Wirtschaft & Politik

Der Markt braucht Flexibilität: Einsatz von Saisonkräften nicht erschweren

Die Politik ist gefordert! Dieser Meinung sind nicht nur die niedersächsischen Spargelanbauer. Um Verluste und Chaos-Situationen künftig vermeiden zu können, muss die Eckpunkteregelung, mit der die Bundesregierung den Einsatz der Saisonarbeitskräfte in Deutschland steuern will, an die aktuellen Anforderungen des Arbeitsmarktes angepasst werden.

Aus Sicht der Vereinigung der Spargelanbauer in Niedersachsen und ihrem Vorsitzenden Dietrich Paul hat sich an der Zusammenarbeit mit den Arbeitsagenturen in den letzten zwei Jahren nichts geändert. Bei Arbeitsspitzen könne mit einer wirksamen Unterstützung von dieser Seite nicht gerechnet werden. Allein für den eigenen Betrieb musste Paul in dieser Saison 30 Ersatzanträge für polnische Saisonarbeitskräfte stellen, da es dauernd Ausfälle gab. Zudem machen die niedersächsischen Spargelanbauer immer wieder die Erfahrung, dass deutsche "Quotenkräfte", die über die Arbeitsagentur kommen, den Ansprüchen nicht genügen, das heißt die vorgegebene Norm nicht schaffen, sich schnell krank melden oder mit völligem Desinteresse an die Arbeit gehen. Die Lohnproblematik stellt Paul dabei nicht in den Vordergrund, da in Niedersachsen der Tariflohn von 5,42 Euro pro Stunde gezahlt werde. Damit stünden die Spargelanbauer auch im europäischen Vergleich nicht schlecht da, denn der beispielsweise etwas höheren Entlohnung in Großbritannien stehen auch höhere Lebenshaltungskosten vor Ort gegenüber, so Paul. Dennoch will auch er nicht verhehlen, dass immer mehr polnische Saisonkräfte ins europäische Ausland ausweichen. Gründe dafür liegen aus seiner Sicht nicht zuletzt auch im bürokratischen Aufwand für die Beschäftigung und der zeitlichen Einsatzbeschränkung für die Erntehelfer. Eine der Forderungen an die Politik bestünde daher eben darin, diese Beschränkung aufzuheben. Darüber hinaus könne ein weiteres Drittstaatenabkommen, beispielsweise mit der Ukraine, die Probleme des deutschen Obst- und Gemüsebaues beheben. Doch nehme die Politik gegenüber diesem Anliegen derzeit eher eine ablehnende Haltung ein. Die Spargelanbauer haben bereits Konsequenzen aus der abnehmenden Zahl polnischer Arbeitskräfte gezogen und forderten in diesem Jahr insgesamt weniger Saisonkräfte an. Laut Zentralstelle für Arbeitsvermittlung in Bonn reduzierte sich die Zahl der Anforderungen für Saisonkräfte in Deutschland insgesamt um 4,6 Prozent gegenüber dem Jahr 2006 auf gesamt 178 000. Das sind rund 10 000 Helfer weniger (der Großteil davon in der Landwirtschaft). Den Ausgleich schaffen einige der Betriebe über Investitionen. Bei den Spargelanbauern geht es dabei speziell um die maschinelle Ausstattung, unter anderem die Anschaffung von Stechhilfen. "Ich habe selbst auch noch einmal 100000 Euro in die Hand genommen", sagt Paul. Doch hat die Investitionsfähigkeit auch ihre Grenzen, wie er ausdrücklich betont.