Finanzielle Belastungen für Gartenbau-Betriebe steigen weiter

Veröffentlichungsdatum: , Daniela Sickinger / TASPO Online

Neben Freiland- und Obstbau-Betrieben zählen auch alle gärtnerischen Betriebe mit geschütztem Anbau laut einer aktuellen Studie des Thünen-Instituts zu den besonders von den Auswirkungen des Ukraine-Kriegs betroffenen Betrieben. Foto: Rebecca Niver/Unsplash

Wenn sich die Erzeugerpreise nicht erhöhen, sinken die Einkommen von Gartenbau- und Dauerkulturbetrieben. Das geht aus einer Stellungnahme des Thünen-Instituts zu den Auswirkungen des Ukraine-Kriegs hervor. Zusätzliche Belastungen kommen auf die Unternehmen durch die gekürzten Zuschüsse zur Landwirtschaftlichen Unfallversicherung zu.

Zuschüsse um rund 77 Millionen Euro gekürzt

Der Bundestag hat Anfang Juni zusammen mit dem Bundeshaushalt eine deutliche Kürzung der Zuschüsse für die Landwirtschaftliche Unfallversicherung beschlossen – diese sinken von bislang knapp 177 Millionen Euro auf jetzt 100 Millionen Euro. Infolgedessen werden die Beiträge für zuschussberechtigte Mitglieder der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft um mindestens 18 Prozent steigen, wie die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) laut einem Bericht von agrarheute berechnet hat. Demnach soll sich die Kürzung bereits im Juli und August für 2021 auswirken.

Zusätzliche Belastung „in der aktuellen Situation nicht nachzuvollziehen“

Der Zentralverband Gartenbau (ZVG) hat auf den Bundestagsbeschluss mit Unverständnis reagiert. „Eine zusätzliche Belastung der gärtnerischen und landwirtschaftlichen Unternehmen durch die Kürzung der Zuschüsse zur Landwirtschaftlichen Unfallversicherung ist insbesondere in der aktuellen Situation nicht nachzuvollziehen“, meint ZVG-Präsident Jürgen Mertz unter anderem mit Blick auf die enormen Kostensteigerungen, denen produzierende Betriebe derzeit ausgesetzt sind. Auch in Anbetracht der steigenden Bedeutung von Regionalität und Selbstversorgung müsse es vielmehr darum gehen, die Betriebe zu entlasten. „Die Zuschüsse zur Landwirtschaftlichen Unfallversicherung wären hier ein wichtiger und praktikabler Hebel“, so Mertz.

Krisenhilfen sollen lediglich Nahrungsmittel produzierenden Betrieben zugutekommen

Ebenso wenig nachzuvollziehen sei, dass die finanziellen Hilfen für besonders von den Folgen des Ukraine-Kriegs betroffene Betriebe in Landwirtschaft und Gartenbau lediglich den am stärksten betroffenen Betriebszweigen der Nahrungsmittelproduktion zugutekommen sollen. Mit dem beschlossenen Bundeshaushalt stehen insgesamt 180 Millionen Euro Krisenhilfe für landwirtschaftliche Betriebe zur Verfügung – 60 Millionen Euro aus der EU-Krisenreserve sowie weitere 120 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt, mit denen die EU-Hilfen für die deutsche Landwirtschaft aufgestockt wurden.

BMEL lässt Auswirkungen des Ukraine-Kriegs wissenschaftlich untersuchen

Um die Entscheidung über die Kriterien für die Hilfen „wissenschaftlich abgesichert und auf der Grundlage objektiver und nichtdiskriminierender Faktoren“ treffen zu können, hatte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) das bundeseigene Thünen-Institut bereits Anfang April damit beauftragt, die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf die verschiedenen Agrarsektoren abzuschätzen. In seiner am 29. April veröffentlichten Stellungnahme zu den Konsequenzen für die Einkommen landwirtschaftlicher Betriebe kommt das Thünen-Institut unter anderem zu dem Schluss, dass „es bei den Gartenbau- und Dauerkulturbetrieben zu einem Rückgang im Einkommen kommen wird, wenn sich die Erzeugerpreise nicht erhöhen. […] Um einen Rückgang der Einkommen zu vermeiden, müssten bei den Gartenbaubetrieben die Umsatzerlöse im Durchschnitt um drei Prozent und bei den Dauerkulturbetrieben um zwei Prozent steigen.“

Studie des Thünen-Instituts bestätigt Betroffenheit des Gartenbaus

Wie der Zentralverband Gartenbau dazu anmerkt, würden laut der Studie des Thünen-Instituts neben Freiland-Gartenbau und Obstbau-Betrieben auch alle gärtnerischen Betriebe mit geschütztem Anbau zu den besonders von den Auswirkungen des Ukraine-Kriegs betroffenen Bereichen zählen – wozu auch die Betriebe des Zierpflanzenbaus und die Jungpflanzen-Produktion gehören, wie der ZVG betont. „Die Ergebnisse der Studie können wir aus der Vielzahl von Rückmeldungen der Gartenbau-Betriebe in ihrer ganzen Bandbreite bestätigen“, führt ZVG-Generalsekretär Bertram Fleischer dazu aus.

Einschränkung auf Nahrungsmittelproduzenten löst bei ZVG Befremden aus

Dass die Bundesregierung gärtnerische und landwirtschaftliche Betriebe in dieser wirtschaftlich herausfordernden Situation mit 180 Millionen Euro unterstützen wird, begrüße der Zentralverband Gartenbau ausdrücklich. Die Einschränkung auf nahrungsmittelproduzierende Unternehmen werde jedoch „mit großem Befremden aufgenommen“, wie der ZVG erklärt. „Letztlich geht es doch darum, den von der Krise wirtschaftlich betroffenen Unternehmen zu helfen und Marktungleichgewichte zu beseitigen. Dazu zählen auch andere pflanzenproduzierende Bereiche des Gartenbaus, wie zum Beispiel der Unterglas-Zierpflanzenbau“, so Fleischer. Der ZVG poche deshalb auf die Verteilung der Krisenmittel entsprechend der vom Thünen-Institut festgestellten Betroffenheit einzelner Sparten von Gartenbau und Landwirtschaft.