Wirtschaft & Politik

Düngeverordnung: Fachverbände kritisieren Verschärfung

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Der Streit hat Monate gedauert, aber nun haben sich Umwelt- und Bundeslandwirtschaftsministerium auf Maßnahmen zur Verschärfung der Düngeverordnung geeinigt. Diese werden von Fachverbänden, vor allem aus dem Gemüsebau, bereits heftig kritisiert.

Dem Umgang mit gängigen Düngemitteln geht es durch die verschärfte Düngeverordnung an den Kragen. Foto: Pixabay

Pauschale Regelung zur Düngung in „Roten Gebieten“

Am meisten stößt eine pauschale Regelung auf Kritik, nach der die Düngung in den sogenannten „Roten Gebieten“ mit besonders hohen Nitratwerten im Betriebsdurchschnitt um 20 Prozent reduziert werden soll. Um betriebs- und anbauspezifischen Besonderheiten Rechnung zu tragen, sollen Betriebe aber flexibel entscheiden können, welche Kulturen weiter nach Bedarf gedüngt werden, schränkt das Bundeslandwirtschaftsministerium ein. Im Gegenzug müsse dann auf anderen Flächen in den besonders belasteten Gebieten weniger gedüngt werden.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hofft, mit den Neuerungen der Forderung des Europäischen Gerichtshofs (Urteil vom 21. Juni 2018 wegen unzureichender Umsetzung der EU-Nitratrichtlinie) nach Nachbesserungen an der Novelle der Düngeverordnung zu entsprechen. Sie sieht die Vorschläge als fairen Kompromiss zwischen den strengen Grenzwerten der Nitratrichtlinie und den Anforderungen an eine nachhaltige Pflanzenproduktion. Denn es handele sich um differenzierte Regelungen, die an den jeweiligen Standort angepasst sind, so Klöckner.

„Gärtnerischer Berufsstand warnt vor einer Abwärtsspirale“

Kritik kommt unter anderem von der Bundesfachgruppe Gemüsebau (BfG) im Zentralverband Gartenbau. Die sieht die beschlossenen Maßnahmen nicht zielführend. Um die handelsüblichen Anforderungen bei den betriebswirtschaftlich wichtigen Kulturen zu erreichen, müssten die Betriebe in den roten Gebieten bei den anderen Kulturen ausgeprägte Mangelsymptome in Kauf nehmen. Dies sei eine Abkehr von der bedarfsgerechten Düngung.

Zudem sei es enttäuschend, dass eine pauschale Minderung der Düngung unterhalb des Düngebedarfs und starke Verminderung des Einsatzes von organischen Düngern mit geringem Anteil an pflanzenverfügbarem Stickstoff wie Kompost in Kauf genommen wird. „Der gärtnerische Berufsstand warnt vor einer Abwärtsspirale in den erntefähigen Qualitäten, vor allem im Gemüsebau“, betont der Vorsitzende der BfG-Bundesfachgruppe, Christian Ufen. Dies sei fachlich kaum zu begründen.

Erhebliche strukturelle Einschnitte für betroffene Regionen befürchtet

Mit großer Skepsis betrachtet auch der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) die erneute Novellierung der Düngeverordnung. DRV-Präsident Franz-Josef Holzenkamp befürchtet erhebliche strukturelle Einschnitte für betroffene Regionen, dass dort die Produktion extensiviert oder komplett verlagert werde. Die Wertschöpfung gehe verloren.

Mehr zu den Folgen der neuen Düngeverordnung lesen Sie in der TASPO 26/2019, die in unserem Online-Shop abgerufen werden kann.