Wirtschaft & Politik

Kassenbon-Pflicht: Betriebe brauchen Lösungen

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Nun war er da: der 1. Januar 2020 – und damit der Tag, ab dem für jeden Einzelhändler in der Bundesrepublik die Kassenbon-Pflicht gilt. Damit muss nun bei jedem Kaufvorgang ein Beleg in Papierform oder elektronisch zur Verfügung gestellt werden, ob der Kunde will oder nicht. Laut Kritikern war der 1. Januar deshalb nicht nur ein schwarzer Tag für die Umwelt.

Ein ganzer Haufen Kassenbons kommt Tag für Tag in vielen Geschäften zusammen – auch in der Grünen Branche. Foto: Katrin Klawitter

140.000 Kilometer Kassenbons zusätzlich

Allein Rewe beispielsweise rechnet dadurch mit einem zusätzlichen Papierverbrauch von 632 Tonnen oder 140.000 Kilometern Bons im Jahr. Auch für die Gesundheit all derer, die Kassenbons in den Händen halten, ist seit dem 1. Januar keine geringere Gefährdung in Sicht – zumindest, wenn es sich um Thermopapier handelt.

Zwar ist ab 2020 die Verwendung des gesundheitsschädlichen Bisphenol A, kurz BPA, in Thermopapier verboten. Allerdings haben auch Ersatzstoffe wie Bisphenol S oder Bisphenol C in Studien gezeigt, dass sie eine ähnliche Wirkung auf den Körper haben können.

Eine Lösung für Betriebe liegt also darin, BPA- und komplett phenolfreie Thermorollen zu verwenden, wie sie beispielsweise der Edeka-Verbund künftig einsetzt: blau-graues, FSC-zertifiziertes Thermopapier, das keine Chemikalien für die Farbentwicklung enthält. Die Farbreaktion erfolge rein physikalisch, heißt es. Zudem darf das Papier, anders als herkömmliches Thermopapier, ins Altpapier.

Bonpflicht: Politiker befürworten Ausnahmeregelungen

Ob es bei der Kassenbon-Pflicht selber künftig vielleicht noch Ausnahmen geben könnte, ist ebenfalls noch nicht sicher: Wirtschaftsminister Peter Altmaier hat sich kürzlich für größere Spielräume, für Ausnahmen bei der Bonpflicht, ausgesprochen. Auch die Bundeskanzlerin hat Verständnis für die Einwände der Kritiker der Bonpflicht geäußert und sich offen für Ausnahmeregelungen gezeigt, die das Gesetz im Übrigen auch hergibt. Das Bundesfinanzministerium will aber nicht an der Bonpflicht grundsätzlich rütteln. Der Handel habe drei Jahre Zeit gehabt, sich auf die Änderung vorzubereiten, lässt es verlauten.

eBon als Weg gegen die Papierflut?

Ein Weg gegen die Papierflut und die Mehrkosten-Belastung könnte der sein, den Rewe geht: Das Einzelhandelsunternehmen setzt bereits seit Dezember einen neuen „eBon“ ein. Kunden können sich, über Kundenkonto und eine Payback-Karte angemeldet, damit den Kassenbon als elektronische Datei an ihre E-Mail-Adresse senden lassen. Der automatische Ausdruck des Einkaufszettels entfällt dann.