Wetterextreme: Gartenbau muss umdenken

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Wetterextreme nehmen zu, Schäden wie diese traten in den vergangenen Jahren deutlich häufiger auf. Foto: Gartenbau-Versicherung

Es ist keinesfalls nur eine „gefühlte“ Steigerung: Schäden durch wetterbedingte Naturkatastrophen sind zwischen 1980 und 2013 weltweit auf etwa das Dreifache gestiegen, zeigen Zahlen der Deutschen Versicherungsgesellschaft. Auch der Gartenbau muss in diesem Zusammenhang umdenken.

„Die Wetterereignisse sind regional begrenzt in den letzten Jahren immer extremer geworden“, machte Christian Senft, Direktor der Gartenbau-Versicherung, im Rahmen des Ahlemer Forums deutlich. Hagelkörner mit größerem und damit zerstörerischem Durchmesser treten in kürzeren Zeitintervallen auf, die Frequenz von flächendeckenden Stürmen wird höher, das für unsere Breiten untypische Phänomen „Windhose“ tritt immer häufiger auf.

Gewächshäuser im Gartenbau oft nicht für Extremereignisse ausgelegt

Auch sehr hohe Regenmengen beziehungsweise große Mengen an Schnee in kürzester Zeit – oft kombiniert mit starker regionaler Konzentration – gibt es immer häufiger. „Für diese Extremereignisse sind bisher übliche Dimensionierungen und Materialien beim Gewächshausbau oft nicht ausgelegt“, so Senft. Im Gartenbau sei deshalb ein Umdenken erforderlich.

Aus ihren Zahlen kann die Gartenbau-Versicherung die genannte Steigerung bisher nicht zweifelsfrei belegen, da für die Betrachtung von Naturrisiken eine sehr lange Zeitspanne – idealerweise mindestens 25 Jahre – notwendig ist. „Diese Zahlen liegen zwar vor, allerdings sind sie von sehr vielen anderen Faktoren beeinflusst. Diese Einflüsse sind nur schwer und begrenzt herauszurechnen.“

Reparatur von Gewächshäusern wird teurer

Hier nennt Senft beispielsweise die Tendenz zu immer höheren Stehwandhöhen und immer größeren Scheiben bei gleichzeitig abnehmender Zahl von Reparaturfirmen. Das verteuere die Reparaturen erheblich. Fraglich sei deshalb, ob der reine „normale statistische Inflationsausgleich“ über die Versicherungssumme diesen Effekt ausreichend kompensiere.

Die zunehmende Technisierung in den Gewächshäusern führe ebenfalls zu höheren Entschädigungsleistungen. „In früheren Jahren konnten teilgeschädigte Pflanzen noch als B-Ware vermarktet werden, heute führen kleinste Qualitätseinbußen praktisch schon zum Totalschaden“, so Senft. Den Gefährdungen durch extremere Wetterereignisse technisch und baulich entgegenzuwirken, bedeute einen höheren Investitionsaufwand, zu dem erhöhter Aufwand für Automatisierung und Energieeffizienz hinzukommt.

Mehraufwand für Unwetterschäden muss von Betrieben erwirtschaftet werden können

Angesichts der überwiegend sehr angespannten wirtschaftlichen Lage in den Betrieben müssten diese Mehraufwände auch erwirtschaftet werden können. „Mit guten Qualitäten zu Ramschpreisen ist das nicht möglich“, so der Versicherungsexperte.

Zunehmend dünneren Kapitalausstattungen der Betriebe müsse mit einer umfassenden Risikoabsicherung durch gute Versicherungen entgegengetreten werden, deren Kosten aber ebenfalls hoch sind. Und letztendlich bedeute eine gute Absicherung der Sachwerte im Schadenfall leider keine Absicherung gegen den Verlust von Marktanteilen durch eine schadenbedingte Produktionsunterbrechung.

 

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