Wirtschaft & Politik

BÖLW: Sammelklage gegen Hersteller von Vi-Care angestrebt

Nachdem im Pflanzenstärkungsmittel Vi-Care quartäre Ammoniumverbindungen (QAV) gefunden wurden, teilte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in einer Stellungnahme vom 2. Juli mit, dass nun auch Wuxal Aminoplant von den Listen der zugelassenen Pflanzenstärkungsmittel und Zusatzstoffe gestrichen wurde. Die Überwachungsbehörden der Bundesländer wurden über die Streichung informiert. 

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Foto: BVL

Grund für den Widerruf der Listung ist der Verdacht, dass mit der Anwendung der Mittel eine Überschreitung des gesetzlich festgelegten Rückstandshöchstgehaltes von Didecyldimethylammoniumchlorid (DDAC) beziehungsweise Benzalkoniumchlorid (BAC) verursacht werden könnte. Der Höchstwert beläuft sich gemäß Verordnung EG Nr. 396/2005 auf 0,01 Milligramm pro Kilogramm. Lebensmittel, welche die gesetzlich festgelegten Höchstgehalte überschreiten, sind nicht verkehrsfähig.

Seit dem Frühjahr 2012 werden Lebensmittel in den Eigenkontrollen des Handels verstärkt auf quartäre Ammoniumverbindungen (QAV) hin untersucht. Wie das BVL auf Anfrage mitteilt, wurden im Rahmen dieser Kontrollen Grenzwertüberschreitungen von DDAC in Kräutern und Rucola aus konventionellem und ökologischem Anbau an die Überwachungsbehörden der Bundesländer und das BVL gemeldet.

Das Vorkommen dieser Funde und ihre Rückführung auf die genannten Pflanzenstärkungsmittel wirft einige Unklarheiten auf, da die Hersteller von Pflanzenstärkungsmitteln und Zusatzstoffen dazu verpflichtet sind, im Rahmen des Leistungsverfahrens zur Zulassung über die vollständige Zusammensetzung ihrer Produkte zu informieren.

Weder im Fall von Vi-Care noch bei Wuxal Aminoplant lägen jedoch Angaben über einen Gehalt an DDAC beziehungsweise BAC vor, erläutert das BVL. Es sei noch unklar, wie die zur Gruppe der quartären Ammoniumverbindungen gehörenden Stoffe in die Pflanzenstärkungsmittel gelangen konnten. Hinweise, darauf, dass eine absichtliche Beimischung erfolgt sein könnte, nachdem die Produkte in den Handel gelangten, lägen dem BVL nicht vor. Der zuständige Pflanzenschutzdienst untersuche den Fall jetzt.

Darüber, ob noch weitere Pflanzenstärkungsmittel im Verdacht der Verunreinigung durch QAV stehen, gibt das BVL derzeit keine detaillierten Informationen. Nach Aussage der Pressestelle könne davon ausgegangen werden, dass DDAC in keinem Pflanzenschutzmittel und keinem Zusatzstoff, jedoch in zwei Pflanzenstärkungsmitteln enthalten sei, die als Blumenfrischhaltemittel für Zierpflanzen angeboten werden. Aufgrund dieser Anwendungsart könne eine Kontamination von Lebensmitteln jedoch ausgeschlossen werden.

Geringe Mengen von BAC als Bestandteil eines Konservierungsstoffes fanden sich der Information zufolge auch in einem weiteren Pflanzenstärkungsmittel sowie in einem Zusatzstoff. Obwohl der Listungsinhaber beider Produkte mitteilte, die Produkte nie in Vertrieb gebracht zu haben, kündigt das BVL die Streichung von den Listen an.

Im Fokus der Aufmerksamkeit steht nach Information des BVL auch eine Reihe von Pflanzenschutzmitteln, die QAV als sogenannte Beistoffe zur Konservierung enthalten. Die Zulassungsinhaber wurden kurzfristig zu einer Stellungnahme aufgefordert, je nach Ergebnis behält sich das BVL vor, das Ruhen bestehender Zulassungen anzuordnen.

Doch DDAC und BAC-Rückstände auf pflanzlichen Lebensmitteln erklären sich nicht nur aus der Sicht des Pflanzenschutzes. So finden quartäre Ammoniumverbindungen vielfache Anwendung im Bereich der Biozide (beispielsweise in Hygieneprodukten), auch für die Verwendung als Dünger gibt es laut BVL Praxishinweise.

Dass die Vielzahl in Haushalt, Gewerbe und Landwirtschaft breit verwendeter Desinfektions- und Reinigungsmittel zu den bedeutendsten Quellen für die QAV-Belastung von Lebensmitteln gehört, bestätigt der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) in einer Pressemitteilung vom 3. Juli 2012.

Es sei nicht hinnehmbar, dass Landwirte und Gärtner, die DDAC-haltige Reinigungsmittel oder das inzwischen verbotene Pflanzenstärkungsmittel Vi-Care im besten Glauben auf die natürlichen Inhaltsstoffe rechtmäßig einsetzten, ihre Produkte bei Überschreitung des Grenzwertes von 0,01 Milligramm pro Kilogramm nicht mehr vermarkten können und damit in ihrer Existenz gefährdet seien.

Der BÖLW organisiert deshalb eine Sammelklage gegen das in den USA ansässige Hersteller-Unternehmen und vertritt damit die Interessen der betroffenen Erzeuger und der qualitätsorientierten Verbraucherinnen und Verbraucher.

Das BVL hat nach eigenen Angaben die amtlichen Lebensmittelüberwachungsbehörden und den Handel aufgefordert, Daten zu Rückständen von DDAC in Lebensmitteln zu melden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kommt laut BVL in einer Bewertung zu dem Schluss, dass die bisher bekannten DDAC-Rückstände kein Risiko für die menschliche Gesundheit darstellen. Die Veröffentlichung des BfR dazu können Sie hier downloaden. (ks)