Wirtschaft & Politik

Poinsettien-Geschäft: Nur was für die Großen?

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Die Verkaufssaison für Poinsettien, eine der wichtigsten Kulturen im Gartenbau und Topseller des 4. Quartals, läuft an. Millionenfach finden Weihnachtssterne wieder ihre Verwendung als stimmungsvolle Blickfänge in Wohnungen, Büros sowie zu Advents- und Weihnachtsfeiern. Doch wie steht es überhaupt um den Poinsettien-Markt – von der Produktion bis zum Verkauf?

Poinsettien gibt es außer in klassischem Rot auch in weiteren Farbnuancen. Foto: Pixabay

Deutsche geben rund 110 Millionen Euro für Poinsettien aus

Vor allem deutsche Konsumenten lieben ihren Weihnachtsstern. Laut AMI-Statistik belegt er mit etwa zehn bis elf Prozent Marktanteil stabil den zweiten Platz im Segment der blühenden Zimmerpflanzen hinter Topforchideen (über 30 Prozent). Ausgabenvolumen zu Einzelhandelspreisen: rund 110 Millionen Euro pro Jahr.

Ein insgesamt zufriedenstellendes bis gutes Ergebnis, was auch für 2017 prognostiziert werden darf, auch wenn insbesondere der Fachhandel mehr und mehr gegenüber den Big Playern im organisierten Handel an Boden verliert. Wie bei vielen anderen Massenprodukten konzentriert sich der Poinsettien-Absatz kontinuierlich in Richtung LEH, Discounter und Baumarktketten.

Über 80 Prozent der Weihnachtssterne aus deutscher Produktion

Parallel zum Vertrieb läuft der Konzentrationsprozess auch auf der Produktionsseite. Laut AMI-Statistik stammen 80 bis 85 Prozent der Weihnachtssterne aus deutscher Produktion. Dies hängt nicht zuletzt mit der doch hohen Transportempfindlichkeit der Poinsettien zusammen.

Während noch in den ersten Jahren des neuen Millenniums viele Einzelhandelsgärtnereien Gewächshausflächen in der zweiten Jahreshälfte mit Poinsettien-Kultur nutzten und Fertigware aus eigener Gärtnerei verkaufen konnten, ist diese Form des Anbaus heutzutage nicht mehr lohnend.

Der Löwenanteil der Poinsettien findet in gut durchrationalisierten Großgärtnereien mit mehreren 10.000 Quadratmetern Glasfläche statt. Nur unter diesen Gegebenheiten sind die Kosten- und Preisstrukturen, wie sie sich heute im großen Stil darstellen, überhaupt möglich. Und dieser Prozess dürfte sich fortsetzen, da laut AMI die Anbauflächen für Poinsettien immer noch zunehmen.

Fachhandel muss Wertigkeit der Poinsettie hervorheben

Die Entwicklung am Poinsettien-Markt zwingt den Fachhandel – mit Fachgartencentern, Einzelhandelsgärtnereien und Blumengeschäften – die Wertigkeit des Sterns auf verschiedene Weise hervorzuheben. Das beginnt bei der kompromisslosen Einhaltung von Qualitätsstandards. Hier kommt der regionalen Ware eine Schlüsselrolle zu.

Ein Weg, Weihnachtssterne raus aus der Masse zu führen, erschließt sich mit den Themen Produktveredlung respektive Produktdifferenzierung und -individualisierung. Aber hier werden Grenzen schnell deutlich, dass der mexikanische Blütenstar hauptsächlich für den Eigenbedarf gekauft wird und weniger zum Verschenken, was den Abverkauf von aufgepeppten Pflanzen steigern würde.

Wer dies befördern möchte, muss auf eine gehobene, ideenreiche Poinsettien-Präsentation am POS Wert legen. Diesbezüglich liefert Stars for Europe (SfE) eine ganze Reihe moderner, aktueller Verkaufshilfen mit dem Ziel, auch eine jüngere Käuferzielgruppe, etwa die zwischen 35 und 40 Jahren, verstärkt anzusprechen. Auch durch ihre vielfältige, generische Medienarbeit unterstützt SfE den Abverkauf der Weihnachtssterne.

Bio- und faire Poinsettien vorrangig im Systemhandel

Ein weiteres Mittel, den Preisschlachten zu begegnen, sind Bestrebungen, das nachhaltige Handeln in Produktion und Vermarktung als Mehrwert ins Spiel zu bringen. Dies betrifft die Sektoren Bio, Regionalität und neuerdings Fairtrade. Allerdings werden insbesondere Bio- und faire Poinsettien vorrangig vom Systemhandel angeboten – augenscheinlich bislang mit mäßigem Erfolg, wie in der Praxis zu beobachten ist. Denn Konsumenten akzeptieren nur schwer die dafür eingeforderten höheren Verkaufspreise.

Bleibt für den Fachhändler, der weiter am Poinsettien-Markt partizipieren möchte, nur der individuelle Ideenreichtum, sich mit exklusiver Ware von Minis bis XXL, einschließlich schöner Sonderformen wie Stämmchen, Büsche und einigen Ampeln, positiv vom Massenmarkt abzuheben. Auch der Poinsettia-Day am 12. Dezember ließe sich als Kaufanlass sicher noch aktivieren.