Wirtschaft & Politik

Interview: „Wir ergänzen uns sehr gut“

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Zur langfristigen Sicherung ihrer starken Position will sich die Interessenvertretung der deutschen Industrie für den Gartenbau (INDEGA) mit dem Industrieverband Garten (IVG) zusammenschließen. TASPO Online sprach mit INDEGA-Präsident Frank Lock und Harald Braungardt, geschäftsführendes Präsidiumsmitglied, über die Hintergründe.

INDEGA-Präsident Frank Lock (r.) und Harald Braungardt, geschäftsführendes Präsidiumsmitglied, gehen „selbstbewusst und auf Augenhöhe“ in die weiteren Verhandlungen mit dem IVG. Foto: Iris Anger

Was hat das Präsidium dazu bewogen, nach möglichen Partnern für die INDEGA zu suchen?

Frank Lock: Wir hatten in der letzten Mitgliederversammlung die eindeutige Bestätigung unserer Ziele erhalten. Zudem sind wir überzeugt, dass es wesentliche Inhalte gibt, die es wert sind, intensiv weiter gepflegt zu werden. Wir sind aber der Meinung, dass es in unserer Branche wichtig ist, Kräfte zu bündeln und eine professionelle Struktur zu erhalten. Und da ist die INDEGA strukturell eher klein und sollte sich nach außen orientieren.

In der Mitgliederversammlung der INDEGA am vergangenen Freitag wurden auch der sich verändernde Markt in der grünen Branche und damit zusammenhängende Mitgliedsaustritte erwähnt. Worin liegen diese Ihrer Meinung nach begründet?

Frank Lock: Es gibt im Kernbereich der Technikanbieter einen Strukturwandel mit entsprechender Konzentration. Der deutsche Gewächshausbau hat sich in den Bereich Gartencenter/Baumarkt orientiert, also außerhalb des klassischen Produktionsgartenbaus.

Harald Braungardt: Darüber hinaus ist eine generelle „Verbandsmüdigkeit“ oder fehlende Bereitschaft, in verschiedenen Verbänden mitzuarbeiten, festzustellen. Das ist kein INDEGA-spezifisches Phänomen. Vergleichbare Verbände oder Interessenvertretungen haben dasselbe Problem.

Wer ist als potenzieller Partner für die INDEGA in Frage gekommen?

Frank Lock: Wir haben natürlich das Umfeld in der grünen Branche genau analysiert und mit verschiedenen möglichen Partnern Gespräche geführt – insbesondere mit dem ZVG (Zentralverband Gartenbau), der als Dachverband der grünen Branche agiert.
Da wir uns als Interessenvertretung von Industrieunternehmern verstehen, haben wir aber auch speziell nach eher marktorientierten Partnern gesucht, und so geriet relativ schnell der IVG in den Fokus. Erste Kontakte zur INDEGA hatte der IVG bereits in der Vergangenheit aufgenommen.

Was genau spricht für den IVG als Partner der INDEGA?

Frank Lock: Für den IVG spricht, dass er eine professionelle Organisation ist und den für uns wichtigen Charakter des Fachverbands hat, über seine Dachstruktur aber auch die Kräfte quer bündelt. In unseren Zielen ist ja massiv der Netzwerk-Gedanke verankert – und über den IVG bekommen wir eine deutliche Stärkung dieses Netzwerks. Zusätzliche Synergien ergeben sich, weil der IVG bislang die Schiene des Produktionsgartenbaus nicht bedient. Wir ergänzen uns also sehr gut.

Harald Braungardt: Aus operativer Sicht gibt es beim IVG zudem eine funktionierende Geschäftsführung, die wir komplett nutzen können.

Wie sieht nach Ihrer Vorstellung die Zukunft der INDEGA im IVG aus?

Frank Lock: Für uns ist es wichtig, dass wir die Ziele, denen wir verpflichtet sind, weiter leben können – auch wenn wir unter ein Dach schlüpfen. Für die einzelnen Mitglieder wird es natürlich eine sehr große Veränderung sein, weil es einfach eine andere Struktur ist. Aber für die erfolgreichen und aktiven Unternehmen wird ein Zusammenschluss mit dem IVG über das neue Netzwerk und die neuen Leistungen eine deutliche Bereicherung darstellen.

Harald Braungardt: Die Diskussion in unserer Mitgliederversammlung hat gezeigt, dass es zum einen eine gewisse Schnittmenge mit dem IVG gibt, wenn man etwa an die Substratindustrie denkt. Und zum anderen hatten verschiedene Global Player unabhängig davon bereits ihr Interesse bekundet, im IVG mitzuarbeiten.

Mit welcher Zielsetzung geht die INDEGA jetzt in die weiteren Verhandlungen mit dem IVG?

Frank Lock: Selbstbewusst und auf Augenhöhe, denn ich glaube, dass wir etwas zu bieten haben – allein schon die reine Zahl unserer 60 Mitglieder. Zudem wäre durch die Integration der INDEGA der Produktionsgartenbau im IVG mit einem Schlag eine starke Säule.
Zu klären in den weiteren Gesprächen sind Themen, die uns sehr am Herzen liegen. Etwa, wie unsere Messe-Aktivitäten in den IVG eingebracht werden können – ein Alleinstellungsmerkmal der INDEGA, von dem sicherlich auch die anderen IVG-Mitglieder profitieren können. Und natürlich das Thema „Dienstleister“, bei dem es derzeit noch gegenteilige Positionen gibt.