Wirtschaft & Politik

Niederländischer Notfallfonds: Wie viel Geld erhält ein Betrieb?

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Viel Kritik ist auf deutscher Seite in den vergangenen Wochen wegen der ungleichen Bedingungen im europäischen Gartenbau zu hören gewesen. Gemeint waren hier nicht die vielen Beschränkungen und Schließungen in Österreich, Italien, Spanien und Frankreich, sondern der 600-Millionen-Euro-Notfallfonds der niederländischen Regierung für den Gartenbau. Wie viel Geld ein Betrieb erhält, hängt vom Umsatzschaden ab.

Die Zulagen aus dem Notfallfonds der niederländischen Regierung gelten unter anderem für Gartenbau-Betriebe, die Schnittblumen und Zierpflanzen im Freiland oder unter Glas anbauen. Symbolfoto: Christian ter Maat/Unsplash

Mindestens 30 Prozent Umsatzverlust aufgrund von Corona-Maßnahmen als Voraussetzung

Der Rijksdienst voor Ondernemend Nederland (RVO.nl), die Niederländische Unternehmensagentur, gehört zum Wirtschaftsministerium und unterstützt Unternehmer bei nachhaltigen, landwirtschaftlichen, innovativen und internationalen Geschäften und hilft ihnen bei der Suche nach Beihilfen und Geschäftspartnern. Zu den Zuschüssen für den Zierpflanzenbau und Teile des Obst- und Gemüsebaus schreibt sie: „Voraussetzung ist, dass der Betrieb im Zeitraum vom 12. März bis 11. Juni 2020 aufgrund der Corona-Maßnahmen einen Umsatz- oder Bruttogewinnverlust von mehr als 30 Prozent hatte. Dann kann er einen einmaligen Zuschuss mit der ‚Verordnung über die Zulage für landwirtschaftliche und gartenbauliche Unternehmer Covid-19‘ erhalten.“

Bedürftig ist demnach ein Betrieb, der in der Zeit vom 12. März bis 11. Juni

  • in jedem Fall 30 Prozent weniger Umsatz oder Bruttogewinn hatte,
  • eine kontinuierliche Produktion, aber wenig Umsatz hatte,
  • Produkte mit geringer oder keiner Haltbarkeit, mit geringen oder keinen anderen Verwendungsmöglichkeiten hatte,
  • mit einem saisonalen Höhepunkt in Produktion, Personal und Umsatz fertig zu werden hatte.

So hoch sind die staatlichen Zuschüsse für betroffene Betriebe

Wie viel Geld ein Betrieb aus dem Notfallfonds erhält, hängt vom Umsatzschaden ab. Dies betrifft den Umsatz für den Zeitraum vom 12. März bis 11. Juni in den Jahren 2017 bis 2020. Grundlage ist der Zeitraum vom 12. März bis 11. Juni im Durchschnitt der drei Vorjahre. Zu bestimmen sind dieser Umsatz und die Differenz zu 2020. Der Umsatzschaden muss mindestens 30 Prozent betragen. Bis zu 70 Prozent der restlichen 70 Prozent werden vom Staat erstattet – somit eine Zahlung von 49 Prozent des Umsatzverlustes. Ein Großhandelsbetrieb rechnet nicht mit dem Umsatz, sondern mit der Bruttogewinnspanne.

Ist der durchschnittliche Umsatz in den Jahren 2017, 2018 und 2019 in der Zeit von 12. März bis 11. Juni:

  • kleiner als 200.000 Euro gewesen, beträgt der Zuschuss maximal 100.000 Euro
  • zwischen 200.000 und 500.000 Euro, dann beträgt der Zuschuss maximal 250.000 Euro
  • zwischen 500.000 und drei Millionen Euro, dann beträgt der Zuschuss maximal 500.000 Euro
  • drei Millionen Euro und mehr, dann beträgt der Zuschuss maximal eine Million Euro

Beispiel: war der Durchschnittsumsatz von 2017 bis 2019 rund 200.000 Euro und liegt er 2020 nur bei 100.000 Euro, ergibt sich ein Minus von 100.000 Euro. 30 Prozent davon sind unternehmerisches Risiko, und für die restlichen 70.000 Euro gibt es Zuschüsse in Höhe von 70 Prozent. Das macht dann maximal 49.000 Euro.

Prozentsatz verringert sich, wenn Anfragen 600 Millionen Euro übersteigen

Insgesamt stehen 600 Millionen Euro zur Verfügung. Gibt es mehr Anfragen, erhalten alle Bewerber einen festen Prozentsatz weniger. Haben sie zuvor Zuwendungen erhalten, werden diese von dem Betrag abgezogen. Die Zulagen gelten für Züchter, Vermehrungsbetriebe und Gärtner, die im Anbau von Blumenzwiebeln, Schnittblumen, Zierpflanzen, Beetpflanzen und Gehölzen im Freiland sowie unter Glas arbeiten sowie für Versteigerungen und Großhändler der genannten Kulturen, für Spediteure, die Pflanzen von den Gärtnern zu Versteigerungen und Großhändlern transportieren. Weiterhin gelten die Zuschüsse für Betriebe des Lebensmittel-Gartenbaus und für Großhändler, die beispielsweise an Restaurants, Catering-Betriebe oder Kantinen liefern.

Voraussetzung ist, dass ein Betrieb am 12. März 2020 im Handelsregister der Handelskammer eingetragen war, der Standort in den Niederlanden war und er sich nicht in einem Konkursverfahren befand. Außerdem darf er keinen gerichtlichen Antrag auf Zahlungsaufschub gestellt haben. Den Zuschuss konnten niederländische Betriebe bis zum 4. Juni beantragen.

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