Wirtschaft & Politik

Nachgefragt: Brexit für manche „ein Alptraum“

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Der Austritt Großbritanniens aus der EU und seine möglichen Folgen für den internationalen Gartenbau beschäftigen die grüne Branche nach wie vor. Inzwischen haben sich verschiedene Institutionen und Verbände der grünen Branche zu diesem Thema geäußert. Manche Blumenexporteure bezeichnen den Brexit sogar als „Alptraum“.

Der Austritt Großbritanniens aus der EU dürfte auch für den internationalen Gartenbau Folgen haben. Foto: lazyllama/Fotolia

So fürchtet etwa Kenia um seinen eigenen EU-Marktzugang und damit verbundene Verluste. „Wir sind besorgt, weil sich die Politik ändern wird und dies zu neuen bilateralen Verhandlungen um Marktzugriffe führen kann“, sagt Jane Ngige, CEO der Kenia Blumen Association. Für Blumenexporteure ist der Brexit laut Ngige „ein Alptraum“.

Florensis: Brexit hat direkte Auswirkungen aufs Geschäft

Negative Auswirkungen fürchtet auch Florensis. „Für Florensis ist der Markt in Großbritannien seit vielen Jahren sehr wichtig. Unser Ziel ist es unsere intensiven Kundenbeziehungen auch in Zukunft aufrecht zu erhalten – Brexit hin oder her“, so Hagen Kalläne, Verkaufsleiter und Prokurist bei Florensis Deutschland. Das Pfund sei seit dem Referendum massiv unter Druck geraten, was direkte Auswirkungen aufs Geschäft von Florensis habe.

Dass der Wertverfall des britischen Pfunds und der Aktienkurse nicht ohne Folgen für den deutschen Agrarhandel bleiben wird, glaubt auch Dr. Michael Welling, zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Johann Heinrich von Thünen-Institut. Mit rund 4,5 Milliarden Euro und rund sieben Prozent der gesamten Agrar- und Nahrungsmittelausfuhren war das Vereinigte Königreich 2015 ein wichtiger Handelspartner für die deutsche Agrar- und Ernährungswirtschaft.

Brexit: schwächeres Pfund dürfte Importe ins Vereinigte Königreich erschweren

„Bei der Produktion eher im Mittelfeld, aber bei den Importen ein Schwergewicht“, so kann man die Bedeutung Großbritanniens im Obst- und Gemüsesektor der EU nach Aussagen der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft AMI beschreiben, die sich auf Einschätzungen von Dr. Hans-Christoph Behr, Marktanalyst Gartenbau und Verbraucherforschung, beruft.

Ob der Austritt Großbritanniens aus der EU große Folgen hat, hängt vom Ausmaß der wirtschaftlichen Verflechtungen und von der Ausgestaltung der künftigen Außenhandelsregelungen im jeweiligen Marktsegment ab. Diese sind laut AMI im Moment nicht abzusehen. Das schwächere Pfund dürfte jedoch schon bald die Importe in das Vereinigte Königreich erschweren.

Weitere Einschätzungen zu den Folgen des Brexit für den internationalen Gartenbau lesen Sie in der TASPO 28/2016, die am 15. Juli erscheint.