Wirtschaft & Politik

EU verbietet Neonicotinoide im Freiland

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„Heute ist ein guter Tag für den Schutz der Bienen in Deutschland und in Europa.“ Mit diesen Worten kommentierte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner die heute gefällte Entscheidung der EU, die Anwendung von drei Neonicotinoiden künftig massiv zu begrenzen.

Zum Schutz von Bienen und anderen Bestäubern ist innerhalb der EU künftig die Anwendung von Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam im Freiland verboten. Foto: Pixabay

Damit folgte der Ständige Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futtermittel – in dem alle Mitgliedstaaten der EU vertreten sind – bei der heutigen Abstimmung in Brüssel mehrheitlich dem Vorschlag der EU-Kommission, die Anwendung der als bienengefährlich geltenden Wirkstoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam weiter zu begrenzen.

Derzeit 14 Pflanzenschutzmittel mit Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam zugelassen

Laut dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) sind in Deutschland derzeit 14 Pflanzenschutzmittel mit den genannten Wirkstoffen zugelassen – neun davon zur Behandlung von Zuckerrüben- und Futterrübensaatgut. Darüber hinaus sind Spritz- oder Gießanwendungen von Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam in verschiedenen Kulturen erlaubt – sowohl im Gewächshaus als auch im Freiland.

Doch damit ist künftig Schluss: Mit der heutigen Abstimmung dürfen Pflanzenschutzmittel mit den genannten Wirkstoffen nicht mehr im Freien, sondern ausschließlich in festen Gewächshäusern sowie zur Behandlung von Saatgut, das unter Glas angebaut wird, zum Einsatz kommen. Außerdem müssen entsprechende Pflanzen bis zu ihrer Verwertung oder Ernte im Gewächshaus bleiben und dürfen nicht im Freien ausgepflanzt werden.

Reicht Verbot im Freiland aus?

„Wir haben in Brüssel dafür gestimmt, Neonicotinoide künftig nur noch in Gewächshäusern einzusetzen – also dort, wo sie den Bienen nicht schaden. Ich freue mich, dass die Mehrheit der Mitgliedstaaten diesen Schritt zu mehr Bienenschutz mit uns gemeinsam gegangen ist. Bienen sind systemrelevant – auch für den Erhalt unserer Landwirtschaft. Das haben wir heute mit der Abstimmung in Brüssel nochmal deutlich gemacht“, so Klöckner.

Auch die hessische Landwirtschaftsministerin Priska Hinz begrüßt die EU-Entscheidung, die Freilandanwendung von Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam künftig zu verbieten. Ihrer Meinung nach hätte das Verbot allerdings auch Gewächshäuser miteinbeziehen müssen. „Auch dort werden Insekten zur Bestäubung eingesetzt und Unterglasflächen können nicht hermetisch abgeriegelt werden“, so Hinz.

Syngenta von EU-Entscheidung enttäuscht

Als „enttäuschend“ bezeichnet dagegen Syngenta den heute gefassten Beschluss der EU. Mit dem Freilandverbot der drei Wirkstoffe sei weder den Landwirten noch der Umwelt gedient, so der Agrarchemiekonzern.

„Mit der Entwicklung von Produkten wie zum Beispiel Neonicotinoiden, unterstützen wir Landwirte dabei, ihre Pflanzen vor Schädlingen und Unkraut zu schützen. Durch konstante Forschung lassen sich gleichzeitig mögliche Risiken für die Umwelt und die menschliche Gesundheit minimieren“, erklärt Syngenta.

EFSA bewertet Neonicotinoide als bienengefährlich

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hingegen hatte die Wirkstoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam nach einer wissenschaftlichen Bewertung aller neuen Daten, Studien und Informationen erneut als bienengefährlich eingestuft. Wie es in dem am 28. Februar dieses Jahres veröffentlichten Bericht der EFSA heißt, gebe es „aufgrund der vorliegenden Daten keine Freilandanwendungen, die als sicher für Honigbienen und andere Bestäuber eingestuft werden können“. Basierend auf diesen Erkenntnissen hatte sich die EU-Kommission zuletzt für ein komplettes Freilandverbot der drei Wirkstoffe ausgesprochen.

Entsprechende Durchführungsverordnungen der Kommission für Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam sollen laut BVL 20 Tage nach Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Union in Kraft treten. Die EU-Mitglieder haben danach drei Monate Zeit, um die bestehenden Zulassungen von Pflanzenschutzmitteln mit den drei Neonicotinoiden zu beenden oder entsprechend den neuen Vorgaben zu ändern.