Wirtschaft & Politik

Dieselfahrverbot HH: Alles halb so wild?

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Sauberer soll sie werden, die Luft in der Freien und Hansestadt Hamburg. Seit vergangenem Donnerstag dürfen im Bezirk Altona-Nord Dieselautos und -Lastwagen, die nicht die Abgasnorm Euro 6 erfüllen, zwei wichtige Straßenabschnitte nicht mehr befahren. Das Verbot trifft auch die Pflegebetriebe, die das Grün in den Sperrbereichen in Schuss halten. TASPO-Redakteurin Marie Schröder fragte beim Bezirksamt Altona und beim Fachverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (FGL) Hamburg und Schleswig-Holstein nach, welche Auswirkungen sie erwarten.

Dieselfahrverbot in der schönen Stadt an der Elbe. Die Grünflächenpflege leidet glücklicherweise nicht darunter. Foto: Pixabay

Pflegebetriebe können sich auf Ausnahmen stützen

Zu den betroffenen Straßen zählt die Stresemannstraße – und damit eine bedeutende Ost-West-Trasse durch die Hansestadt. Für Lkw, die die moderne Abgasnorm nicht erfüllen, ist ein 1.600 Meter langer Abschnitt gesperrt, der die Max-Brauer-Allee kreuzt. In dieser wiederum wurde ein 580 Meter langer Teil dicht gemacht. Dort dürfen weder ältere Diesel-Lkw noch ältere Diesel-Pkw fahren.

An den Sperrbereich der Max-Brauer-Allee grenzt der August-Lütgens-Park mit altem Baumbestand und Spielplatz. Betriebe, die die Grünfläche auf dem Gelände des früheren Altonaer Krankenhauses pflegen und die Straße nicht passieren dürfen, „suchen sich andere Anfahrtswege“, wie Martin Roehl, Sprecher des Bezirksamtes Altona, mitteilt. Für Privatgärten in den Sperrabschnitten ändere sich nichts. „Die Pflegebetriebe haben ein Anliegen und fallen damit in die Ausnahmeregelung“, so Roehl weiter. „Sie müssen bei Kontrollen eine Auftragsbestätigung vorweisen können“, sagt FGL-Geschäftsführer Dr. Michael Marrett-Foßen.

Nur ganz wenige hätten Euro 6-Diesel. Eine kurzfristige Umstellung ohne staatliche Hilfe und Unterstützung der Autoindustrie erwartet er nicht. Die eigentlichen Verursacher der Stickoxid-Thematik sind nicht die Dieselfahrer, sondern die Hersteller der Dieselfahrzeuge, die versäumt haben, saubere Fahrzeuge anzubieten.

Dieselfahrverbot Hamburg: Lkw treiben Messwerte hoch

Laut Marrett-Foßen erhöht sich durch das Dieselfahrverbot der betriebliche Aufwand. „Es müssen Genehmigungen eingeholt und Routen neu geplant werden.“ Durch das an sich schon bestehende Verkehrschaos in Hamburg seien Betriebe eh schon gebeutelt. „Diese Unwägbarkeiten kommen dazu.“ Er sieht die Ursache für die schlechte Luft bei den vielen Lkw, die wie auf der Stresemannstraße von Ost nach West brummen.

Auch befinden sich die Messstationen sehr dicht an der Straße. „Sobald die Lkw anfahren, blasen sie ihre Abgase in die Station und treiben die Werte in die Höhe.“ Insgesamt seien die Einschränkungen in Relation tragbar, so Marrett-Foßen.

Weitere Infos aus dem Bereich Automotive, so etwa zur LKW-Maut, finden Sie in TASPO 21/2018.