Wirtschaft & Politik

Die Blumenindustrie in Äthiopien boomt

Durch eine großzügige Förderung der äthiopischen Regierung boomt die Blumenindustrie. Dies berichtet die Menschenrechtsorganisation Fian in ihrem Rundbrief für November 2007. Die Farmen sind in den ersten fünf Jahren von Unternehmens- und Importsteuern auf Produktionsmittel befreit. Auch Wasser beziehen die Farmen kostenlos. Außerdem werde Äthiopien international weiterhin als Entwicklungsland in die Gruppe der am wenigsten entwickelten Länder eingestuft, wodurch die Einfuhr von Blumen in die Europäische Union (EU) zollfrei bleibe. Innerhalb von nur sechs Jahren habe sich Äthiopien zum zweitgrößten Zulieferer von langstieligen Rosen an der holländischen Blumenbörse entwickelt. Fian erwähnt Zahlen des äthiopischen Gartenbauverbandes, wonach auf insgesamt 900 Hektar (750 Hektar Gewächshäuser, Rest Freiland) 30000 Arbeiterinnen und Arbeiter Blumen produzieren. Auf rund 80 Millionen US-Dollar beliefen sich die Blumenexporte in 2006. Der Exportverband des äthiopischen Gartenbausektors (EHPEA) rechnet für Ende 2007 mit einer Ausdehnung der Produktionsfläche auf 1.250 bis 1.500 Hektar und einer Wachstumsrate von 200 Prozent. Die Verkaufsrate an den holländischen Blumenbörsen stieg 2006 um 160 Prozent. Von den rund 70 Blumenfarmen in Äthiopien seien 15 in holländischem Besitz. Eine geringere Anzahl gehöre deutschen Investoren. Aktuell arbeitet der Exportverband des äthiopischen Gartenbausektors mit Unterstützung der niederländischen Regierung an einem dreistufigen Verhaltenskodex für die nachhaltige Blumenproduktion, dessen unterste Stufe Ende Juni 2007 eingeführt worden sei. Sie verlange vor allem die Einhaltung nationaler Gesetze sowie des kontrollierten Pestizideinsatzes. Dadurch soll den Farmen eine Zertifizierung nach dem Umweltmodul des holländischen Zertifizierers MPS (Milieu Programma Sierteelt, Umwelt-Zertifizierungsprogramm) ermöglicht werden. Kehrseite der Medaille seien Klagen über fehlende Absatzmärkte und zu niedrige Preise an den holländischen Blumenbörsen, Berichte über unangemessene Entschädigungen für von ihrem Land vertriebene Bauern, Befürchtungen über Wasserknappheit oder den möglichen Auswirkungen des hohen Pestizideinsatzes.