Wirtschaft & Politik

Interview: Gartenbau als innovative Branche präsentieren

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Zurückgehende Ausbildungszahlen, Fachkräftemangel und fehlende Nachfolger für den Betrieb – diese Themen beschäftigen den Gartenbau nach wie vor. Die TASPO sprach mit Jürgen Mertz, Präsident des Zentralverbands Gartenbau (ZVG), über die Ursachen und wie der ZVG versucht, diesen Problemen entgegenzuwirken.

ZVG-Präsident Jürgen Mertz auf dem Deutschen Gartenbautag 2017. Foto: Thomas Rafalzyk/ZVG

Thema Betriebsaufgabe mangels Nachfolger: Wo liegen die Hauptursachen und wie geht der ZVG diese an?

Die Frage suggeriert ein besonderes „Gartenbau-Problem“. Dem ist nicht so, betroffen ist der gesamte Mittelstand in der Bundesrepublik. Das wirtschaftlich bedeutsamste Problem ist eigentlich, dass nach Schätzungen des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn (IfM) jährlich etwa acht Prozent der Familienunternehmen ihre Geschäftstätigkeit aufgeben müssen. Dies unter anderem auch aufgrund fehlender kompetenter und übernahmewilliger Nachfolger. Andere Gründe sind Unternehmen in einem schrumpfenden Markt oder schlecht geführt und wirtschaftlich am Ende, sodass sich weder ein Nachfolger noch ein interessierter Käufer findet. Diese Entwicklung ist grundsätzlich auch im Gartenbau zu beobachten.

An dieser Stelle muss verstärkt über familienfremde Nachfolge-Regelungen nachgedacht werden. Dabei ist der Kapitalbedarf meist ein großes Hemmnis, insbesondere wenn sich Grund und Boden gut anderweitig nutzen lassen, was man keinem Kollegen verdenken kann. Sie sind deshalb leider noch eher die Ausnahme.

Dieses Thema ist eines der absoluten Kernthemen unserer Landesverbände. Hier liegt ein Ansatzpunkt für die Verbandsarbeit, nämlich für unseren Berufsstand und die Karrieremöglichkeiten zu werben. Kernaufgaben für uns als Verband sind deshalb, die zu übergebenden Betriebe zu beraten und zunächst die Voraussetzungen für eine wirtschaftlich sinnvolle Übernahme zu prüfen oder gegebenenfalls auch zu anderen Alternativen zu beraten.

Auch die Nachwuchswerbung darf von der Branche vor dem Hintergrund des Mangels an Auszubildenden und Meisterschülern nicht vernachlässigt werden. Das ist und bleibt Aufgabe jedes einzelnen Unternehmers. Die meisten familienfremden Nachfolger rekrutieren sich aus ehemaligen Mitarbeitern des Unternehmens. Nicht zuletzt ist hier unsere sehr gut aufgestellte Nachwuchswerbekampagne ein Mittel zum Zweck.

Woran messen Sie den bisherigen Erfolg dieser Kampagne? Geht es hier weiter und wenn ja wie?

Wir sehen in der Nachwuchswerbekampagne „Gärtner. Der Zukunft gewachsen.“ eine absolute Notwendigkeit. Die Ausbildungszahlen haben sich in den vergangenen Jahren zwar stabilisiert, dennoch gilt es weiterhin, junge Leute für den Berufsstand zu gewinnen. Dabei werden wir auch zukünftig vielfältige Instrumente aus dem Kommunikationsmix nutzen. Angefangen von Social-Media-Aktivitäten bis hin zur direkten Ansprache der Jugendlichen vor Ort, wie jüngst auf dem IGA-Campus.

Wir stellen den Gartenbau in seiner Vielfalt als innovative Branche vor. Auf dem Deutschen Gartenbautag 2017 haben wir unser 360-Grad-Video „Plant and Run“ mit der VR-Brille präsentiert. So holen wir die jungen Leute am Nerv der Zeit ab.

Wie groß ist der Rückgang der Zahl der Ausbildungsbetriebe derzeit und mit welchen Maßnahmen versucht der ZVG ihn aufzuhalten?

Die Nachwuchswerbekampagne spricht die Jugend an, aber selbstverständlich lassen wir die Betriebe, die sich vereinzelt aus unterschiedlichen Gründen aus der Ausbildung verabschieden, nicht außen vor. Vor drei Jahren haben wir die Handreichung für Betriebe „Nachwuchsgewinnung leicht gemacht!“ veröffentlicht. Das Ziel dieser Handreichung war es auch, die Betriebe mitzunehmen, die aufgrund des demografischen Wandels keine oder ungeeignete Bewerber haben und sich dementsprechend aus der Ausbildung zurückziehen. Wir zeigen Wege auf, wie sie über Schul- und Messebesuche sowie Praktika um den benötigten Nachwuchs werben können. Dazu gibt es neben Infos auch nützliche Dokumente, die in unserem internen Bereich oder über die Landesverbände bezogen werden können.

Weiterhin bieten wir jedes Jahr – traditionell am letzten Wochenende im Oktober – eine Weiterbildungsveranstaltung in unserer Bildungsstätte in Grünberg an. Angefangen als Tagung für Berufsschullehrer, haben wir vor vier Jahren die Zielgruppe auf Ausbilder in den Betrieben und Ausbildungsberater der zuständigen Stellen erweitert. Damit möchten wir den in der Ausbildung Verantwortlichen neben der Möglichkeit der persönlichen Weiterbildung auch die Chance zum Austausch geben – und das bundesweit.

Vor einem Jahr haben wir außerdem die Reportage „Ausbildungsbotschafter“ in unserem Mitgliedermagazin ZVG GARTENBAU report gestartet. Dabei wenden sich die Mitglieder unseres ZVG-Ausschusses für Bildungspolitik und Berufsbildung als Ausbildungsbotschafter anhand eines Interviews an ihre Berufskollegen. Sie erklären, warum sie ausbilden und wie sie mit Herausforderungen in der Ausbildung umgehen.

Das komplette Interview mit ZVG-Präsident Jürgen Mertz – unter anderem zu den Themen Strukturwandel im Gartenbau, Gentechnik, invasive Arten sowie Risikomanagement – lesen Sie in der TASPO 41/2017, die am 13. Oktober erscheint.