Wirtschaft & Politik

Bundessortenamt: Genbanknetzwerk für samenvermehrte Zierpflanzen gestartet

Beim Bundessortenamt sind die ersten Saatgutmuster für die „Genbank für samenvermehrte Zierpflanzen“ eingetroffen, um für die Zukunft nachhaltig gesichert zu werden. Damit vergrößert sich das Netzwerk der Deutschen Genbank Zierpflanzen um eine weitere Pflanzengruppe. 

Die Deutsche Genbank Zierpflanzen ist ein nationales Genbanknetzwerk und setzt sich aus einzelnen artspezifischen Netzwerken zusammen. Gemeinsames Ziel ist, genetische Ressourcen gefährdeter Arten und Sorten von Zierpflanzen zu bewahren, zu dokumentieren und somit dauerhaft nutzbar zu machen.

Die Verfügbarkeit von und der Zugang zu genetischen Ressourcen sind wichtige Voraussetzungen für den weiteren züchterischen Fortschritt. Mit etwa 3.600 Gattungen, 18.000 Arten und 40.000 Sorten ist die Vielfalt der Zierpflanzensortimente in Deutschland enorm. Züchtung und Produktion von Zierpflanzen besitzen für den Gartenbau in Deutschland immense ökonomische Bedeutung.

Die Deutsche Genbank Zierpflanzen wird durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) koordiniert, die den Ausbau der Deutschen Genbank Zierpflanzen für das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) umsetzt. Die Erhaltung der biologischen Vielfalt in Deutschland wurde mit der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt der Bundesregierung und der sektorspezifisch ausgerichteten Agrobiodiversitätsstrategie des BMELV zu einem zentralen Element staatlichen Handelns erhoben. Dies gilt auch für die Vielfalt der gartenbaulichen Kulturpflanzen.

Der Startschuss der Deutschen Genbank Zierpflanzen fiel 2009 mit der Gründung der Deutschen Genbank Rose, gefolgt von der Deutschen Genbank Rhododendron im Jahr 2010. Schließlich wurde dem Bundessortenamt im August 2011 die Einrichtung eines Genbanknetzwerkes für samenvermehrte Zierpflanzen durch das BMELV übertragen. Ergänzt werden diese Arbeiten durch Aktivitäten bei der Deutschen Gartenbaugesellschaft.

Aufgaben der Genbank samenvermehrte Zierpflanzen:

  • Einrichtung einer Hauptsammlung für samenvermehrte Sorten von Zierpflanzen beim Bundessortenamt
  • Organisation und Koordination der Zusammenarbeit im Rahmen der Deutschen Genbank Zierpflanzen und mit den weiteren sammlungshaltenden Partnern
  • Identifizierung gefährdeter Taxa bzw. Sammlungen und/oder Sortimente sowie Einschätzung ihrer Bedeutung 
  • Aufbau einer ersten Sammlung durch Übernahme von Sorten aus diesen identifizierten Sortimenten
  • Dokumentation des Genbankbestandes
  • Vermehrung und Abgabe von Saatgutmustern.

Für die Aufnahme von Sorten in die Genbank samenvermehrte Zierpflanzen werden in Anlehnung an internationale Genbankstandards folgenden Kriterien zu Grunde gelegt:

  • in Deutschland traditionell verwendete Arten und Sorten von Zierpflanzen
  • Arten und Sorten mit züchterischer, wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Bedeutung
  • Arten und Sorten mit historischer und kultureller Bedeutung
  • Arten und Sorten mit besonderen Eigenschaften wie z. B. Resistenzen
  • Arten und Sorten, deren Bestand gefährdet ist

Der praktische Betrieb der Genbank wurde am 30. Mai mit der Einlagerung von 26 Gattungen und Arten aufgenommen. In Kürze werden Arbeiten zur Evaluierung der Akzessionen aufgenommen und erforderliche Saatgutvermehrungen durchgeführt. Es ist vorgesehen, über die in der Genbank eingelagerten Bestände, die kontinuierlich erweitert werden sollen, künftig im Internet zu informieren.

Um möglichst viele der wertvollen genetischen Ressourcen nutzbar zu erhalten, erhofft sich das Bundessortenamt die enge Zusammenarbeit mit interessierten Personen und Fachkreisen. (bsa/ts)