Wirtschaft & Politik

DIN-Ausschuss: Bauweise und Pflege entscheidend

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Gummigranulate, die im Kunstrasen als Einfüllgranulate verwendet werden, stehen in der Diskussion. Vor dem Hintergrund einer geplanten Beschränkung von vorsätzlich eingebrachtem Mikroplastik in die Umwelt fand nun eine öffentliche Befragung statt. Auch das DIN meldete sich dazu zu Wort.

Je nach Bauweise variiert bei Kunstrasen die Menge an Einfüllgranulat. Foto: Hinkelammert

Öffentliche Befragung zu Auswirkungen einer Beschränkung

Die Europäische Kommission und die European Chemicals Agency (ECHA) als eine der europäischen Agenturen führten im Rahmen der europäischen Kunststoffstrategie eine öffentliche Befragung (Konsultation) zu den Auswirkungen einer möglichen Beschränkung des Einsatzes von Mikroplastik-Granulat durch. Die öffentliche Anhörung lief bis zum 20. September 2019. Der Arbeitsausschuss „Kunststoffflächen und Kunststoffrasenflächen“ im DIN-Normenausschuss Bauwesen (NABau) des Deutschen Instituts für Normung (DIN, Berlin) hat eine Stellungnahme erarbeitet.
 
Nach Erkenntnis des Ausschusses sind danach die Mengen an Gummigranulat, die in den nationalen Bauprojekten für Kunstrasen eingesetzt werden, im Vergleich zu den meisten europäischen Ländern wesentlich geringer und auch wesentlich niedriger, als aktuelle Studien es darstellen. Dies gelte in gleichem Maße für den Verlust durch Austrag von Gummigranulat aus den Kunstrasensystemen. Die dabei errechnete Menge belaufe sich bezogen auf 3.500 Großspielfelder mit Granulatbefüllung auf rund 1.000 Tonnen pro Jahr für Deutschland.

Weniger Einfüllmengen durch andere Bauweise

In Deutschland komme es bei üblichen Florhöhen von etwa 35 bis 40 Millimetern (mm) und in Abhängigkeit von der Faser sowie dem Reihen- und Faserabstand im Mittel zu Einfüllmengen von rund fünf Kilogramm pro Quadratmeter (kg/m²). Abweichend von den Bauweisen in anderen europäischen Ländern mit Florhöhen von etwa 60 mm und Füllmengen von 13 bis 18 kg/m² werde in Deutschland entsprechend der normativen Regelungen nach DIN 18035–7 der erforderliche Kraftabbau nicht durch den Belag selbst, sondern durch den Einbau einer Elastikschicht/ elastischen Tragschicht unterhalb des Kunststoffrasenbelages gewährleistet. Das Infill-Material diene dabei nicht dem Kraftabbau.

Übertragen auf Europa ließe sich als „Best Practice“ durch die Übernahme einer zu Deutschland vergleichbaren Bauweise der Primäreinsatz von Mikroplastik (Infill-Material) bereits um etwa 60 bis 75 Prozent reduzieren, so der Ausschuss nach Pressemeldung.

Weniger Austrag durch angepasste Pflege

Weitere Möglichkeiten, um den Austrag oder Verlust zu verringern, sieht der Ausschuss etwa in einem angepassten Pflegemanagement und regelmäßigen Instandhaltungen entsprechend der FLL-Sportplatzpflegerichtlinien.

Der Austrag infolge Schneeräumung lasse sich durch entsprechend ausgebildete Lagerflächen sowie die Rückführung der Granulate nach dem Auftauen auf das Spielfeld erheblich vermindern. Weitere Möglichkeiten sieht der Ausschuss in baulichen Maßnahmen am Spielfeld, um den Verlust oder Austrag durch Starkregen und Windabdrift oder durch Anhaftungen von Granulaten an Kleidung, Körper und Schuhen der Sportler zu minimieren.