Wirtschaft & Politik

UK: Ein Drittel der Gartenbauunternehmen vor Insolvenz

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Laut einer Branchenstudie der Horticultural Trades Association (HTA) stehe rund ein Drittel der britischen Gartenbauunternehmen vor Ende des Jahres vor der Insolvenz. Laut dieser Studie sei das Hilfspaket der britischen Regierung für die Gartenbauindustrie zwecklos. Die Forderung nach weitreichenden Hilfen für den Gartenbau wird im Vereinten Königreich immer lauter.

Im Vereinten Königreich werden dieForderungen nach finanzieller Unterstützung der Gartenbauindustrie immer lauter. Foto: Adam Derewecki / Pixabay

Hilfspakete der Britischen Regierung funktionieren nicht

Die Situation im Vereinten Königreich spitze sich laut HTA immer weiter zu, denn etwa jedes dritte Unternehmen gibt an, dass es selbst mit Zugang zu den Hilfspaketen der britischen Regierung in diesem Jahr wahrscheinlich zahlungsunfähig sein wird. Mehr als jeder zehnte britische Züchter (13%) gibt sogar an, bereits bis Ende Juni aus dem Geschäft zu sein. Das Hilfspaket der britischen Regierung funktioniere somit laut dieser neuen Studie nicht. Als Reaktion auf die Ergebnisse fordern prominente Gärtner wie Alan Tichmarsh zusammen mit dem HTA die Regierung auf, jetzt zu handeln und die Züchter zu unterstützen, bevor es zu spät sei.

Risiko von Infektionen und Schädlingen wird befürchtet

Wir müssen „Britisch kaufen, um unsere Pflanzenindustrie zu retten“, fordert die Gartenbau-Ikone Titchmarsh. Er befürchte, dass es im Zuge der Corona-Pandemie zu einer Zunahme von Importen kommen müsse, die verheerende Auswirkungen auf die Umwelt im britischen Gartenbau haben werde. Sollte die Regierung innerhalb der nächsten Wochen keine Maßnahmen ergreifen, könnte eine große Auswahl an einheimischen britischen Pflanzen bis zu zwei Jahre lang nicht verfügbar sein, was die Importe erhöhen und Großbritannien dem Risiko von Infektionskrankheiten und Schädlingen aussetzen würde.

Forderung nach Entschädigungssystem für Gartenbau

Der HTA fordert die Regierung vor diesem Hintergund auf, ein Entschädigungssystems einzuführen und behauptet, dass das Hilfspaket der für die Gartenbauindustrie einfach nicht funktioniere. Weniger als einer von fünf Landwirten habe Hilfe durch die Maßnahmen der Regierung zur Unternehmensförderung erhalten, während nur 1% finanzielle Unterstützung aus dem Coronavirus Business Interruption Loans Scheme (CBILS) erhalten habe. Die derzeitige Unterstützung der britischen Regierung berücksichtige demnach nicht den Gesamtverlust des Jahreseinkommens der Landwirte, der weitgehend saisonal von März bis Juni anfällt. Mittlerweile gaben mehr als drei Fünftel der Landwirte (62%) an, dass sie keinen Anspruch auf Zuschüsse zur Unternehmensförderung haben, während fast vier von fünf (79%) Landwirten keinerlei Anspruch auf irgendeine Art von Steuererleichterungen haben. Auch der niederländische Hilfsfonds (TASPO Online berichtete) ruft in Großbritannien Sorge hervor. Während dort neben der finanziellen Unterstützung gleichzeitig die Gartenzentren offen bleiben, bedeutet es, dass die niederländischen Züchter perfekt positioniert sind, um den britischen Markt zu beliefern, falls dieser Sektor zusammenbreche.

Förderungssystem nach niederländischem Vorbild

„Wenn die Regierung nicht in der Lage ist, eine Entschädigungsregelung nach dem Vorbild der bereits von der niederländischen Regierung eingeführten Regelung anzubieten, und unabhängige Gartenzentren geschlossen bleiben, dann steht unsere geliebte britische Gartenindustrie am Rande der Zerstörung“, erklärt Tichmarsh. „Ohne eine ähnliche finanzielle Rettungsleine werden viele unserer Züchter untergehen, und noch mehr Pflanzen müssen aus Europa importiert werden.“ Eine kontrollierte Wiedereröffnung von Gartenzentren würde den Menschen einen begrenzten Zugang ermöglichen und nicht allein dem Sektor unmittelbar helfen, wie James Barnes, Vorsitzender des HTA weiter ausführt. „Die einzige Möglichkeit zur Rettung dieses Sektors besteht darin, ein einfaches Entschädigungssystem wie das von der niederländischen Regierung angekündigte System zu verfolgen, das seine Gartenbauindustrie retten wird. Wir sollten dasselbe tun. Die Kosten dieses Systems würden jedoch erheblich gesenkt, wenn es den Gartencentern erlaubt würde, Pflanzen und Gartengeräte so schnell wie möglich zu verkaufen. Wenn in den nächsten zwei Wochen nichts unternommen wird, könnten wir zwischen einem Drittel und der Hälfte unseres saisonal wachsenden Sektors verlieren, was für Hunderte von Familienbetrieben in ganz Großbritannien eine Tragödie wäre und zu einer Abhängigkeit von ausländischen Importen führen würde, mit all den potenziellen Biosicherheitsproblemen, die das mit sich bringt“, so Barnes.

Weitere Meldungen zur Corona-Krise finden Sie unter dem Newstag „Coronavirus“.

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