Wirtschaft & Politik

Christoph Keldenich: „Wir sollten uns fragen, was uns Friedhöfe wert sind“

Schon seit Jahren steckt ein Großteil der deutschen Friedhöfe in der finanziellen Krise. Aeternitas e.V., die Verbrauchinitiative Bestattungskultur, stellt das bestehende Finanzierungsmodell in Frage. Mit neuen Einnahmequellen und der Umnutzung nicht benötigter Flächen könnten Anlagen ihrer Ansicht nach vor dem Kollaps gerettet werden.

Friedhöfen wird nach Ansicht der Verbraucherinitiative Bestattungskultur nicht der nötige Wert eingeräumt. Foto: Aeternitas e.V.

Deutschlands Friedhöfe werden zum Großteil über die Gebühren der Bürger finanziert. Da der Trend zu Feuerbestattung und kleinen günstigen Gräbern geht, brechen diese Gebühreneinnahmen teilweise weg. Friedhofsträger erhöhen deshalb die Preise, um kostendeckend wirtschaften zu können. Nach einer Studie von Ernst & Young wollen fast 30 Prozent der Kommunen nächstes Jahr die Friedhofsgebühren erhöhen, eine ähnliche Quote wie in den Jahren zuvor. Zudem werden kostengünstigere Alternativen zur klassischen Bestattung immer beliebter, wie etwa eine Bestattung im Friedwald.

„Fokus muss auf andere Funktionen der Friedhöfe gerichtet werden“
„Der Fokus muss verstärkt auf andere Funktionen der Friedhöfe gerichtet werden, über die Funktion als Bestattungsplatz hinaus“, fordert Christoph Keldenich, Vorsitzender der Aeternitas e.V. Dies solle sich auch in der Finanzierung widerspiegeln. Viele Kommunen berücksichtigten zumindest den Nutzen der Friedhöfe als Erholungs- und Naturraum und bezuschussen den Friedhofshaushalt über den sogenannten grünpolitischen Wert. Allerdings bleibe der Zuschuss häufig gering. Der soziale, kulturelle und historische Wert der Friedhöfe spiegle sich nicht in den Budgets wider. „Wir sollten uns fragen, was uns Friedhöfe wert sind“, sagt Keldenich.

Neue Einnahmequelle müssen nach Keldenichs Ansicht erschlossen werden. „Gemeinschaftsgrabanlagen, die inklusive Grabpflege angeboten werden, erweisen sich jetzt schon als Erfolgsmodell. Eine größere Palette an Grabarten und weniger strenger Gewonnen werden könnten Kunden auch mit einer weiter aufgefächerten Palette an Grabarten und weniger strengen Gestaltungsvorschriften. Einnahmen lassen sich im Rahmen von Stiftungen, Sponsoring und Patenschaften für Grabmale, Gräber, Bäume, Gebäude und Bänke generieren“, sagt er.

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der Verbraucherinitiative Bestattung, Aeternitas e.V. (ts)