Wirtschaft & Politik

Neues Landesforstgesetz in NRW: Christbaum-Anbau deutlich erschwert

In Nordrhein-Westfalen wurde kürzlich ein neues Landesforstgesetz verabschiedet, das stark in die Eigentumsrechte der Anbauer eingreift. Dr. Jürgen Winkelmann nimmt als Geschäftsführer der Fachgruppe Weihnachtsbaum- und Schnittgrünerzeuger Westfalen-Lippe dazu Stellung.

„Die aktuelle Anbaufläche zur Weihnachtsbaumproduktion ist nach unserer Kenntnis rund 13.000 Hektar groß (nicht wie von der Politik gerne auf 18.000 Hektar heraufgesetzt). Im Wald sind derzeit etwas mehr als 4.000 Hektar Weihnachtsbaumfläche, wovon vor Kyrill schon 2.000 Hektar vorhanden waren.

Etwa. 9.000 Hektar Weihnachtsbaumkulturen sind im Sauerland also auf landwirtschaftlicher Nutzfläche und bedurften aufgrund des Landschaftsgesetzes NRW dort einer Genehmigung. Dies ist in anderen Bundesländern meines Wissens nach nicht der Fall. Insofern ist mit Inkrafttreten des Änderungsgesetzes für die nordrhein-westfälischen Anbauer nun ein echter Wettbewerbsnachteil in Sicht.

Nunmehr bedarf es inner- und außerhalb des Waldes in NRW für Weihnachtsbaumkulturen einer Genehmigung. Damit verbunden sind bürokratischer Aufwand und Kosten für mögliche Ausgleichsmaßnahmen.

Es ist paradox: Für eine Kultur wird eine Ausgleichskultur gefordert. Es bedarf also einer größeren Fläche als bisher, um Weihnachtsbäume anbauen zu können und das bei der Flächenknappheit und steigenden Pachtpreisen, die jetzt schon festzustellen sind.

Dass offenbar Minister Remmel die Änderung des Landesforstgesetzes jetzt unbedingt durchziehen wollte und damit den Weg des Konsenses verlassen hat, ist für die Weihnachtsbaum-Anbauer aus dem Sauerland nicht nachvollziehbar. Es können nur politische Gründe dahinter vermutet werden. Die Anbauer sehen es als Eingriff in ihre Eigentumsrechte, weil ihnen die Bewirtschaftung ihres Grund und Bodens gesetzlich vorgegeben wird.

Alle Bemühungen, durch eine konsensuale Lösung dies zu vermeiden und damit auf freiwilliger Basis auch außerhalb des Waldes schon kurzfristig zu Änderungen der Bewirtschaftungsweise zu kommen, sind nach der Verabschiedung des Gesetzes hinfällig. Man wird sehen müssen, ob die von den Regierungsparteien angestrebten Gespräche zu einer Verabredung über den Inhalt von Einzelverträgen zwischen den Anbauern und der Forstverwaltung zustande kommen werden. Derzeit ist jedenfalls schon allein wegen der Hochsaison im Weihnachtsbaum-Verkauf Funkstille.

Die Anbauer im Sauerland sind an guten Beziehungen zur Bevölkerung sehr interessiert. Ökologische Produktionsverfahren, die das Geschäft nicht wirtschaftlich unsinnig werden lassen, werden auch in der Weihnachtsbaum-Produktion Einzug halten.

Die Marktentwicklung für den Weihnachtsbaum-Anbau generell lässt sich nicht sicher prognostizieren. Alternativen zur Einkommenssicherung sind für die Anbauer im Sauerland derzeit nicht ersichtlich. Kyrill hat vielen Betrieben zunächst die Grundlage entzogen. Daher haben viele von Kyrill Geschädigte im Weihnachtsbaum-Anbau erst einmal eine Perspektive gegenüber den viel längeren Produktionszyklen im klassischen Forst gesehen, was im Übrigen von der Forstverwaltung den Betrieben nach dem Sturm durchaus angeraten wurde.

Es droht spätestens nach 2028 eine Verkleinerung der Kulturfläche für Weihnachtsbäume im Sauerland. Das führt nicht zwangsläufig zu einer Verknappung der Bäume in Deutschland und Europa. Die ökologisch kurzen Wege aus dem Sauerland in das Hauptabnahmegebiet Ruhrgebiet werden teilweise verloren gehen. Die Bäume werden von anderswo importiert werden müssen. Dies wird sich auf den Preis auswirken. Die Gewinner werden die Anbauer aus anderen Regionen sein, die keine teureren Produktionsauflagen und Kosten für Ausgleichsmaßnahmen haben.“ (jen)