Wirtschaft & Politik

Glyphosat: Teures neues Urteil gegen Bayer

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Bereits zum dritten Mal hat ein US-amerikanisches Gericht jetzt in einem Prozess um Glyphosat Bayer verurteilt – dieses Mal zu einer Zahlung von über zwei Milliarden Dollar. Der von Bayer aufgekaufte Hersteller Monsanto habe ein an Krebs erkranktes Ehepaar nicht ausreichend vor den Glyphosat-Risiken gewarnt, so die Geschworenen. Und auch die französische Staatsanwaltschaft ermittelt.

Rund 13.400 Glyphosat-Klagen sind gegen Monsanto derzeit anhängig, die Bayer durch den Kauf des US-Konzerns mit übernommen hat. Foto: Pixabay

Kläger machen Glyphosat für ihre Krebserkrankung verantwortlich

Das Ehepaar – beide über 70 und am Non-Hodgkin-Lymphom, einer Blutkrebsart erkrankt – hatte ursprünglich den von Bayer im vergangenen Sommer übernommenen US-Konzern Monsanto verklagt. Dessen Bestseller-Produkt Roundup hätten die Kläger nach eigenen Angaben seit 1975 auf ihren Grundstücken verwendet. Medienberichten zufolge warfen sie dem Konzern vor, der Roundup-Hauptwirkstoff Glyphosat sei für ihre Krebserkrankung verantwortlich.

Wie Bayer in einer Presseerklärung zu dem jüngsten Urteil mitteilt, habe das Unternehmen „großes Mitgefühl“ für das betroffene Ehepaar. „Die Beweislage in diesem Fall ist jedoch eindeutig: Beide Kläger hatten eine lange Historie von Vorerkrankungen, die bekanntermaßen erhebliche Risikofaktoren für eine Erkrankung am Non-Hodgkin-Lymphom darstellen. Zudem ist bei den meisten NHL-Erkrankungen die Ursache nicht bekannt“, so der Leverkusener Konzern.

Urteil widerspricht laut Bayer Einschätzung der US-Umweltschutzbehörde

Darüber hinaus gebe es „keine verlässlichen wissenschaftlichen Nachweise“, dass die Kläger ohne die Anwendung von glyphosathaltigen Produkten nicht an Krebs erkrankt wären. Auch widerspreche das Urteil der im vergangenen Monat veröffentlichten Einschätzung der US-Umweltschutzbehörde EPA, dass glyphosatbasierte Produkte und Glyphosat bei sachgerechter Anwendung sicher und nicht krebserregend sind.

Entsprechend sei Bayer „von der Entscheidung der Jury enttäuscht“ und wolle „Rechtsmittel dagegen einlegen“, wie es in der offiziellen Presseerklärung heißt. Insgesamt sieht sich das Unternehmen Medienberichten zufolge derzeit mit rund 13.400 Roundup-Klagen konfrontiert.

Auch Frankreichs Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Bayer-Tochter Monsanto

Damit hat der Ärger, den sich Bayer durch die Übernahme von Monsanto eingehandelt hat, allerdings noch lange kein Ende. Auch in Frankreich könnte der Konzern demnächst vor Gericht stehen. Medienberichten zufolge hat die dortige Staatsanwaltschaft aktuell ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, weil Monsanto eine interne Liste mit hartnäckigen Kritikern des amerikanischen Saatgutriesen – Politiker, Wissenschaftler und Journalisten – geführt haben soll.

Diese Listen mit Adressen, Telefonnummern und Bemerkungen zu den Kritikern hätten sich auf ganz Europa einschließlich der Bundesrepublik erstreckt, wie Bayer jetzt einräumte. Umweltpolitiker der Grünen im Bundestag und im Europäischen Parlament forderten das Unternehmen jetzt dazu auf, die Namen auf den Monsanto-Listen offenzulegen.