Wirtschaft & Politik

EHEC-Krise: Fachgruppe Gemüsebau zieht ein Jahr danach Bilanz

Die Bilanz ein Jahr nach der sogenannten EHEC-Krise fällt nüchtern aus: Viele Marktsegmente des heimischen Gemüsebaus hätten sich zwar erholt, so die Fachgruppe Gemüsebau. Doch vollständige Regeneration habe es nach den behördlich ausgesprochenen Verzehrwarnungen 2011 an die Verbraucher noch nicht in vollem Umfang geben können. 

„Der Gemüsemarkt ist noch immer in Teilen beschädigt. Insbesondere die Sprossenerzeuger haben die EHEC-Krise noch immer nicht überwunden, denn der Umsatz ist massiv eingebrochen. Das Vertrauen in Sprossenprodukte ist beim Verbraucher einfach nicht mehr da“, berichtete Jochen Winkhoff, Geschäftsführer der Fachgruppe Gemüsebau im Bundesausschuss Obst und Gemüse, am 30. April gegenüber der Nachrichtenagentur dapd.

„Wir müssen alles tun, um eine solche Krise ein zweites Mal präventiv zu verhindern“, betont Gerhard Schulz, Vorsitzender der Fachgruppe Gemüsebau im BOG, nachdrücklich Richtung Politik und auch Berufsstand, der sich engagiert in die entsprechenden Prozesse einbringe. Die Fachgruppe Gemüsebau bekräftige nach wie vor die Notwendigkeit eines flexiblen Krisenmanagements, das die relevanten Gruppen einbeziehe, auch die Gruppe der Gemüseerzeuger und Vermarkter, so Schulz weiter.

Die Einrichtung einer Task Force mit Experten aus den Ländern, von Bund und EU war aus Sicht des Bundeslandwirtschaftsministeriums bereits 2011 erfolgreich. Diese soll künftig fester Bestandteil des Krisenmanagements und im Herbst 2012 im Rahmen der Verbraucherschutzministerkonferenz beschlossen werden, teilt das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) jetzt in einer Presseerklärung mit.

Außerdem begrüßt die Fachgruppe Gemüsebau auch weitere Maßnahmen des Bundesgesundheitsministeriums und des Bundeslandwirtschaftsministeriums, um die Bürgerinnen und Bürger in Zukunft noch besser vor lebensmittelbedingten Krankheiten zu schützen. Dazu zählen besonders strengere Einfuhrvorschriften und die Entwicklung eines neuen elektronischen Meldesystems für Infektionsschutz, das die schnellere und medienbruchlose Meldung von Vorfällen ermöglicht.

Der Präsident des Bundesrechnungshofes als Beauftragter für Wirtschaftlichkeit in der Verwaltung weist laut BMELV unter anderem auf die Pflicht der Länder hin, ausreichend Personal und finanzielle Mittel für die Lebensmittelüberwachung zur Verfügung zu stellen und rät, die Krisenkommunikation zu bündeln.

Der EHEC-Ausbruch 2011 war in Deutschland der größte Ausbruch mit Escherichia coli und einer der größten EHEC/HUS-Ausbrüche weltweit. Durch EHEC verstarben laut BMELV und Bundesgesundheitsministerium (BMG) 53 Menschen während des Ausbruchs. Als Ursache wurden von Behörden Bockshornkleesamen aus Ägypten sowie Sprossen und Keimlinge, die daraus gezogen wurden, verantwortlich gemacht. (zvg)