Wirtschaft & Politik

Monsanto-Übernahme: EU stimmt zu

Die EU-Kommission hat Bayer grünes Licht für die Übernahme von Monsanto gegeben. Um die milliardenschwere Transaktion abschließen zu können, muss der Leverkusener Agrarchemiekonzern allerdings strenge Auflagen erfüllen.

Bayer könnte sich durch die Übernahme von Monsanto zum weltweit größten Pflanzenschutz- und Saatgut-Unternehmen aufschwingen. Foto: Bayer

EU-Kommission verlangt Zugeständnisse in Milliardenhöhe

Wie unter anderem die Tagesschau berichtet, musste Bayer gegenüber der EU-Kommission Zugeständnisse in Höhe von insgesamt sechs Milliarden Euro gewährleisten, um die Bedenken der Wettbewerbshüter vollständig ausräumen zu können. Dazu gehört unter anderem, dass der Konzern fast sein komplettes internationales Saatgut-Geschäft inklusive Forschung an BASF veräußert.

Gleichzeitig soll Bayer dem Mitbewerber sein Geschäft mit dem Pflanzenschutzmittel-Wirkstoff Glufosinat nebst drei wichtigen Forschungsprogrammen für Breitband-Herbizide überlassen. Damit sollen Überschneidungen zwischen Monsanto und Bayer in den Bereichen Saatgut, Pflanzenschutzmittel und digitale Landwirtschaft verhindert und ein wirksamer Produkt- und Innovationswettbewerb auch nach der Übernahme gewährleistet werden.

BASF will Gemüsesaatgut-Geschäft von Bayer kaufen

Wie TASPO Online bereits berichtete, soll BASF zudem Interesse daran haben, die Gemüsesaatgut-Sparte von Bayer zu übernehmen. Die beiden Konzerne sollen dazu bereits in Verhandlungen stehen. Und auch eine Lizenz, die dem Ludwigshafener Unternehmen Zugang zu Bayers bereits existierenden und noch zu entwickelnden Produkten für die digitale Landwirtschaft verschafft, steht im Raum – die Zustimmung der EU-Kommission vorausgesetzt.

Doch nicht nur von der Freigabe dieses umfangreichen Verkaufspakets an BASF hängt derzeit noch ab, ob Bayer Monsanto tatsächlich übernehmen darf. Auch die zuständigen US-Behörden haben bei dem geplanten Zusammenschluss noch ein entscheidendes Wörtchen mitzureden. Immerhin würde sich Bayer durch die Fusion zum weltweit größten Saatgut- und Pflanzenschutz-Konzern mausern.

Einer solchen Konzentration am Agrarmarkt steht unter anderem das Umweltinstitut München kritisch gegenüber und befürchtet durch die Transaktion negative Auswirkungen auf Landwirtschaft, Umwelt und Gesellschaft.

Umweltinstitut befürchtet negative Konsequenzen

„Diese Übernahme wird zu steigenden Preisen für Bäuerinnen und Bauern führen – und letztlich auch im Einzelhandel zu spüren sein. Die Vielfalt landwirtschaftlicher Nutzpflanzenarten und -sorten sinkt und die Abhängigkeit der Bäuerinnen und Bauern von wenigen Konzernen wird größer“, sagt Christine Vogt, Referentin für Landwirtschaft beim Umweltinstitut.

„Eine weitere Folge ist, dass mit der Marktmacht der Konzerne auch ihr Einfluss auf Politik und Öffentlichkeit wächst. Und das in einem Industriesektor, der schon jetzt für seine aggressive Lobbyarbeit bekannt ist“, so Vogt weiter.

NABU kritisiert EU-Entscheidung als falsches Signal

Auch der Naturschutzbund Deutschland (NABU), der dem Bayer-Vorstandsvorsitzenden Werner Baumann vor zwei Jahren für die von ihm eingefädelte  Monsanto-Übernahme den „Dinosaurier des Jahres 2016“ als Anti-Umweltpreis verliehen hatte, kritisierte die jetzt erfolgte Zustimmung der EU-Kommission als das „falsche Signal aus Brüssel für die dringend notwendige weltweite Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen“, wie NABU-Präsident Olaf Tschimpke erklärte.

„Mit dem grünen Licht für den Milliarden-Deal wird die industrielle Landwirtschaft mit ihren schädlichen Folgen für Mensch und Natur weltweit zementiert. Profiteure sind Agrarkonzerne, die die Preise diktieren und Milliarden mit dem Pestizid-Geschäft verdienen. Damit werden bestehende Strukturen befördert, die Artenvielfalt bleibt auf der Strecke“, so Tschimpke.

Die Entscheidung der EU-Kommission stehe im Gegensatz zu den Forderungen von Umweltschützern und Verbrauchern weltweit, „die sich eine umweltverträglichere, gift- und gentechnikfreie Landwirtschaft wünschen.“