Wirtschaft & Politik

Dürre: besseres Risikomanagement gefordert

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Rund 10.000 Betriebe aus Landwirtschaft und Gartenbau kämpfen derzeit ums Überleben. Rekordhitze und -trockenheit in diesem Jahr haben ihnen so sehr zugesetzt, dass sie in ihrer Existenz bedroht sind. Aus dieser Notlage befreien sollen sie 340 Millionen Euro vom Bund.

Aufgrund von Rekordhitze und -trockenheit mussten Gartenbau und Landwirtschaft in diesem Sommer zusätzlich bewässern. Massive Dürreschäden und Ernteausfälle ließen sich dennoch nicht verhindern. Foto: Pixabay

Im Zuge der Veröffentlichung des Ernteberichts 2018 in der vergangenen Woche, sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner diese Hilfen zu. Ein Bund-Länder-Rettungsprogramm, an dem sich voraussichtlich 14 Bundesländer beteiligen, soll jetzt die notwendigen Gelder an die besonders Betroffenen bringen. Bund und Länder wollen sich die Unterstützung jeweils zu 50 Prozent teilen.

Hilfe nur für existenzbedrohte Betriebe

Klöckners Bedingungen: Antragsberechtigt sind Betriebe mit einem Naturalertragsrückgang um mindestens 30 Prozent im Vergleich zu den Vorjahren. Ein finanzielles Engagement des Bundes könne es nur geben für existenzgefährdete Betriebe. „Wir brauchen daher eine entsprechende Bedürftigkeitsprüfung.“ Melden können sich auch Gartenbau-Betriebe, denn auch sie zählen zur Landwirtschaft.

Während die meisten Bundesländer lieber gestern als heute die Hilfsgelder für ihre Betriebe in den Händen halten würden, werden Rheinland-Pfalz und das Saarland das Programm nicht in Anspruch nehmen. Dort habe die Dürre keine existenzbedrohenden Ausmaße angenommen.

Dürreschäden und Ernteausfälle in Millionenhöhe

Ganz anders ist die Lage in Niedersachsen. Das Land macht folgende Rechnung auf: Der Schaden bei den existenzbedrohten Betrieben belaufe sich auf bis zu 80 Millionen Euro. Davon sollen 50 Prozent ausgeglichen werden, die sich Bund und Länder teilen. So könnte der Landes-Anteil bis zu 20 Millionen Euro ausmachen.

Rund die Hälfte, geschätzte zehn Millionen Euro, kommen auf Hessen zu. Thüringen müsste 7,5 Millionen Euro an Zuschüssen für die in Existenznot geratenen Unternehmen einplanen. In Bayern hat das zuständige Staatsministerium einen Finanzbedarf von 20 bis 30 Millionen Euro errechnet. Mecklenburg-Vorpommern kalkuliert mit rund 50 bis 60 Millionen Euro. Dort, im Nordosten Deutschlands, liegen die Ernteausfälle zwischen 490 bis 531 Millionen Euro.

Hilfe zur Selbsthilfe für Gartenbau-Betriebe

Der Zentralverband Gartenbau (ZVG) begrüßt zwar die Hilfen, ihm gehen die Maßnahmen jedoch nicht weit genug: „Vor dem Hintergrund zunehmender Extremwetterereignisse erwarten wir vom Ministerium noch mehr Unterstützung beim einzelbetrieblichen Risikomanagement“, erklärt ZVG-Generalsekretär Bertram Fleischer. „Das ist Hilfe zur Selbsthilfe für unsere Betriebe. Steuerfreie Risikoausgleichsrücklagen oder eine stärkere Förderung von Versicherungen könnten hier eine Lösung sein.“

Das sieht auch der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) so. Insbesondere müsse eine Dürreschäden-Versicherung bezahlbar sein.