Wirtschaft & Politik

Sturmschäden: „Bahn muss sich auf Klimawandel einstellen“

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„Mortimer“, das erste Sturmtief des gerade erst begonnenen Herbstes, fegte vor allem in der Nacht und am Morgen über Deutschland hinweg und sorgte vielerorts für teils massive Schäden. So legten etwa umgestürzte Bäume vielerorts den Bahnverkehr lahm. Vor diesem Hintergrund rät der Bund deutscher Baumschulen (BdB) zu einer standortgerechten Gehölzverwendung an Bahnstrecken.

Baumriesen haben entlang von Bahnstrecken nichts verloren, erklärt der BdB. Stattdessen sei eine gestaffelte Gehölzverwendung empfehlenswert. Foto: Pixabay

Bahnstrecken gesperrt, weil Bäume in Oberleitungen krachen

Insbesondere der Fernverkehr in Norddeutschland war heute Morgen von den durch „Mortimer“ verursachten Sturmschäden betroffen, wie unter anderem Spiegel Online berichtet. So kam etwa der Bahnverkehr zwischen Bremen und Hannover zum Stillstand, weil bei Nienburg ein Baum in die Oberleitung gestürzt war. Zudem fuhr ein ICE, der nicht mehr rechtzeitig bremsen konnte, in die Unfallstelle, wobei zum Glück niemand verletzt wurde.

Leichte Verletzungen zog sich dagegen ein Lokführer zu, der heute Morgen mit seinem ICE bei Wolfsburg gegen einen auf die Gleise gestürzten Baum gefahren war. Wie der Focus in seiner Online-Ausgabe berichtet, wurde bei dem Unfall darüber hinaus die Oberleitung auf mehreren hundert Metern Länge beschädigt. Zudem knickten mehrere Masten um, weshalb die Aufräumarbeiten längere Zeit in Anspruch nahmen.

BdB: „Keine Baumriesen direkt neben Bahnstrecken

Sturmschäden wie diese ließen sich verhindern oder zumindest drastisch verringern, wenn bei der Gehölzpflanzung an Bahnstrecken auf eine standortgerechte Verwendung geachtet werden würde, gibt der Bund deutscher Baumschulen in Anbetracht der aktuellen Schäden durch Sturmtief „Mortimer“ zu bedenken.

„Auch die Bahn muss sich auf den Klimawandel einstellen. Dazu gehört, dass direkt neben Bahnstrecken keine Baumriesen Verwendung finden können“, erklärt BdB-Hauptgeschäftsführer Markus Guhl. „Das Gehölzsortiment der deutschen Baumschulen ist so ausgerichtet, dass entlang von Bahnstrecken eine gestaffelte Gehölzverwendung problemlos möglich ist. Unmittelbar an der Trasse können Sträucher, in etwas weiterem Abstand kleinere Bäume und im ausreichend großen Abstand große Bäume zur Verwendung kommen.“

Umbau des Bahnsaumes lässt sich laut BdB ökologisch verträglich gestalten

Eine entsprechende Liste habe der BdB bereits vor einigen Jahren mit der Deutschen Bahn intern besprochen – in der praktischen Umsetzung sei man seitens der Bahn jedoch bislang offenbar nicht recht vorangekommen, so Guhl. Auch Überlegungen, Baumbestände, die die Strecken gefährden, aus Naturschutzgründen stehen zu lassen, seien nicht hilfreich.

„Der Umbau des Bahnsaumes kann ökologisch verträglich gestaltet werden. Auch da, wo die Bahnstrecken durch Wälder verlaufen, kann der vom Bundeslandwirtschaftsministerium angestrebte Waldumbau bahnverträglich gestaltet werden“, so Guhl.