Wirtschaft & Politik

Mehr Bioplastik – mehr Klimaschutz?

, erstellt von

Die steigende Nutzung von pflanzenbasierten Kunststoffen erhöht den Ausstoß von Treibhausgasen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Universität Bonn.

Die vermehrte Produktion von Bioplastik bringt eine Rodung von Waldflächen und Extensivierung bestimmter Ackerkulturen mit sich. Positive Effekte auf das Klima sind kaum abzusehen, besagt eine wissenschaftliche Studie. Foto: Fotolia/Wylezich

Computersimulation: mehr Treibhausgas, weniger Wälder durch Bioplastik

Die Analyse erscheint in den „Environmental Research Letters“, ist aber bereits online abrufbar. Sie basiert auf einer Computersimulation, durchgeführt durch Dr. Neus Escobar und ihre Kollegen Salwa Haddad, Prof. Dr. Jan Börner und der Privatdozent Dr. Wolfgang Britz. Der Simulation liegt eine Datenbank zugrunde, die die gesamte Weltwirtschaft abbildet.
„Die Erzeugung großer Mengen Bioplastik verändert die Landnutzung“, erklärt Escobar vom Institut für Lebensmittel- und Ressourcenökonomik der Universität Bonn. „Global gesehen könnten dadurch zum Beispiel vermehrt Waldflächen zu Ackerland umgewandelt werden. Wälder binden aber erheblich mehr Kohlendioxid als etwa Mais oder Zuckerrohr, schon allein aufgrund ihrer größeren Biomasse.“

Enorme Mengen Treibhausgase gelangen in die Atmosphäre

Und schon würde die Klimabilanz des Produktes schlechter ausfallen. „Wir haben für unser Modell die Annahme getroffen, dass der Bioplastik-Anteil bei den wichtigsten Produzenten – Europa, China, Brasilien und den USA – auf fünf Prozent steigt“, erklärt sie. „Dabei haben wir zwei verschiedene Szenarien durchgespielt: eine Steuer auf konventionelle Kunststoffe gegenüber einer Subvention für Bioplastik.“

Dramatisch zeigten sich die Simulationen einer Steuereinführung, was herkömmliches Plastik betrifft. Zwar würde der Treibhausgasausstoß durch die Herstellung von Plastik aufgrund der resultierenden zurückgefahrenen Produktion um 0,08 Prozent sinken. Aber die verbundene Rodung der Waldflächen um 0,17 Prozent des weltweiten Bestandes hätte zur Folge, dass enorme Mengen Treibhausgas in die Atmosphäre gelangen. Ein Effekt, der erst in 20 Jahren behoben wäre.

Lieber verantwortungsvoller Umgang mit Plastik als Bio-Kunststoffe

Zusätzlich bremsen die Wissenschaftler die Erwartungen an Bio-Kunststoffe, dass sie die Verschmutzung der Weltmeere verringern könnten. „Bio-PE und Bio-PET verrotten genauso schlecht wie ihre Pendants auf Erdöl-Basis“, sagt Escobar. Bioplastik schone lediglich fossile Energiereserven. Für sinnvoll hält Escobar einen materialsparenden Umgang mit Plastik und ein möglichst vollständiges Recycling.

Die komplette Studie können Sie hier einsehen.