Wirtschaft & Politik

Pflanzen im Großhandelswert von 1,4 Millionen Euro vernichtet

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Das millionenschwere niederländische Hilfsprogramm rief in den vergangenen Wochen immer wieder Besorgnis hervor unter den deutschen Gartenbauunternehmen. In der Baumschule Saterplant berichtete Geschäftsführer Jan Schlangen der Politikerin Silvia Breher (MdB) und Vertretern des Zentralverbands Gartenbau, des Bundes deutscher Baumschulen, sowie und weiteren Fachvertretern über die Corona-Auswirkungen auf sein Geschäft.

Corona trifft Baumschule für topfgewachsene Heckenpflanzen besonders

Bei dem Termin in Europas größter Baumschule für topfgewachsene Heckenpflanzen berichtete Schlangen den anwesenden Verbandsmitgliedern, sowie der Politikerin Silvia Beher über die Folgen der Corona-Einschränkungen auf seinen Betrieb und die damit einhergehenden Umsatzausfälle. „Der Beginn der Corona-Krise Mitte März traf uns am absoluten Höhepunkt der Hauptsaison für Heckenpflanzen und brachte das Geschäft fast vollständig zum Erliegen“ so Schlangen. Zu dem Zeitpunkt wurden Grenzen geschlossen und Käufer aus ganz Europa zogen Aufträge zurück. Die Nachfrage hielt sich auch nach Wiedereröffnung der Gartencenter, Baumärkte und Geschäfte weiterhin zurück. Laut Saterplant hatten Einkäufer Angst vor erneuten Geschäftsschließungen und damit unverkäuflicher Ware. „Nach den zeitversetzten ungleichmäßigen Öffnungen der Verkaufsflächen nach Ostern wurde unsere Ware traditionell durch Beet und Balkon verdrängt. Dort wurden dann sehr gute Absätze erzielt – in unserem Marktsegment sieht die Situation jedoch gänzlich anders aus“, erklärt der Betriebsinhaber weiter.

Nicht verkaufte Ware wird zu Kompost

Die gesunkenen Absatzzahlen hätten bei Saterland fatale Folgen, wie Schlangen weiter berichtet. „Die Krux dabei: nicht abverkaufte Ware wird bei uns umgehend zu Kompost. jede verfügbare Fläche auf unseren gut 50 ha wird direkt für das Anlegen von Folgekulturen für die kommenden Jahre benötigt.“ Und so wurde in den letzten Monaten aus Pflanzen im Großhandelswert von 1,4 Millionen Euro ein Kompostberg von gut 40 Metern Länge. Schlangen hatte den seit 1975 bestehenden und von seinem Vater gegründeten Betrieb erst im Januar 2020 übernommen und komplett umfinanziert. Eine dreijährige Investitionsperiode für geschäftliches Wachstum sollte sich ab 2020 auszahlen. Mit Der Corona-Pandemie konnte niemand rechnen und sie treffe Saterplant jetzt mit voller Härte.

Niederländischer Hilfsfonds sorgt für Aufregung

Zwar gebe es staatliche Hilfsprogramme, die allerdings für den Unternehmer nicht zielführend seien und für seinen Betrieb nur wenig geeignet. Des Weiteren sorgt der niederländische 600-Millionen Euro Hilfsfonds für Besorgnis (TASPO Online berichtete). „Die diversen aufgelegten Hilfsprogramme verfehlen uns. Das deutsche Programm für Überbrückungshilfen vom 3. Juni 2020 greift erst ab einem Umsatzausfall von mehr als 50 Prozent, woran wir Gott sei Dank vorbeigeschrammt sind. Stünde mein Betrieb jedoch ein paar Kilometer weiter westlich – in den Niederlanden – wären immerhin 223.000 Euro als Hilfe in Sicht. Hier blicke ich auf eine für mich nicht nachvollziehbare Wettbewerbsverzerrung für deutsche Baumschulen. Weiter ärgerlich ist, dass beide Programme bei der Förderwürdigkeit nur auf eines blicken: den Vergleich des Umsatzes eines Zeitraums in 2020 zu den Vorjahren. Wenn nun ein Betrieb massiv investiert und sich vergrößert, liegt dem logischerweise eine deutlich höhere Umsatzplanung als im Vorjahr zugrunde und der wahre Schaden bleibt bei dieser Art der Berechnung komplett unberücksichtigt.“

1,14 Millionen Euro Umsatzverlust

So ergab sich für Saterplant laut Schlangen allein für die Zeit von Mitte März bis heute ein Umsatzausfall von 1,14 Millionen Euro, welcher über Kredite in fast gleicher Höhe abgefedert werden musste. „Die Optionen, einen Betrieb mit rund achtzig Mitarbeitern mit solchen finanziellen Sonderbelastungen durch weitere Investitionen in Technologien und Maschinen wettbewerbsfähig und hochinnovativ halten zu können, werden damit deutlich kleiner. Es muss daher bei den Förderprogrammen nachgebessert werden!“ forderte Schlangen beim Ortstermin abschließend.

Nachbesserungen der Hilfsprogramme benötigt

Unterstützung erhielt er von Andreas Kröger vom Zentralverband Gartenbau. Seitens der Politik bedürfe es für solche Fälle Einzelfallbetrachtungen und flexible Hilfslösungen – per Federstrich branchenweit Pauschalprogramme aufzusetzen und sich damit zu begnügen, reiche laut Kröger nicht aus. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Silvia Breher dankte abschließend allen Beteiligten für den informativen Austausch: „Ich werde die Besonderheiten der Gartenbaubranche im Blick behalten und dazu gerne die heute gewonnenen Informationen und Eindrücke für meine Arbeit mit nach Berlin nehmen.“

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