Wirtschaft & Politik

Eichenprozessionsspinner: Experten diskutieren wirksame Bekämpfungsstrategien

Der Eichenprozessionsspinner ist in Deutschland weiter auf dem Vormarsch und befällt neben Eichenwäldern auch zunehmend Eichen des innerstädtischen Grüns, in öffentlichen Parks und in Naherholungsgebieten. Die von den Raupen im Larvenstadium gebildeten Brennhaare können schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen bei Menschen verursachen. Experten des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR) und des Julius Kühn-Institutes (JKI) diskutierten jetzt Strategien zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners. 

„Typische Symptome nach einem Kontakt mit den Brennhaaren sind Hautirritationen, Augenreizungen und Atembeschwerden, bei empfindlichen Personen können auch schwere pseudoallergische Reaktionen bis hin zum Schock auftreten“, sagt Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des BfR. Er hält eine Bekämpfung in den ersten beiden Larvenstadien im urbanen Bereich für dringend geboten. Sie sollte bis spätestens April erfolgen.

Auf einem Statusseminar diskutierten Vertreter von Ministerien, Bundes- und Länderbehörden sowie Praktiker, welche Möglichkeiten für das Jahr 2013 zur Verfügung stehen. Die Situation sei rechtlich kompliziert, da je nach Anwendungsbereich und Schutz-Ziel unterschiedliche Rechtsgrundlagen gelten.

„Für den Schutz der Eichen in Wäldern vor Kahlfraß und Zerstörung ist das Pflanzenschutzrecht die Grundlage“, sagt Professor Dr. Georg Backhaus, Präsident des JKI. Nach dem Pflanzenschutzrecht stehen zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners in diesem Jahr drei Pflanzenschutzmittel zur Verfügung. Auf sie kann zur Bekämpfung des Schädlings 2013 zurückgegriffen werden. Ihr Einsatz bedürfe jedoch zum Teil eines Antrags beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).

Für die gezielte Bekämpfung aus der Luft im Forst ist derzeit nur ein Pflanzenschutzmittel nach § 18 des Pflanzenschutzgesetzes genehmigt. Da in urbanen Gebieten die gesundheitsschädlichen Auswirkungen eines Befalls im Vordergrund stehen, hat die Bekämpfung des EPS in Ortschaften nach dem Biozidrecht zu erfolgen. Nach dem Biozidrecht sind noch keine Biozidprodukte speziell zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners zugelassen.

Es gebe aber Produkte, die aufgrund der derzeit gültigen Übergangsregelung bei der Bekämpfung aus Gründen des Gesundheitsschutzes eingesetzt werden dürfen. Nach Ansicht der nach dem Biozidrecht zuständigen beteiligten Bundesbehörden sollten vor dem Einsatz chemisch-biologischer Mittel auch biozidfreie Alternativen bei der Festlegung der Bekämpfungsstrategie geprüft werden. Falls in der spezifischen Befallssituation möglich, gehören dazu neben organisatorischen Maßnahmen – wie zeitlich befristeten Zugangsverboten oder Warnhinweise – auch mechanische Verfahren. (ts/bfr/jki)