Wirtschaft & Politik

Gartenbau: Mindestlohn steigt – Tarife auch?

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Die Mindestlohn-Kommission hat einstimmig beschlossen, den gesetzlichen Mindestlohn ab dem 1. Januar 2017 auf 8,84 Euro brutto je Zeitstunde festzusetzen. Für Landwirtschaft und Gartenbau gilt allerdings weiterhin nicht der gesetzliche Mindestlohn, sondern die Regelungen des entsprechenden Mindestentgelttarifvertrags – und die Tarifverträge im Gartenbau laufen teilweise aus.

Im Gartenbau laufen in einigen Gebieten noch in diesem Jahr die Tarifverträge aus. Foto: Tomasz Zajda/Fotolia

Tarifverträge für Floristen und den Gartenbau Nord und Bayern laufen aus

So laufen etwa die Entgelttarifverträge für den Erwerbsgartenbau in den Tarifgebieten Nord und Bayern (zum 30. September) und für Floristen (zum 31. Dezember) aus. Wie Jörg Heinel, Fachreferent für Gartenbau und Floristik der IG BAU, der TASPO mitteilte, seien diese Tarifverträge fristgerecht gekündigt worden oder werden noch fristgerecht gekündigt.

Der Fachverband Deutscher Floristen (FDF) hält die beschlossene Erhöhung des Mindestlohns zum 1. Januar 2017 um vier Prozent für eine schwierige Entwicklung, besonders im Hinblick auf die Blumenfachgeschäfte in den neuen Bundesländern. Schon die Einführung des Mindestlohns vor eineinhalb Jahren habe laut FDF nach ersten Erkenntnissen der dortigen Landesverbände zu einem Beschäftigungsabbau sowie zu Betriebsschließungen im Bereich des Blumeneinzelhandels geführt.

Mindestlohn verteuert auch grüne Produkte und Dienstleistungen

Leider sei es vielen Kollegen bisher nicht möglich, den Verbraucher dafür zu sensibilisieren, dass ein Mindestlohn auch florale Produkte und Dienstleistungen verteuert. Die Bereitschaft der Verbraucher aufgrund gestiegener Mitarbeiterlöhne auch etwas mehr für ihre Einkäufe in guten Fachgeschäften zu bezahlen, sei in vielen Regionen leider nicht ausreichend vorhanden.

In der Floristik liegt die unterste Stufe der Entgeltgruppen zwar derzeit knapp über dem Mindestlohn, die Staffelung des gesetzlichen Mindestlohns sei hierbei aber nicht berücksichtigt. Ob und in welchem Umfang die Tarifverhandlungen durch den gesetzlichen Mindestlohn mit beeinflusst werden, bleibe jedoch abzuwarten.

Tarifhoheit liegt bei den Gartenbau Landesverbänden

Wie Romana Hoffmann, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft gärtnerischer Arbeitgeberverbände (AGA), gegenüber der TASPO erklärte, liegt die Tarifhoheit und damit auch der Abschluss von Tarifverträgen bei den Landesverbänden Gartenbau.

Nur der allgemein verbindliche Mindestentgelttarifvertrag für den Gartenbau und die Landwirtschaft gelte bundesweit, da der Gesetzgeber dies als einzige Möglichkeit zugelassen habe, um eine schrittweise Heranführung der Löhne an den Mindestlohn zu ermöglichen.

Mehr dazu lesen Sie in der TASPO 27/2016, die am 8. Juli erschienen ist.