Wirtschaft & Politik

Saisonarbeit: IG Bau erhebt Vorwürfe

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Durch mehrere Corona-Ausbrüche in landwirtschaftlichen Betrieben im vergangenen Jahr hat die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) ihre Forderung nach besserem Schutz für Saisonarbeitskräfte nochmals verdeutlicht und weist auf Missstände hin.  

Die Industriegewerkschaft IG Bau erhebt schwere Vorwürfe gegen Missstände bei der Beschäftigung von Saisonarbeitern. Foto: Gerhard Gellinger/ Pixabay

Corona-Regeln stellten Betriebe vor Herausforderungen

Durch die Ausbreitung des Corona-Virus‘ wurden im Frühjahr einschneidende Maßnahmen durch die Bundesregierung beschlossen. Nachdem die Grenzen zunächst geschlossen worden waren, wurde die begrenzte Einreise von Arbeitskräften aus Osteuropa unter bestimmten Auflagen genehmigt. Die Einreise wurde zunächst nur per Flugzeug, später auch über den Landweg genehmigt, auch die Unterbringung der Arbeitskräfte wurde strikt geregelt. Strenge Hygienevorschriften stellten die Unternehmen vor zusätzliche Herausforderungen. Trotz sämtlicher Vorgaben kam es in einigen Betrieben dennoch zu Ausbrüchen von Corona-Infektionen. Auch die Verbände wie Zentralverband Gartenbau (ZVG) und der Deutsche Bauernverband (DBV) appellierten an die produzierenden Betriebe, sich strikt an die Vorgaben zu halten.

IG Bau kritisiert Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft

Laut IG Bau gebe es allerdings bei der Beschäftigung von Saisonarbeitskräften in der Landwirtschaft, der Forstbranche und dem Gartenbau erhebliche Missstände. In die Kritik gerieten vor allem Betriebe aus der Fleischwirtschaft, da hier teils unkontrollierte Ausbrüche Schlagzeilen machten. „Auch ein großer Teil der rund 350.000 Saisonbeschäftigten in der Landwirtschaft arbeitet zu prekären Bedingungen“, sagt der stellvertretende IG BAU-Bundesvorsitzende Harald Schaum. Besonders osteuropäische Beschäftigte der Spargel-, Erdbeer- oder Gurkenernte hätten laut IG Bau unter „unhaltbaren Zuständen“ arbeiten müssen. „Die Betroffenen müssen die Kosten für Anreise, Verpflegung und Unterkunft oft selbst bezahlen – bis hin zum Jobvermittler im Heimatland. In Deutschland erwartet sie meist nicht das versprochene große Geld, sondern 13-Stunden-Tage, karge Bezahlung und ein Zimmer, das sie mit mehreren Kollegen teilen müssen“, erhebt Schaum schwere Vorwürfe. Auch der Zugang zur Krankenversicherung bliebe den Saisonarbeitskräften laut IG Bau oftmals verwehrt.

Gewerkschaft stellt Forderung an Politik

Aufgrund der vorliegenden Informationen fordert die Gewerkschaft die Politik auf, für besseren Schutz ausländischer Hilfsarbeiter zu sorgen. „Hierbei muss es insbesondere um Standards bei den Unterkünften und einen vollen Krankversicherungsschutz gehen“, führt Schaum weiter aus. Demnach fordere man die Ausweitung des für die Fleischbranche seit 1. Januar geltenden Arbeitsschutzkontrollgesetz auf weitere Branchen auszuweiten. „Arbeitsschutz darf kein Privileg sein. Alle Menschen, die in Deutschland arbeiten, haben ein Recht auf menschenwürdige Schlafgelegenheiten und auf Schutz bei Krankheit oder Unfall“, heißt es von der IG Bau abschließend.

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