Wirtschaft & Politik

Großbritannien verlässt die EU: der Brexit und der Gartenbau

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Welche Auswirkungen hat die Brexit-Strategie des neuen britischen Premierministers Boris Johnson auf den Gartenbau? Matthew Appleby, Redakteur der britischen „Horticulture Week“ beim TASPO-Mutterverlag Haymarket Media Group in Twickenham, befragte Unternehmer aus verschiedenen Sparten des britischen Gartenbaus zur Zukunft ihrer Branche.

Boris Johnson, Großbritanniens neuer Premierminister, favorisiert einen harten Brexit. Foto: Matthew Appleby

Unternehmer aus dem Gartenbau und dem Gartenfachhandel zeigen sich besorgt über die Folgen eines harten Brexits unter Premierminister Boris Johnson. Dieser hat darauf bestanden, dass Großbritannien die EU mit oder ohne Einigung bis zum 31. Oktober verlassen muss.

Adrian Marskell, Geschäftsführer der Bransford Webbs Plant Company, Zierpflanzen-Produzent aus Worcester

„Ein harter Brexit wird für unser Unternehmen nur minimale Störungen bedeuten. Die Gärtnerei macht nur vier Prozent Umsatz mit Pflanzen vom Kontinent. Die Schwierigkeit liegt bei Jungpflanzen aus Holland, aber viele niederländische Unternehmen richten bereits Büros in Großbritannien ein – sie werden sicherlich eine Lösung finden. Der Brexit muss sein, unabhängig vom Gartenbau.“

Chris Campbell, britischer Partner des niederländischen Pflanzenhandels Javado

„Boris Johnson ist unbeständig. Wir wollen Beständigkeit, aber die wird er uns nicht liefern können. Wir brauchen keine Selbstdarsteller, sondern eine bodenständige Politik. Unsere Rohstoffe stammen alle aus Europa – Stecklinge, Töpfe, Kompost. Der britische Gartenbau hat ein europäisches Fundament – wir brauchen einen reibungslosen Produktfluss.“

Boyd Douglas-Davies, CEO der Gartencenter der Hillview Gruppe, London

„Johnson könnte ein Gewinn für die Branche sein. Er stand als Bürgermeister hinter der Londoner Baumkampagne, deshalb haben wir mit ihm einen Freund an einer Schlüsselposition. Er schätzt unsere Branche und das ist ein großes Plus.“

Simon Earley von Earley Ornamentals, Jungpflanzenproduzent aus Thirsk

„Das Timing ist der Schlüssel. Ein harter Brexit Ende Oktober wird zunächst keine großen Auswirkungen auf uns haben, da wir die Produktion für die neue Einzelhandelssaison noch nicht aufgenommen haben und die Bestellungen bis Ende Oktober abgeschlossen sind. Aber wenn es so weit ist, dann ist das nicht mehr der Fall. Wir kaufen so viel in ‚Euroland‘ ein, dass uns die Töpfe, das Saatgut und der Kompost ausgehen könnten.“

Mehr zum Thema Brexit und weitere Stimmen britischer Gartenbau-Unternehmer lesen Sie in der TASPO 30/2019, die Sie in unserem Online-Shop abrufen können.