Wirtschaft & Politik

Recht: Erntehelfer unbedingt versichern

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In der Erntezeit kommen in vielen Betrieben jedes Jahr kurzfristige Erntehelfer zum Einsatz. Hierbei wird oft verdrängt, dass der Arbeitgeber im Falle eines Unfalles oder einer Krankheit eines solchen Helfers das gesamte finanzielle Risiko trägt.

Saisonarbeitnehmer unterliegen grundsätzlich der Versicherungspflicht in der deutschen Sozialversicherung (Kranken-, Pflege-, Renten-, Unfall- und Arbeitslosenversicherung).

Ausländische Erntehelfer können unter bestimmten Voraussetzungen sozialversicherungsfrei arbeiten

Allerdings können ausländische Erntehelfer in Deutschland sozialversicherungsfrei (mit Ausnahme der Unfallversicherung) arbeiten, wenn sie nicht mehr als 50 Tage beziehungsweise ab 1. Januar 2015 mehr als 70 Tage innerhalb eines Kalenderjahres beschäftigt sind.

Um sich gegen Unwägbarkeiten abzusichern, bieten diverse Vermittler sogenannte „Erntehelfer-Versicherungen“ an. Für rund 40 Cent pro Tag bekommt man damit eine tageweise Krankenversicherung sowie eine Zusatzversicherung Unfall und Haftpflicht.

Abgesichert sind damit unter anderem ambulante und stationäre Heilbehandlung und die Erstattung der medizinisch notwendigen kurativen Heilbehandlungskosten infolge von akuten Krankheiten und Freizeit-Unfällen. Arbeitsunfälle sind dagegen mit der Berufsgenossenschaft abzuwickeln.

Absicherung von Erntehelfern und Saisonarbeitern

Die Eberhard, Raith & Partner Finanzdienstleistungen GmbH ist auf den Bereich der Personenversicherung, vor allem private und gesetzliche Krankenversicherung, spezialisiert. Besonders die Absicherung von Erntehelfern und Saisonarbeitnehmern ist das Spezialgebiet. Denn im Falle einer plötzlich auftretenden Krankheit, eines stationären Aufenthaltes oder gar bei Tod eines Erntehelfers sollten diese ausreichend versichert sein.

„Leider ist das nur oft nicht der Fall“, weiß Josef Gangkofner. „Wir müssen immer wieder feststellen, dass sich die meisten mit dem Thema Versicherungen noch nicht auseinandergesetzt haben und auch nicht wollen – zumindest, bis ein Schaden passiert. Gerade bei den Gärtnern und Landwirten ist dieses Thema ein rotes Tuch. Wer will denn schon für eine Versicherung Geld ausgeben, die dann meistens sowieso nicht zahlt..., so die landläufige Meinung.“

Die TASPO fragte deshalb einmal näher nach bei Josef Gangkofner:

Warum brauche ich als Unternehmen noch eine Erntehelferversicherung?

Weil nicht alle Erntehelfer versicherungspflichtig sind, beziehungsweise keine Versicherung vom Heimatland bei sich haben. Und weil bei der Zusammenarbeit mit Ärzten möglichst wenig Bürokratie erforderlich sein sollte.

Was sichert diese Versicherung ab, was nicht?

Sie sichert ambulante und stationäre Heilbehandlung, notfallmäßige Zahnbehandlung, Rezeptkosten, Krankentransporte und Rücktransport ins Heimatland bei Todesfall ab. Kein Versicherungsschutz besteht bei Arbeitsunfällen, bei Krankheiten, die vor der Einreise schon bestanden haben und bei Selbstmord.

Für welche Betriebe eignet und lohnt sich eine solche Versicherung?

Für alle Betriebe ab einem Erntehelfer.

Was muss ich bei Abschluss und im Versicherungsfall besonders beachten?

Wichtig ist die rechtzeitige Anmeldung der Personen. Und bei stationärem Aufenthalt sollte man eine zügige Rückmeldung geben.

Was kostet eine solche Versicherung?

Die Tagesprämie der Krankenversicherung beginnt ab 0,41 Euro. Bei zehn Personen mit einer Aufenthaltsdauer von jeweils 60 Tagen beträgt die Prämie 246 Euro. Zum Leistungsspektrum ein Beispiel: Hat ein Erntehelfer einen Herzinfarkt während der Arbeit, ist das kein Arbeitsunfall. Dann kommen schnell Kosten von rund 200 Euro für den Notarzt, 800 Euro für den Rettungswagen und drei bis fünf Tage Krankenhausaufenthalt mit etwa 2.500 Euro zusammen.

Welche Betriebe im Gartenbau nutzen eine solche Versicherung?

Alle (Sonderkultur-)Betriebe, die Erntehelfer beschäftigen, nutzen diese Versicherung.

Warum tun viele das noch nicht?

Weil sie das unkalkulierbare Risiko selber tragen möchten. Eine typische Aussage von Arbeitgebern: Sie kommen ja hierher zum Arbeiten – und werden nicht krank!