicherheit mit hochwertigen, heimischen Lebensmitteln darf nicht vergessen werden. Ein Tunnelblick auf die pauschale Reduzierung des Pflanzenschutzes und auf eine Verbotspolitik ist auch für den Insektenschutz nicht hilfreich, wird aber zu einer deutlichen Schwächung der Betriebe führen. Landwirtschaftliche Produktion und Insektenschutz müssen in Deutschland vereinbar sein. Eine Abwanderung der Erzeugung ins Ausland hilft den Insekten nicht und gefährdet die Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen Produkten aus heimischer Erzeugung“, betonte Bauernpräsident Joachim Rukwied. Zudem kritisierte der DBV, dass sich das Aktionsprogramm ausschließlich auf die Landwirtschaft konzentriere und zentrale Probleme wie den ungebremsten Flächenfraß, Urbanisierung und Mobilität vernachlässige.

Auch DRV äußert Kritik

„Der Insektenschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Neben der Agrar- und Ernährungswirtschaft stehen Kommunen und Privatpersonen in der Verantwortung“, kritisierte auch Franz-Josef Holzenkamp, Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV). „Nachhaltigkeit muss Ökologie und Ökonomie berücksichtigen. Deshalb bin ich gegen pauschale Verbote und Auflagen", so Holzenkamp weiter. Der DRV sehe großes Potential in der Digitalisierung. Durch teilflächenspezifische und sensorgesteuerte Ausbringung könne demnach der Einsatz von Pflanzenschutz- oder Düngemitteln reduziert werden. Die Raiffeisen-Genossenschaften stehen hier den Landwirten als kompetente Beratungspartner und Technikhändler zur Seite. Zudem sehe Holzenkamp deutliches Verbesserungspotential bei den Regelungen zum Verkauf von Insektiziden. „Ich kann nicht nachvollziehen, dass Insektenvernichter unkontrolliert und in großen Mengen in Lebensmittel-Discountern verkauft werden dürfen, weil sie nicht als Pflanzenschutzmittel, sondern als Biozid zugelassen worden sind.“ Demnach seien auch Kommunen und Privatpersonen in der Pflicht. Insbesondere der Trend zur Versiegelung von Grundstücken und Hausgärten behindert den Insektenschutz. "Hier ist ein Umdenken in der Bevölkerung erforderlich", mahnt der DRV-Präsident.