Wirtschaft & Politik

DDAC-Rückstände in Bio-Kräutern: kein gesundheitliches Risiko

Auf Nachrichten von Pflanzenschutz-Rückständen in frischen Lebensmitteln reagieren Verbraucher besonders sensibel. Aus Sicht des Industrieverbandes Agrar (IVA) muss im Fall der DDAC-Rückstände an Topfkräutern allerdings besonders sorgfältig hingeschaut werden, um die Konsumenten nicht unnötig zu verunsichern. Denn auch wenn die Kräuter nicht mehr verkauft werden dürfen („nicht verkehrsfähig“), sei der Verzehr nach Expertenmeinung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) gesundheitlich unbedenklich. 

Trotz DDAC-Rückständen an Topfkräutern besteht laut einer Einschätzung des BfR kein gesundheitliches Risiko für Verbraucher. Foto: Daniela Sickinger

Dennoch habe die Deutsche Presseagentur (dpa) in einer Nachricht von der „Belastung mit einem Pflanzenschutzmittel“ gesprochen. Von dem Stoff DDAC (Didecyldimethylammoniumchlorid) wurden Rückstände über dem Höchstgehalt von 0,01 mg/kg nachgewiesen. Dies ist der Standardwert, der für alle Rückstände von Pflanzenschutzmitteln gilt, für die keine expliziten Werte festgelegt wurden. Er ist bewusst sehr niedrig angesetzt, um hohe Sicherheit zu gewähren.

DDAC findet sich tatsächlich als Pflanzenschutz-Wirkstoff auf der Positiv-Liste der Europäischen Union (EU, Anhang I der Richtlinie 91/414), jedoch nur zur Anwendung in geschlossenen Räumen bei Zierpflanzen. Es gibt also tatsächlich Pflanzenschutzmittel, die die Substanz als Wirkstoff enthalten, jedoch nicht für die landwirtschaftliche Produktion von Nahrungspflanzen.

Nach den Anbauregeln des Ökolandbaus dürfen keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel verwendet werden. Biobauern stehen jedoch Pflanzenstärkungsmittel, die weniger strengen Regulierungen unterliegen als Pflanzenschutzmittel, zur Verfügung. Nach Auskunft der Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse e. V. (BVEO) enthielt das inzwischen verbotene Mittel „Vi-Care“, das viele Bio-Bauern einsetzten, eine Beimischung von DDAC, was die Rückstände in den Kräutern erkläre.

Allerdings sei es nicht ungewöhnlich, dass ein Lebensmittel in Kontakt mit DDAC kommt. Der Stoff werde als Desinfektions- und Konservierungsmittel verwendet, sei also in vielen Bereichen zur Reinigung und Hygiene vorgesehen. Das BfR hält daher auch einen deutlich höheren Rückstands-Höchstgehalt für angemessen.

Die geltenden Bestimmungen ließen den Produzenten keine andere Wahl, als die Bio-Kräuter zu vernichten, für den Verbraucher jedoch habe zu keinem Zeitpunkt ein gesundheitliches Risiko bestanden. (ts/iva)